Interview mit Oliver Grüttemeier, Geschäftsführer von Serviceplan Köln

„Lauft nicht den Startups hinterher, sondern macht erst mal den eigenen Laden fit“

| Redakteur: Julia Moßner

Oliver Grüttemeier, Geschäftsführer von Serviceplan Köln
Oliver Grüttemeier, Geschäftsführer von Serviceplan Köln (Bild: Serviceplan, Claudia Ast)

Die Frage, wie Unternehmen in diesen turbulenten Zeiten überhaupt noch erfolgreich am Markt bestehen können, treibt uns alle um. Wir haben mit Oliver Grüttemeier, Geschäftsführer von Serviceplan Köln, ein Gespräch darüber geführt, wie Marken dazu beitragen können Mitarbeitern Orientierung zu geben und warum Unternehmen nur mit den richtigen Zielen und Werten am Markt bestehen können.

Herr Grüttemeier, Sie sind Mitveranstalter des Reality Check 4.0, einer Veranstaltung die der Frage nachgeht, ob die Digitalisierung im Mittelstand kippt. Was hat diese Fragestellung mit Ihrer täglichen Arbeit als Kommunikationsagentur zu tun? Überspitzt formuliert sind Sie als Agentur ja vor allem für die Vermarktung der Produkte und Leistungen der Unternehmen zuständig.

Aus unserer Sicht kann gutes Marketing nur dann gelingen, wenn man die ganze Wertschöpfungskette neu denkt. Die Marke eines Unternehmens hat eine Leuchtturmfunktion, sie gibt intern Orientierung, liefert Mitarbeitern die Antwort darauf, warum sie täglich zur Arbeit kommen. Damit auch die äußere, sichtbare Wahrnehmung der Marke stimmig ist, muss die innere Einstellung der Mitarbeiter passen, die ja ihr Unternehmen repräsentieren. Insofern hat das Thema Digitalisierung – das inzwischen alle Unternehmensbereiche umfasst – für uns auch immer mit einer Neudefinition der Marke zu tun.

Haben Sie Beispiele für Marken, denen dies gelingt?

Ich finde, dass Covestro* ein gutes Beispiel ist. Covestro möchte die Welt mit innovativen und nachhaltigen Produkten lebenswerter machen und hat dafür die Werte „neugierig“, „mutig“ und „vielfältig“ gefunden. Diese Werte werden in der Unternehmenskultur gelebt und sind in der Strategie z.B. als langfristiges Wachstum verankert.

Covestro will beispielsweise seine Forschungs- und Entwicklungsprojekte an den UN-Nachhaltigkeitszielen ausrichten. Im Einkauf strebt es an, die eigenen Nachhaltigkeits-Anforderungen bei sämtlichen Lieferanten zu verankern. Mit Blick auf die Produktion gilt es, die spezifischen Treibhausgas-Emissionen weiter deutlich zu verringern.

*Anm. der Redaktion: Covestro ist ein Anbieter von Polymer-Werkstoffen wie z. B. Lacke, Kleb- und Dichtstoffsysteme, Polycarbonate, Polyurethane usw. und gehört zur Bayer AG. Seit 2015 firmiert die ehem. Bayer MaterialScience unter dem Namen Covestro AG und ist rechtlich eigenständig.

Wie können Unternehmen denn Ihren Markenkern finden?

Die Frage ist richtig formuliert: ein Markenkern kann nicht erfunden werden, er muss gefunden werden. Dies kann nur dann gelingen, wenn man allen Stakeholdern zuhört und diese einbezieht. So hat das z.B. auch Covestro gemacht, indem erst ermittelt wurde: „Wofür steht Covestro heute?“ und dann gefragt wurde „Wo wollen wir hin? Wofür soll Covestro zukünftig stehen?“

Hört sich nach einem hohen Aufwand an…

Das ist es auch, aber wenn jeder Mitarbeiter versteht, was er persönlich davon hat, dass Unternehmen „markenzentriert“ geführt werden, dann sind solche Unternehmen immer erfolgreicher als andere. Ohne Vision & Idee – und das steckt ja letztendlich hinter der Marke – kann ein Unternehmen nicht erfolgreich sein. Eine Marke ist immer langfristig gedacht, aber viele Unternehmen werden nur mit kurzfristig messbaren KPIs gesteuert.

Wie passt dieses Thema nun mit einer Veranstaltung wie dem Reality Check 4.0 zusammen?

Digitalisierung ist ein Thema, bei dem viele zuerst an Innovation und Schnelligkeit denken. In jedem Fall bringt die Digitalisierung aber Veränderungen mit sich. Wir haben in den letzten Jahren für und mit vielen Unternehmen gearbeitet, die die Werte des eigenen Unternehmens aus dem Blick verloren haben. Um innovativ zu sein und um die eigenen Schwächen auszugleichen, wollen sie am liebsten mit Startups zusammenarbeiten, obwohl sie deren Arbeitsweisen niemals auf das eigene Unternehmen übertragen können.

Dabei ist ja gerade der Mittelstand oft enorm erfolgreich und hat Werte, auf denen man aufbauen sollte. Deshalb muss man aus meiner Sicht beim Trendwort „digitale Transformation“ genauer hinschauen und sich fragen wie sinnvoll das für mein Unternehmen ist und wie erfolgreich manche Digitalisierungsprojekte in der Vergangenheit tatsächlich waren.

Herr Grüttemeier, vielen Dank für das Gespräch!

Event zum Thema Am 06. Juli findet in Kön der Reality Check 4.0 statt. Firmen wie Weidmüller, Trumpf, WILO oder Multivac berichten über Erfahrungen mit der Digitalisierung. Sichern Sie sich noch heute Ihr Ticket

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