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Expertenbeitrag

Thomas Zimmerli

Thomas Zimmerli

Management Consultant, CMC, Zimmerli Sales- und Management-Consultants AG

In ausgetretenen Pfaden lässt sich schwer überholen

Können wir uns das auf Dauer leisten?

| Autor: Thomas Zimmerli

Industrie 4.0 ist ein Trend, der alleine in Deutschland in sechs Marktsegmenten bis 2025 78 Mrd. Euro zusätzliches Geschäftspotential birgt. Wenn es darum geht, diese Potentiale zu nutzen, wird das volkswirtschaftliche Potential in Europa zu oft liegen gelassen. Schlüssel-Kompetenzen, Technologien und Ressourcen wandern nach Asien oder in die USA ab. Können wir uns das auf Dauer leisten?

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Quelle: Fotolia
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(Group of male athletes with arms raised in celebration, elevated view )

Eine Studie des Fraunhofer Instituts und der BITKOM zum Thema "Industry 4.0" zeigt, dass durch den Trend zu Industrie 4.0 und Internet of Things alleine in 6 Marktsegmenten in Deutschland bis 2025 78 Mrd. Euro an zusätzlichem Geschäftspotential realisiert werden können. Das entspricht einer jährlichen Wachstumsrate von 1.7%. In anderen europäischen Ländern dürften die Potentiale ähnlich sein.

Deutschland, die Schweiz und weitere europäische Länder sind regelmässig vorne mit dabei, wenn es um Entwicklungen und um Erfindungen geht.
Beim Ausschöpfen der Geschäftspotentiale daraus hapert es - Zukunfts-Themen werden oft in Ländern ausserhalb Europas besetzt oder schlicht "abgesogen". Das volkswirtschaftliche Potential bleibt damit in Europa ungenutzt.

Dies führt dazu, dass Schlüssel-Kompetenzen, Technologien und Ressourcen abwandern. Können wir uns das auf Dauer leisten?

Was daran interessiert, sind die Gründe, die dazu führen. Wie immer bei solch komplexen Themen finden sich dafür keine mono-kausalen Ursachen.

Ein offensichtlicher Unterschied wird jedoch kulturell bedingt bei den Themen Führungsarbeit und Leadership sichtbar - Europa scheint bei Anbietern zu "shoppen", schreibt (zu) oft bei den Amerikanern ab, hat Bedenken und sieht Risiken, rennt Trends, Begriffen, Studien und Universitäten hinterher und die eigene Vision zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit und des Kundennutzens bleibt (zu) oft auf der Strecke.
Wer woanders abschreibt, wenig entscheidet und den aktuellen Geschäftserfolg verwaltet, arbeitet meist profitabel, geht wenig Risiko ein und kann sich immer auf jemanden berufen. Ein Abbruch eines wenig erfolgreichen Vorhabens wird hierzuland als Scheitern und als Makel angesehen.

In Asien werden zwischenzeitlich hungrig langfristige Ziele und ein volkswirtschaftlicher Aufstieg verfolgt und gezielt Schlüsseltechnologien übernommen.

Die USA gehen Risiken mit neuen, oft disruptiven Geschäftsmodellen und Führungspersonen ein. Ein potentielles Scheitern und der dadurch nötige Neuanfang werden dabei in Kauf genommen, gehört dazu und werden nicht als Makel angesehen.

Wer als Entscheider und Unternehmer in Europa langfristig überleben will tut gut daran, nicht nur "Buzzwords" abzuschreiben sondern selber zu denken und sich Gedanken zu machen, was in der aktuellen Situation wirklich zu einem gesteigerten Kundennutzen und zu einem realen Wettbewerbsvorteil führt.

Wo anfangen - wie vorgehen - Empfehlungen aus der Praxis
In der Praxis ist ein goldener Mittelweg möglich: Starten Sie mit Win- und Loss-Analysen im Vertrieb und arbeiten Sie ohne Scheuklappen die wahren Gründe für einen verpassten Kundennutzen heraus. Wundern Sie sich nicht, wenn sich Herausforderungen zeigen, die oft nur abteilungs-übergreifend gelöst werden können z.B. liegen die wahren Gründe für Auftragsverluste oft im Service oder im Produkte-Management.

Dann arbeiten Sie mit Ihren Kunden bei der Erarbeitung von Geschäftsmodellen und Business Cases und kunden- / branchenspezifischen Lösungen zusammen und identifizieren Sie erweiterten Kundennutzen. Stellen Sie Ihr bisheriges Geschäftsmodell auf die Probe. Wenn Sie es nicht tun, wird es möglicherweise bald ein Anderer tun.

Im nächsten Schritt schaffen Sie bei Ihnen intern die Rahmenbedingungen. Im Kern geht es dabei meist um Change Themen um Aufbruch zu schaffen und um die Stakeholder, die für eine erfolgreiche Umsetzung benötigt werden. Wer eine Vision hat und diese teilt, findet meist Schlüsselpersonen in der eigenen Unternehmung, die mitziehen. Schaffen Sie ein starkes Gegengewicht zu den Bedenkenträgern und versuchen Sie, diese mitzunehmen.

Dann folgt die Umsetzung bzw. die Optimierung. Diese lässt sich meist nur abteilungsübergreifend erfolgreich und nachhaltig bewältigen. Die Herausforderung liegt darin, Ressourcen, die bisher fast ausschliesslich in Produkte- oder Abteilungs- Silos reaktiv und ausführend gearbeitet haben, proaktiv in einer Projektstruktur auf ein gemeinsames Ziel und den Kunden auszurichten.

Bleiben Sie kontinuierlich dran. Industrie 4.0 / IoT ist nichts grundlegend Neues sondern lediglich die weitere Entwicklung der Industrialisierung, der Automatisierung und der Lösungen und Systeme. Viele kleine evolutionäre und sinnvolle Schritte machen in der Summe eine Revolution und erhalten oder steigern die Wettbewerbsfähigkeit. Wettbewerb findet nicht nur zwischen Branchen- oder Firmen sondern global statt. Überleben werden nicht nur die Grössten und Stärksten sondern die Agilsten.

Fazit: In ausgetretenen Pfaden lässt sich schwer überholen!

Feedback und Erfahrungsaustausch sind erwünscht:
zimmerli@zimmerli-consulting.com
+41 79 420 19 04

Über den Autor

Thomas Zimmerli

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Management Consultant, CMC, Zimmerli Sales- und Management-Consultants AG