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Robotik Marktforscher erwarten Nachfrageplus bei mobilen Robotern

| Redakteur: Jürgen Schreier

ABI Research hat ein Whitepaper zum Robotermarkt veröffentlicht. Im Rahmen der Corona-Krise relevante Anwendungen wie Desinfektion, Überwachung und Lieferung dürften das Marktvolumen im Bereich der mobilen Robotik bis 2021 auf 23 Milliarden Dollar steigen lassen.

Die Hersteller von Flugdrohnen (zum Beispiel zur Überwachung) können mit kräftigem Marktwachstum rechnen.
Die Hersteller von Flugdrohnen (zum Beispiel zur Überwachung) können mit kräftigem Marktwachstum rechnen.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Wenn eine Branche von der Corona-Krise profitieren könnte, dann die Roboterindustrie. Das gilt allerdings in erster Linie für die Hersteller mobiler Roboter, die sich im Rahmen der Corona-Pandemie bei der Desinfektion, Überwachung und Lieferung bewährt haben. Infolgedessen rechnet das Marktforschungs- und Beratungsunternehmen ABI Research (siehe dazu das neue Whitepaper "Taking Stock of COVID-19") mit einem Wachstum des Marktes für Mobilrobotik bis 2021 auf 23 Milliarden Dollar.

"Krisen verändern die Wahrnehmung dessen, was in Bezug auf Investitionen und transformative Maßnahmen sowohl auf Seiten privater als auch staatlicher Akteure möglich ist. Wenn die Covid-19-Pandemie vorüber ist, werden Roboter in einer Reihe von Anwendungen und Märkten etabliert sein", ist Rian Whitton, Senior Analyst bei ABI Research, überzeugt.

Mobile Roboter stellen Leistungsfähigkeit unter Beweis

Das Virus war eine gute Gelegenheit für Unternehmen, die Fähigkeiten ihrer Roboter für öffentliche Anwendungen unter Beweis zu stellen. Eine der beliebtesten war der Einsatz mobiler unbemannter Plattformen mit ultraviolettem (UV) Licht zur Desinfektion von kompletten Einrichtungen.

Das dänische Unternehmen UVD Robots profitiert von dieser Gelegenheit und setzt verstärkt Roboter zur Desinfektion von Krankenhäusern ein. Das US-amerikanische Unternehmen Germ Falcon bietet eine ähnliche UV-Desinfektionslösung für Flugzeuge an, während das chinesische Unternehmen TMiRob Desinfektionsroboter in Wuhan einsetzt.

"Die Automatisierung der Desinfektion ist ein wichtiger Bestandteil der Aufrechterhaltung von Gesundheit und Sicherheit und könnte einer der größten Lichtblicke in der Reaktion auf Covid-19 sein", betont Whitton.

Hohes Nachfragewachstum bei Drohnen prognostiziert

Drohnen wurden auch zur Durchsetzung von Ausgangssperren und zur Überwachung von Bereichen zu Sicherheitszwecken eingesetzt. Dies stellt eine große Chance für die Luft- und Raumfahrt-Unternehmen sowie die Drohnenhersteller dar, um die Verkäufe an Regierungsbehörden zu steigern. ABI Research erwartet, dass der Markt für kleine Drohnen bis 2021 ein Volumen von 414 Millionen Dollar und bis 2030 sogar 10,4 Milliarden Dollar erreichen wird.

Kurzfristig werden die Regierungen zur Durchsetzung von Quarantänevorschriften ihre Sicherheitsapparate sowie die Produktivität ihrer medizinischen Einrichtungen erhöhen müssen. Dabei werden Roboter durch Desinfektion, Überwachung und Kontrolle eine Schlüsselrolle spielen. Auch der Bereich der Lieferroboter könnte laut ABI Research könnte der Markt für Drohnenlieferungen könnte seine Erfahrungen mit dem Transport von Hilfsgütern in den Entwicklungsländern nutzen und seine Aktivitäten in den am stärksten betroffenen Ländern ausweiten.

Lieferketten werden langfristig neu strukturiert

Langfristig führt Covid-19 zur Neubewertung der globalen Lieferketten. Die Abhängigkeit Amerikas von chinesischen Importen für Grundausrüstung und Medikamente wird zu einem umstrittenen Thema, und Regierungsvertreter interpretieren die Krise bereits als eine Chance, die Kampagne zur Neuausrichtung der Produktionskapazitäten auf den heimischen Markt neu zu beleben.

Wenn sich dies in adäquaten Maßnahmen der Regierungen niederschlägt, um die Herstellung von Schlüsselgütern zu diversifizieren oder neu auszulagern, könnte dies von Vorteil für die Roboterindustrie sein, da solche Veränderungen große Produktivitätsverbesserungen in den Industrieländern erfordern würden.

Analysten erwarten eher negative Effekte bei Industrierobotern

Während die Hersteller "klassischer" Industrieroboter - insbesondere für den Automotive-Bereich - zunächst eher mit negativen Effekten infolge der Covid-19-Krise rechnen müssen, stellt Corona für Anbieter, deren Produkte Märkte wie Gesundheit, Sicherheit und Verteidigung adressieren, eine große Chance dar. Whitton empfiehlt, dass "industrielle Akteure maßgeschneiderte Lösungen für nicht-herstellende Anwendungsfälle entwickeln oder nach umfassenden Lösungen suchen, um ein Scale-up in der Herstellung medizinischer Versorgung zu ermöglichen. Für Anbieter von mobiler Robotik und Softwarefirmen, die auf neu entstehende Märkte abzielen, stellt dies eine große Chance dar, die Bedeutung der Robotik für die Bewältigung nationaler Notfälle sowie für die Milderung des wirtschaftlichen Schocks hervorzuheben".

Der Entenzug - Entlastung auf der letzten Meile

Online-Shops boomen. Das ist gut für die Shopbetreiber und die Lieferdienste. Zugleich beansprucht der Lieferverkehr in den Städten immer mehr Platz.

Die Lösung der könnte nun aus Aachen kommen. Das Start-up Droid Drive hat eine automatisierte Transportlösung namens Ducktrain entwickelt, bei der bis zu fünf Elektrofahrzeuge in einem Zug gekoppelt werden. Nach Firmenangaben kann ein solcher Zug das gleiche Ladevolumen bewältigen, wie ein normaler Transporter. Die Fahrzeuge im „Entenzug“ sind nur einen Meter breit und könnten damit in Städten beispielsweise Fahrradwege nutzen.

Ist der Zug im Zustellbezirk angekommen, vereinzelt sich der Ducktrain und die Fahrzeuge fahren ihre individuellen Ziele an. Der Zug folgt nach Herstellerangaben automatisch einem Mitarbeiter, der ihn entweder zu Fuß oder auf dem Rad in das Zielgebiet dirigiert. Die Einzeleinheiten sind für Geschwindigkeiten von 20 bis 25 km/h ausgelegt und fassen eine Europalette. Die Zuladung liegt bei über 300 Kilogramm.

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