Boston im IoT-Fieber

LiveWorx 2018: ein Feuerwerk an Neuheiten

| Redakteur: Julia Moßner

Mit der LiveWorx 2018 inszeniert PTC eines der größten IoT-Events.
Mit der LiveWorx 2018 inszeniert PTC eines der größten IoT-Events. (Bild: VCG, J. Schreier)

Rund 6000 Teilnehmer aus aller Welt, 230 Breakout-Sessions und mehr als 100 Demonstratoren: Vom 17. bis 20. Juni 2018 drehte sich bei der LiveWorx 2018 Technology Conference in Boston alles um PLM, AR, Digital Twins und das IoT. Auch die neue Cybersecurity-Initiative von PTC wurde vorgestellt.

"Die LiveWorx 2018 ist sicher nicht nur die weltweit angesehenste Konferenz zum Thema digitale Transformation, sondern auch eine der größten." So lobte Veranstalter PTC selbst seine Veranstaltung. Und das sicherlich nicht zu unrecht. Denn mit rund 6000 Teilnehmern dürfte die LiveWorx Technology Conference, die Fachinformationen und eine spannende Ausstellung rund um das Thema Digitalisierung mit einer selbst für Europäer verträglichen Prise Show und Entertainment würzte, kaum zu toppen sein. Einen Eindruck bekommen Sie mit den Bildern unserer Galerie, die greifbare Beispiele rund um die Themen IoT, Augmented Reality, Artificial Intelligence und Industrie 4.0.

Bereits am ersten Veranstaltungstag hatte PTC CEO Jim Heppelmann Sensationelles zu verkünden - nämlich die strategische Partnerschaft mit Rockwell Automation. Beide Unternehmen wollen mit diesem Schritt der Digitalisierung im Industrieumfeld zusätzlichen Rückenwind verleihen und das Umsatzwachstum beschleunigen. Rockwell Automation beteiligt sich in Rahmen der Kooperation mit 1 Mrd. Dollar Equity Capital an PTC. Außerdem tritt Blake Moret, CEO von Rockwell Automation, in das Board of Directors von PTC ein.

Augmented Reality - the next "Big Thing" bei PTC

Die Partnerschaft nutzt die Ressourcen, Technologien, Branchenexpertise und Marktpräsenz beider Unternehmen und umfasst die technische Zusammenarbeit zwischen den Organisationen sowie gemeinsame globale Initiativen zur Markteinführung. PTC und Rockwell Automation haben insbesondere vereinbart, ihre jeweiligen Technologien für die intelligente Fabrik aufeinander abzustimmen und die PTC-Plattformen ThingWorx IoT, Kepware Industrial Connectivity und Vuforia Augmented Reality (AR) mit den Plattformen FactoryTalk MES, FactoryTalk Analytics und Industrial Automation von Rockwell Automation zu kombinieren. Die daraus resultierende integrierte Informationslösung soll es Kunden ermöglichen, eine höhere Produktivität und Anlageneffizienz und eine bessere Interoperabilität der Systeme zu erreichen.

Stephan Ellenrieder ist Geschäftsführer Zentraleuropa bei PTC.
Stephan Ellenrieder ist Geschäftsführer Zentraleuropa bei PTC. (Bild: PTC)

Außerdem verspricht man sich man sich von der engen Partnerschaft mit Rockwell Automation jenseits der technologischen Aspekte einen verbesserten Zugang zur Prozessindustrie - also Chemie, Öl und Gas - , wie Stephan Ellenrieder, Geschäftsführer von PTC Zentraleuropa, in einem Gespräch mit Journalisten aus der DACH-Region erläuterte. "Das sind Themen, die sind für uns komplett neu", so Ellenrieder. "Im Automotive-Bereich brauchen wir keine Unterstützung. Hier haben wir Zugänge zu allen Top-Entscheidern auf der C-Ebene. Aber in den für PTC komplett neuen Bereichen sind die die Zugänge, die unser neuer Partner besitzt, enorm hilfreich. Rockwell Automation hat in diesen Branchen besondere Stärken, was sich mit unseren Marktzugängen sehr gut ergänzt."

