Produktionssimulation

Lichtblick: Mit Prozessoptimierung gegen Lieferengpässe

| Autor / Redakteur: Maxim Reimche / Redaktion IoT

Fabrikhalle
Fabrikhalle (zephylwer0 - www.pixabay.com)

In einer produktiven Kooperation entwickelten zwei Unternehmen eine Prozessoptimierung, die für ein mittelständisches Unternehmen in Thüringen den Wendepunkt brachte. Dank der Digitalisierungsmaßnahmen gehören dort Lieferengpässe nun der Vergangenheit an.

Immer öfter klingelte das Telefon der Noblex GmbH, einem südthüringischen Unternehmen nahe Eisfeld. In der Chefetage, im Verkauf und auch sogar direkt in der Produktion. Lieferverzug, verspätete Lieferung – dass waren die Worte, die ständig in der Luft schwebten. Eine Veränderung musste her. Der Ausweg aus dem Dilemma war schnell gefunden. Das Unternehmen wandte sich an das Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Ilmenau, welches in Kooperation mit der Berghof Group GmbH dem Unternehmen zum Wendepunkt verhalf.

Praxisorientierte Unterstützung

Angefangen wurde klassisch: In einer Ist-Analyse wurde zunächst der Auftragsabwicklungsprozess unter die Lupe genommen. Bereits hier wurden die ersten Diskrepanzen zwischen dem wahrgenommenen, also gewünschten Prozess, und den eingestellten Parametern im eingesetzten ERP-System festgestellt. Kurzgefasst, die gelebten Grunddaten passten nicht zum angestrebten Logistikansatz.

Doch damit war die Unterstützung nicht zu Ende. Die Produktionsengpässe wurden als Nächstes untersucht. Durch die Turboeinführung eines Advanced Planning and Scheduling (APS)-Systems [1] konnten durchgehende Auftragsnetze[2] gefunden werden – ein wahres Vorzeigeergebnis. Die berühmte Geschichte eines Fehlteils, das zum Zeitpunkt der Auslieferung einen vier-, fünf- oder sogar sechsstelligen Wertbetrag erhält, gehörte ab sofort der Vergangenheit an. Die Disposition wurde neu ausgerichtet, die Synchronisationsfehler zwischen den Bedarfen und Zugängen auf allen Dispositionsstufen gefunden und eliminiert. Somit schrumpfte die Fehlteilliste von Tag zu Tag.

Volle Ausschöpfung der Kapazitäten

Nach dem Material folgten die Kapazitäten. Um die Engpässe im Unternehmen aufzulösen, setzte man organisatorisch stringent den „Theory of Constraints“(TOC)-Ansatz von Goldratt um, auch bekannt als „Engpasstheorie“. Der Hauptsatz der TOC besagt, dass es in jeder Wertschöpfungskette genau ein System gibt, dass die Leistungsfähigkeit des Ganzen bestimmt - der „eindeutige Engpass“[3]. Aufbauend auf dem TOC-Ansatz wurde in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Ilmenau und Berghof Group GmbH ein Simulationsprogramm entwickelt, das nicht nur den Puffer vor dem Engpass erhöht, sondern auch den Austausch von Arbeitsvorräten der Engpässe ermöglicht. Diese neue Weiterentwicklung des TOC-Ansatzes sorgt nun für eine optimale Belegung aller Maschinen. Als Folge davon wurde die zuvor unvollständig genutzte Flexibilität effizienter ausgeschöpft. Die Auswirkung ließ nicht lange auf sich warten: der Materialstau an den Engpässen ist sichtbar gesunken und der Wochenoutput gestiegen.

Wie geht es weiter?

Schnelle Reaktionszeiten sind der Schlüssel zum Erfolg. Folglich ist die Optimierung der aktuellen Situation nicht das Endergebnis, sondern nur die Basis dafür. Das Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Ilmenau und die Berghof Group GmbH arbeiten momentan an einer Lösung, welche den Mitarbeitern fortlaufend die prognostizierten Engpässe anzeigt. Vorausschauende Planung und Steuerung wird dadurch direkt am Ort des Geschehens, in der Produktion, möglich.

Die Optimierung hatte übrigens noch einen weiteren positiven Effekt: Das Telefon klingelt jetzt deutlich seltener.

 

Dieser Text ist in Zusammenarbeit mit Herrn Prof. Dr.-Ing. habil. Jean Pierre Bergmann (Co-Autor) entstanden.

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[1] Advanced Planning and Scheduling-Systeme (APS-Systeme) werden in der Produktionswirtschaft zur Unterstützung der Planungsfunktionen eingesetzt. Beispiel: ERP-Systeme

[2] Ein Auftragsnetz ist die Verknüpfung von Plan- oder Fertigungsaufträgen über mehrere Fertigungsstufen hinweg.

[3] Weiterführende Informationen zu dieser Theorie finden Sie im Buch „Das Ziel“ von Eliyahu Goldratt (2002).

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