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Führen im KI-Zeitalter

Künstliche Intelligenz oder emotionale Intelligenz ist hier die Frage

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Macht KI Führungskräfte wirklich überflüssig?

Mike Warmeling, Erfolgstrainer und Gründer von Warmeling Consulting in Osnabrück, hat sich zu dem Thema ebenfalls so seine Gedanken gemacht und mag kein Bossing der Bosse durch KI erkennen. „Experten wie Neil Jacobstein von der Singularity University im Silicon Valley prognostizieren, dass die künstliche Intelligenz die menschliche bis 2030 überflügelt. Denn in naher Zukunft sollen Algorithmen in 70 bis 80 Prozent der Fälle bessere Entscheidungen treffen als Menschen. Nun könnte man meinen, dass diese Entwicklung klassische Führungspositionen in Unternehmen überflüssig macht und stattdessen alle Mitarbeiter gleichberechtigt nebeneinander arbeiten, während eine Maschine die Richtung vorgibt. Diese Zukunftsvision wird sich allerdings nicht bewahrheiten, da zum einen eine Maschine die emotionale Intelligenz eines Menschen nicht ersetzen kann und zum anderen Unternehmen ohne starke Führungskräfte nicht funktionieren."

Consultant
Consultant Mike Warmeling: "Während Teams dazu neigen, an bequemen Routinen festzuhalten, verfolgen Führungskräfte visionäre Ziele − sie entwickeln Konzepte und Pläne und treiben deren Umsetzung voran. Sie nehmen ihren Mitarbeitern die Angst vor Neuem und motivieren sie, die Entwicklung umzusetzen."
(Bild: Warmeling Consulting)

Aber was sind starke Führungskräfte und was haben die den Zahlen und Algorithmen voraus? "Gute Führungskräfte", erläutert Warmeling, "verfügen über Persönlichkeitsmerkmale wie Zielstrebigkeit oder Durchsetzungsvermögen, die sie zu ihrer Position befähigen. Die restlichen Mitarbeiter brauchen diese Führungskraft, die ihnen sagt, welche Aufgaben momentan hohe Priorität haben. Sie sind froh, wenn sie die Verantwortung an jemand anderen abgeben können und sie nicht auf ihren Schultern lastet. Während Teams dazu neigen, an bequemen Routinen festzuhalten, verfolgen Führungskräfte visionäre Ziele − sie entwickeln Konzepte und Pläne und treiben deren Umsetzung voran. Sie nehmen ihren Mitarbeitern die Angst vor Neuem und motivieren sie, die Entwicklung umzusetzen."

Die wachsende Bedeutung emotionaler Intelligenz im KI-Zeitalter hebt zudem eine neue Studie von Capgemini hervor. Weil neue Technologien - z.B. KI - in der Geschäftswelt mehr und mehr herkömmliche Tätigkeiten und Routineaufgaben automatisieren., reift bei Führungskräften und den betroffenen Mitarbeitern die Erkenntnis, dass emotionale Intelligenz – nämlich die Fähigkeit, eigene und fremde Gefühle wahrzunehmen, zu verstehen und zu beeinflussen – eine Kernkompetenz für den Erfolg im digitalen Zeitalter ist.

Laut Capgemini wird die Nachfrage nach Emotionaler Intelligenz (EI) wird international in den nächsten drei bis fünf Jahren um das Sechsfache steigen – in Deutschland um das Fünffache. Die Rekrutierungs-Prozesse und Trainings sind in diesem Punkt allerdings noch nicht auf der Höhe der Zeit. Dies führt dazu, dass viele Unternehmen nicht von den positiven Effekten emotionaler Intelligenz auf Mitarbeiterzufriedenheit, Umsatzgenerierung, Fluktuation und Kostensenkungen profitieren können. Zu diesem Schluss kommt die Studie „Emotional Intelligence - the essential skillset for the age of AI“ des Capgemini Research Institutes.

Capgemini: Emotionale Intelligenz - ein Must-have im AI-Age

Da Routineaufgaben automatisiert werden, legen Unternehmen besonderen Wert auf EI-Fähigkeiten wie Selbstreflexion, Beziehungsmanagement und Kommunikationsgeschick. 76 Prozent der Führungskräfte global und 72 Prozent in Deutschland sagten im Rahmen der Studie, dass die Mitarbeiter ihre EI ausbauen müssen, damit sie auch für kunden- und personenbezogenere Rollen geeignet sind.