Ein weiteres wichtiges Zukunftsthema ist für PTC ist Augmented Reality. "Ich sehe für das Thema Augmented Reality ein immenses Wachstum", so Geschäftsführer Stephan Ellenrieder. "Hatten wir im letzten Jahr Product-Lifecycle-Management als stärkstes Segment, wird im nächsten Fiskaljahr das Thema IoT dem CAD-Umsatz vermutlich den Rang ablaufen."

Ellenrieder sieht für Augmented Reality drei Business-Felder, die adressiert werden können. "Das ist zum einen Vertriebs- und Marketing-Optimierung. Für uns ist das ein komplett neues Tätigkeitsfeld, da wir ja eigentlich aus der Produktoptimierung kommen. Da tun sich komplett neue Umsatzpotenziale. Geschäftsfeld Nummer zwei ist das Produktoptimierung. Hier geht es zum Beispiel um die Frage, ob man mithilfe von AR und und Product-Lifecycle-Management-Gedanken die Zahl der Prototypen reduzieren kann, indem die virtuelle Absicherung auf validen Daten vollziehen kann. Derzeit macht man das immer noch mit Excel."

LiveWorx 2019: Wann und wo?

Wann und wo findet die nächste LiveWorx Technology Conference statt? Klar: 2019 und in Boston - zumal dann auch der auch das neue Headquarter von PTC im schicken Seaport District bezogen sein wird. Vom 10. bis 13. Juni präsentiert die LiveWorx 2019 Technology Conference die Themen IoT, AR/VR, Machine Learning, Blockchain und Robotics. Jede Menge illustrer Keynote-Speaker und Referenten haben sich angesagt. Und dazu gibt es natürlich wieder die bekannte Prise Showbiz.

Größtes Umsatzpotenzial für AR im Servicebereich

Das größte Umsatzpotenzial für AR steckt nach Einschätzung Ellenrieders aber in der Service- und Betriebsoptimierung, indem man dem Service-Techniker nach dem Motto „Ich sehe, was Du siehst“ durch AR Einsatz ermöglicht, entweder selbst vor Ort die Fehlerbehebung zu vollziehen oder dann, wenn die Service-Kavallerie ausrücken muss, diese mit den richtigen Ersatzteilen zum Einsatzort zu schicken.

Caterpillar nutzt AR-Anwendungen im Service- und Wartungsbereich.
Caterpillar nutzt AR-Anwendungen im Service- und Wartungsbereich. (Bild: PTC)

"Sie machen sich keine Vorstellung" so der PTC-Manager, "wie oft in der Nutzfahrzeugbranche Servicefachkräfte ausrücken, 500 km bis zum liegengebliebenen Lkw fahren, um schließlich festzustellen: Genau das, was wir jetzt bräuchten, haben wir nicht dabei. Und so wäre es sicher vorteilhaft, wenn jemand mit einem Handheld oder einer AR-Brille vor Ort wäre und übermitteln könnte, welches Teil konkret benötigt wird, bevor sich die Serviceleute auf die Reise machen."

IoT-Trends 2018:

Stephan Ellenrieder, PTC

IoT-Trends 2018: "PLM, rollenbasierte Apps und AR"

11.01.18 - Stephan Ellenrieder, Geschäftsführer von PTC Zentraleuropa berichtet von Erfahrungen mit Kunden und Geschäftspartnern. Die Themen des letzten Jahres - d.h. Hausaufgaben rund um die Digitalisierung ihrer Daten - bleiben wichtig. Es gibt aber auch neue Trends, die wir im Auge behalten sollten. lesen

PTC integriert ANSYS Simulationslösung in Creo

Echtzeitsimulation

PTC integriert ANSYS Simulationslösung in Creo

30.06.18 - Wie im Rahmen der LiveWorx Technology Conference 2018 in Boston mitgeteilt wurde, bauen PTC und ANSYS ihre Zusammenarbeit aus. So wird die Echtzeit-Simulation ANSYS Discovery Live in die 3D-CAD-Software Creo von PTC integriert. lesen

Per App digitale "Post-its" auf physische Gegenstände kleben

Das Tool der der Wahl ist in diesem Zusammenhang der Vuforia Chalk Remote-Assist-App, die Technikern "im Feld" Anweisungen und Anleitungen in Echtzeit zur Verfügung stellt. Vuforia Chalk kombiniert Augmented-Reality-Technologie mit Echtzeit-Video und verbindet Techniker vor Ort mit einem Experten im Backoffice (oder andernorts), sodass jener die Situation am Einsatzort sehen kann.

