Suchen

Kommentar Kulturkampf in der IT: „Automation-First” gegen „Cloud-First“

| Autor / Redakteur: Rob Mellor* / Sebastian Human

Ein Cloud-Ansatz gehört für die meisten Unternehmen auf dem Weg zur Fabrik der Zukunft fest zur Erfolgsstrategie. Dieser Schritt bedarf jedoch einer gewissen Vorbereitung. Was es zu beachten gilt, um firmeninterne Altlasten nicht mit in die Cloud zu nehmen.

Firma zum Thema

Automatisierung ist ein wichtiger Zwischenschritt auf dem Weg zu einer Cloud-First-Strategie.
Automatisierung ist ein wichtiger Zwischenschritt auf dem Weg zu einer Cloud-First-Strategie.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Schon längst nutzen die meisten Unternehmen flexible Cloud-Technologien, um ihre IT zu modernisieren. Die Cloud-Angebote sind mittlerweile schon so weit ausgereift, dass viele Organisationen sogar eine Cloud-First-Strategie verfolgen. Das heißt, dass sie von vorneherein eher Cloud-Dienstleistungen nutzen, anstatt eigene Systeme anzuschaffen.

Die meisten Unternehmenslenker und IT-Manager wähnen sich bei ihren Bemühungen zur Modernisierung mit dieser Strategie auf der sicheren Seite. Bei genauem Hinsehen fällt jedoch auf, dass der Schritt in die Cloud gut vorbereitet sein will, damit Organisationen nicht veraltete Prozesse mit in die Cloud nehmen - und somit einen Teil der gewünschten Verbesserungen zunichtemachen.

Die Cloud ist bereits der Standard

Viele Organisationen glauben, dass sie sich einfach nur für einen passenden Cloud-Anbieter entscheiden müssen, sobald sie sich für den Schritt in die Cloud entschieden haben. In der Realität ist die Entscheidung natürlich deutlich komplexer, als nur Preise und Funktionen von Cloudanbietern zu vergleichen. Abseits dieser sicherlich wichtigen Parameter, für oder wider die eine oder andere Cloud, ist es für Organisationen jedoch wichtig, ihre Prozesse so zu gestalten, dass sie in der gewählten Cloud-Umgebung immer reibungslos funktionieren, insbesondere dann, wenn sich die Anforderungen ändern.

In der Praxis ist die Migration von Daten und Prozessen in die Cloud oft mit vielen manuellen Einstellungen verbunden. Und wer veraltete Prozesse mit in die Cloud nimmt, der läuft Gefahr, dass die Prozesse in der Cloud bei Änderungen sogar noch komplexer zu verwalten sind, als zuvor im eigenen Rechenzentrum. Dieser zusätzliche Aufwand vorschneller Migrationsprojekte in die Cloud macht die Vorteile dieses Umzugs teilweise wieder zunichte - und stellt so den Cloud-First-Ansatz als Ganzes in Frage. Um diesen hohen Aufwand zu vermeiden, muss folglich erst das Datenmanagement auf den neuesten Stand gebracht werden. Hierbei spielt Automatisierung eine Schlüsselrolle.

Modernes Datenmanagement benötigt Automatisierung

Vor der Cloud waren es IT-Teams gewohnt ihre eigenen Systeme selbst zu verwalten. Die tagtäglichen Aufgaben bestanden darin, diese anzuschaffen, zu installieren, zu lizenzieren, regelmäßig zu patchen und bei Bedarf upzugraden. Sind die Systeme selbst jedoch in der Cloud, verschiebt sich das Aufgabengebiet dieser Teams von der Systemverwaltung in Richtung Datenmanagement. Dieses hat sich neben der sicheren Bereitstellung von IT-Dienstleistungen als eines der wichtigsten Aufgabenfelder der IT herauskristallisiert.

Da jedoch die Datenmengen in Zeiten der Digitalisierung enorm wachen und manuell nicht mehr effizient bearbeitet werden können, benötigen IT-Teams Automatisierung, um dabei zu helfen manuelle, sich wiederholende und arbeitsaufwändige Prozesse zu eliminieren. So können Daten schneller und weniger fehleranfällig verwaltet und die IT-Teams entlastet werden.

Die meisten IT-Teams verstehen dies prinzipiell auch, sehen die Automatisierung jedoch eher als mittel- bis langfristiges Ziel der strategischen Modernisierung an. Außerdem sind viele IT-Teams eher die Verwaltung von Systemen gewohnt, als modernes Datenmanagement.

Sinnvoller für die Modernisierungen wäre es jedoch, zuerst zu automatisieren und anschließend in die Cloud zu migrieren, wo auch die automatisierten Prozesse einfach auf der neuen Plattform funktionieren. Dass ein solcher Automation-First-Ansatz, also zuerst an Automation zu denken, in den meisten Fällen nicht umgesetzt wird, liegt vor allem an der fehlenden Kultur in den IT-Abteilungen der Unternehmen. Automation-First ist jedoch ein sinnvoller Zwischenschritt, der vor dem Schritt in die Cloud gegangen werden sollte.

Die Kultur des „Automation-First“

Der Wechsel in die Cloud bietet eine Plattform, die skalierbar, benutzerfreundlicher und agiler ist. Ein Wechsel auf diese Plattform bedeutet jedoch nicht gleichzeitig, dass die Datenstrategie moderner wird. Wer eine veraltete Datenstrategie auf eine moderne Plattform, wie die Cloud, mitnimmt, kann deren Wert nicht voll ausschöpfen.

Im Kern geht es bei einem Automation-First-Ansatz darum, sich auf Veränderungen in der Zukunft vorzubereiten. Ein hoher Grad an Automatisierung macht das Datenmanagement damit zukunftssicher, flexibler und einfacher zu verwalten. Um bei dieser Automatisierung erfolgreich zu sein, muss aber das höhere Management einer Organisation mit an Bord sein, um den Weg dorthin zu bereiten. Es muss eine Kultur der Automatisierung aktiv unterstützen, die gemeinsam mit allen Mitarbeitern, inklusive der IT, wachsen muss.

* Rob Mellor arbeitet als VP und GM EMEA bei WhereScape.

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 46490269)