Ebenfalls 76 Prozent der Führungskräfte global und 72 Prozent in Deutschland meinten, dies sei nötig, damit sie Aufgaben übernehmen können, die nicht automatisierbare EI-Fähigkeiten wie Empathieempfinden, Einflussnahme und Teamarbeit erfordern. Im globalen Durchschnitt glauben 61 Prozent – in Deutschland jedoch nur 45 Prozent – der befragten Führungskräfte, dass Emotionale Intelligenz in den nächsten ein bis fünf Jahren zu einer Must-have-Fähigkeit wird. Von den Mitarbeitern ohne Führungsaufgaben glauben dies 41 Prozent global und 32 Prozent in Deutschland. Insgesamt sagten 83 Prozent der Unternehmen, dass eine hochgradig emotional intelligente Mitarbeiterschaft in den kommenden Jahren eine Grundvoraussetzung für Erfolg sein wird.

Claudia
Claudia Crummenerl, Global Practice Lead People and Organization bei Capgemini Invent: "Die Erfahrung der erfolgreichsten Unternehmen zeigt, dass Unternehmen die EI in den Bereichen Rekrutierung, Training und Kultur priorisieren müssen, um ein krisenresistentes Team in einer sich wandelnden Welt aufzubauen."
(Bild: Capgemini)

„Unternehmen ist zunehmend bewusst, dass sie die Kompetenzen von Mitarbeitern mit ausgeprägter Emotionaler Intelligenz brauchen. Allerdings bewegen sie sich nicht schnell genug, um angemessen in sie zu investieren“, sagt Claudia Crummenerl, Global Practice Lead People and Organization bei Capgemini Invent. „Mit der Automatisierung von Routineaufgaben steigt die Nachfrage nach emotionaler Intelligenz – und wir sehen, wie sehr Unternehmen von einer emotional intelligenten Mitarbeiterschaft profitieren. Die Erfahrung der dabei erfolgreichsten Unternehmen zeigt, dass Unternehmen die EI in den Bereichen Rekrutierung, Training und Kultur priorisieren müssen, um ein krisenresistentes Team in einer sich wandelnden Welt aufzubauen.“

Unternehmen mit emotional intelligenter Belegschaft profitieren

Unternehmen, die über Mitarbeiter mit hoher Emotionaler Intelligenz verfügen, genießen erhebliche Vorteile: Im Durchschnitt haben 60 Prozent der befragten Unternehmen international höhere Gewinne von mehr als 20 Prozent durch ihre Mitarbeiter, die eine hohe EI zeigen. Zu den wichtigsten quantitativen Vorteilen gehören eine gesteigerte Produktivität, eine höhere Mitarbeiterzufriedenheit und ein wachsender Marktanteil. Die Studie schätzt, dass Unternehmen, die nachhaltig in EI investieren, einen Return on Investment zwischen dem 2,2- und 4,4-Fachen erzielen, wenn man die Auswirkungen auf Umsatz, Produktivität, Kosten und Fluktuation einkalkuliert.

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„Denken Sie an die mathematischen Fähigkeiten: Jeder von uns wird mit einer Grundbegabung geboren, um mit Mathematik zu arbeiten. Wenn wir uns aber in der Schule nicht mit Themen wie Algebra befassen, haben wir nur geringe Fähigkeiten, Variablen und Gleichungen eigenständig zu handhaben. In ähnlicher Weise kann hinsichtlich der Emotionalen Intelligenz ein gewisses Maß an Unterricht und Unterstützung hilfreich sein. Wir können uns Kenntnisse auf diesem Gebiet aneignen und unsere Intelligenz so erfolgreicher einsetzen“, sagt John Mayer, Professor für Psychologie an der Universität von New Hampshire, der den Begriff der emotionalen Intelligenz prägte.

Die Studienautoren kommen zu dem Schluss, dass Unternehmen EI in ihr Mitarbeiter-Management integrieren und sowohl Bottom-up- als auch Top-down-Ansätze verfolgen müssen, um durch Veränderungen bestehender Prozesse eine Belegschaft mit hoher EI aufzubauen. Unternehmen müssen auch eine Kultur entwickeln, die EI wertschätzt und nach kontinuierlicher Verbesserung strebt.

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