Nutzer von Vuforia Chalk können digitale Anmerkungen (Annotationen) "zeichnen", die an jenen physischen Objekten "haften", für die sie erstellt wurden. Das versetzt den Experten in die Lage, den Feldtechniker Schritt für Schritt z.B. durch einen Reparaturprozess zu führen. Selbst wenn sich der Techniker bewegt, bleibt eine Vuforia-Chalk-Annotation an ihrem ursprünglichen Ort verankert. Vuforia Chalk ist aktuell für Apple iOS und das Android-Betriebssystem erhältlich. Für Herbst 2018 ist zudem eine Erweiterung geplant, die die Verwendung von Vuforia Chalk in Verbindung mit Vuforia Studio ermöglicht.

Der Vuforia Chalk Remote-Assist-App stellt Technikern vor Ort Anweisungen und Anleitungen in Echtzeit zur Verfügung. Außerden können App-Nutzer digitale Anmerkungen "zeichnen" und an physische Objekte heften.
Der Vuforia Chalk Remote-Assist-App stellt Technikern vor Ort Anweisungen und Anleitungen in Echtzeit zur Verfügung. Außerden können App-Nutzer digitale Anmerkungen "zeichnen" und an physische Objekte heften. (Bild: PTC)

Die Augmented-Reality-Palette von PTC "hört" auf den Namen Vuforia und umfasst:

  • Vuforia Engine: ermöglicht Benutzern die Entwicklung leistungsstarker plattformübergreifender AR-Anwendungen.
  • Vuforia Studio (ehemals ThingWorx Studio): ermöglicht Benutzern, 3D-CAD-Inhalte wiederzuverwenden, Schritt-für-Schritt-Anleitungen und IoT-Daten zu integrieren und AR-Authoring und -Publishing in Industrieunternehmen zu skalieren.
  • Vuforia View (ehemals ThingWorx View): Mit diesem universellen Browser können Benutzer von Vuforia Studio erstellte Inhalte auf Smartphones und Tablets mit iOS, Android und Windows sowie mit digitalen Brillen wie Microsoft HoloLens nutzen.
  • Vuforia Chalk: ermöglicht es den Technikern, von Experten Fernunterstützung zu erhalten.

Hinzu kommt eine Creo Design Share-Lösung, mit der Benutzer der CAD/CAM-Software Creo, 3D-CAD-Inhalte in Augmented Reality problemlos mit Partnern und anderen Stakeholdern teilen können.

Auch für den Einsatz von Augmented Reality im Mitarbeitertraining habe PTC jetzt die passende Lösung im Portfolio, wie CEO Jim Heppelmann bei der LiveWorx 2018 in Boston verkündete. Möglich macht das die Übernahme der Firma Waypoint Labs . Das junge Technologie-Unternehmen, das vom MIT Media Lab gestartet wurde. kann die Echtzeitbewegungen einer Person, die ein AR-Headset trägt, aufzeichnen, indem das Individuum sowohl audiovisuell als auch räumlich in drei Dimensionen überwacht wird. Eine Wissensverarbeitungs-Engine erfasst diese Informationen und kann sie in unterschiedlichste Formate umwandeln - z.B. in eine interaktive Website mit Fotos und Videos, in Microsoft Word-Dokumente inklusive Fotos oder in ein interaktives AR-Training, bei dem der Teilnehmer ein ähnliches Headset trägt wie die Person, deren Echtzeitaktionen vorher aufgezeichnet wurden.

Die Lösung unterstützt eine Vielzahl industrieller Anwendungsfälle. Dazu gehört beispielsweise die Erstellung und Verteilung von Produktdokumentationen durch Hersteller sowie die Entwicklung von AR-gestützten Standardarbeitsanweisungen (SOPs) zur Verbesserung von Qualität und Compliance. PTC ist dabei, die neu erworbene Technologie in das bestehende AR-Portfolio zu integrieren.

PTC startet Cybersecurity-Initiative

PTC hat ein Coordinated Vulnerability Disclosure (CVD)-Programm vorgestellt, um die gemeinsame Verantwortung für sichere IoT-Implementierungen zu fördern. Das neue Programm soll das Melden und Beheben von Sicherheitslücken unterstützen, die sich potenziell auf Umgebungen auswirken könnten, in denen PTC Produkte eingesetzt werden. Dazu zählen auch industrielle und sicherheitskritische Branchen.

Das CVD-Programm ist ein wesentlicher Bestandteil des Shared Responsibility Model von PTC, das einen Rahmen für die Zusammenarbeit mit Kunden, Partnern und anderen Akteuren der Branche im Bereich Cybersecurity definiert. Jim Heppelmann, CEO von PTC, hob diese Vordenkerrolle während seiner Keynote auf der LiveWorx 2018 hervor. Er lud Partner und Kunden ein, mit PTC für eine Verbesserung der Sicherheit zusammenzuarbeiten, indem sie Verantwortung für die von ihnen kontrollierten Sicherheitsaufgaben übernehmen und bei Zwischenfällen schneller reagieren.

Als Erweiterung des Modells der gemeinsamen Verantwortung sucht das CVD-Programm von PTC Beiträge von externen Forschern, die Schwachstellen in ThingWorx Produkte aufdecken. PTC appelliert an Privatpersonen und Organisationen, Sicherheitslücken nach einem genau definierten Prozess zu melden. Dieser Prozess orientiert sich an der Vorlage der National Telecommunications and Information Administration (NTIA) Safety Working Group. Dieses Programm stellt sicher, dass die Forscher auf die Zusammenarbeit mit PTC zählen können, um Kunden sowie die Sicherheit und Privatsphäre der Öffentlichkeit zu schützen.

„Ausgefeilte Software und Hyperkonnektivität treiben die Innovation in einem beispiellosen Tempo voran“, sagte Joshua Corman, SVP und Chief Security Officer bei PTC. „Das führt zu neuen Formen von Störfällen und Gegnern. In dieser neuen Weltordnung muss die Verantwortung für Cybersecurity von allen getragen werden, und wir müssen gemeinsam gegen solche Bedrohungen vorgehen. Das CVD-Programm von PTC ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer derartigen Zusammenarbeit. Es lädt Privatpersonen und Organisationen ein, Sicherheitslücken so zu identifizieren und zu kommunizieren, dass wir sie schnell bewerten und korrigierende Maßnahmen ergreifen können, um Produkte und Kundenimplementierungen besser abzusichern.”

PTC wird Mitglied des MIT Media Lab

In Ergänzung zum eigenen Reality Lab ist PTC das jüngste Mitglied des MIT Media Lab. Diese Forschungseinrichtung kombiniert auf den ersten Blick "wesensfremde" Forschungsdisziplinen, um dadurch "unkonventionelle" Lösungen und Produkte zu generieren. Die Zusammenarbeit zwischen PTC und den MIT Media Labs wird sich darauf konzentrieren, disruptive Anwendungen für AR und andere Technologien zu verstehen und zu entwickeln.

PTC kündigte im Rahmen der LiveWorx 2018 außerdem eine Zusammenarbeit mit dem Boston Children´s Hospital an, der führenden Einrichtung ihrer Art in den USA. Inhalt der Zusammenarbeit ist die Erforschung des Einsatzes von AR bei Kindern mit Autismus und damit verbundenen Entwicklungsstörungen, damit diese effektiver kommunizieren und lernen können.

Am Abend des ersten Veranstaltungstages wurde William G. Gerstenmaier, Associate Administrator for Human Exploration and Operations der NASA, mit dem Lifetime Achievement Award der American Society of Mechanical Engineers ausgezeichnet. Gerstenmaier war an 21 Space Shuttle Missionen beteiligt. Er studierte Ingenieurwissenschaften an der Purdue University und an der University of Toledo.

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