Expertenbeitrag

Dipl.-Informatiker Carsten Hagemann

Dipl.-Informatiker Carsten Hagemann

Freier Berater, Hagemann Consulting

Kommentar KI: Ist das die Zukunft oder kann das weg?

Autor / Redakteur: Carsten Hagemann & Steven Dehlan* / Sebastian Human

Zukünftig sind Methoden der Künstlichen Intelligenz aus Unternehmen nicht mehr weg zu denken. KI ist kein Hexenwerk, sondern baut im Wesentlichen auf Mathematik auf. Es gilt jetzt, Berührungsängste abzubauen und die Einsatzmöglichkeiten der KI im Unternehmen zu ermitteln.

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Der erste Schritt ist immer der schwerste…das gilt auch bei der Einführung KI-gestützter Unternehmensprozesse.
Der erste Schritt ist immer der schwerste…das gilt auch bei der Einführung KI-gestützter Unternehmensprozesse.
(Bild: gemeinfrei / Pexels )

Sicherlich ist der erste Berührungspunkt mit Künstlicher Intelligenz kein einfacher. Das Tagesgeschäft brummt und nimmt einen immensen Teil des Arbeitsalltags ein. Sich dann zusätzlich noch gewissenhaft mit einer „neuen“ Technologie zu befassen, gar Anknüpfungspunkte im eigenen Unternehmen zu finden, fällt vielen oft schwer.
Dass Daten das neue Gold, respektive Wasser auf den Mühlen, der Wirtschaft sind, hört man schon länger. Genauer gesagt sind jedoch Informationen aus Daten die neue wertvolle Ressource. Denn Daten gibt es (oft) wie Sand am Meer. Viele stellen sich aber die Frage, wie sie diese Daten für ihr Unternehmen nutzbringend verwenden können, ohne sich dabei strafbar zu machen.

Ein Weg ist es, aus den Daten, welche die Vergangenheit widerspiegeln, Erfahrungen zu gewinnen und damit Vorhersagen für den Umgang mit zukünftigen ähnlichen Situationen treffen zu können. Damit sind Begriffe wie Machine Learning (ML), Deep Learning, Reinforcement Learning, Künstliche neuronale Netze verbunden. Diese Methoden gehören in die Disziplin der Künstlichen Intelligenz. Wie bekomme ich aber persönlich Zugang zu diesem spannenden Thema?

Berührungsängste mit KI – muss man die tatsächlich haben?

Was konkret ist KI? Künstliche Intelligenz ist ein Teilgebiet der Informatik und beinhaltet, neben Elementen aus dieser, heute als wesentlichen Bestandteil angewandte Mathematik. Dies sind unter anderem Verfahren aus der Stochastik und der Linearen Algebra. Wer sich also schon beim Abitur oder dem Studium mit diesen Themen schwergetan hat, der wird jetzt vermutlich wieder davor zurückschrecken, Software mit KI-Methoden einzusetzen. Für den Einsatz in einem Unternehmen müssen sie aber nicht die Methoden und Algorithmen bis ins kleinste Detail kennen, denn dafür gibt es die KI-Spezialisten. Die Aufgabe einer Führungskraft ist es, das Einsatzgebiet für KI-Methoden festzulegen.

Sind nicht eher Berührungsängste mit einer vermeintlich unbekannten Technologie und dem fehlenden Verständnis für den Umgang mit den mathematischen Methoden der KI der Grund für das Ignorieren der sich bietenden Möglichkeiten? Ist es auch die Angst vor dem Verlust der Kontrolle und der immer transparenter werdenden Persönlichkeit eines jeden Einzelnen, sei es im Berufsleben oder insbesondere im Privaten?

Künstliche Intelligenz einsetzen – oder traue ich mich nicht?

Eine Führungskraft in einem Unternehmen wird in der Regel nur die Werkzeuge einsetzen, die sie kennt und mit denen sie positive Erfahrungen gemacht hat. Insbesondere wenn es um Kontrolle von Maschinen und die Transparenz von Daten und Prozessen im Unternehmen geht. Gibt es positive Erfahrungen bei anderen Unternehmen, beschäftigt man sich schon eher mit einer neuen Thematik. Künstliche Intelligenz wird erfolgreich in Firmen eingesetzt, was sich aber leider noch nicht weit genug herumgesprochen hat.

Insbesondere beim Mittelstand und dann noch zu Corona-Zeiten haben die Unternehmen am meisten mit sich selbst zu tun und kämpfen um ihr Überleben. Dennoch ist gerade jetzt der Zeitpunkt, sich mit der Zeit nach der Corona-Krise zu beschäftigen. Die Methoden der Künstlichen Intelligenz werden für die Zukunftssicherheit eines Unternehmens eine immer wichtigere Rolle spielen, denn die KI ist alles andere als ein Hype, der schnell wieder vorbeigeht. Unternehmen, die heute bereits KI nutzen, sind erfolgreicher als zu dem Zeitpunkt, zu dem sie noch keine KI eingesetzt haben. Und die Unternehmen gehen quer durch alle Branchen:

  • Medizin
  • Logistik
  • Vertrieb und Marketing
  • Produzierende Unternehmen
  • FinTech

Wie kann ein Unternehmen Zugang zur KI bekommen?

Eine prinzipielle Überlegung bei einer erstmaligen Auseinandersetzung mit so einem für viele noch sehr schwergewichtigen Thema ist die Abwägung, was ich mit dem Einsatz von KI grundlegend erreichen möchte. Zwei grobe Handlungsstränge eröffnen sich hierbei.

Künstliche Intelligenz wird in den meisten kontextbezogenen Darstellungen als neuer, für eine Branchen im Allgemeinen oder ein Unternehmen im speziellen disruptiver Ansatz gesehen. Begründen lässt sich diese Sicht in erster Linie durch den Umstand, dass KI dabei als Treiber für neue Geschäftsmodelle und -möglichkeiten verstanden wird. Künstliche Intelligenz jedoch ist, wie viele andere fortschrittliche Ansätze aus den großen Weiten der Digitalisierung (auch, wenn es sich oft wie ein dichter, unüberwindbarer Wald anfühlt), zunächst auch nur als Werkzeug nutzbar; genauer gesagt als Unterstützungswerkzeug in gewohntem Business-Umfeld. Ganz im Sinne der Unternehmenskulturen einer ressourcenschonenden, auf Verschwendung beziehungsweise Vermeidung ausgerichtete Managementansätze, kann KI insbesondere bestehende Prozesse verschlanken.

Die Auseinandersetzung mit KI ist zwingend. Gerade wenn die Technologie noch eine grüne Wiese ist, auf der aber auch in absehbarer Zeit etwas Fruchtbares gedeihen soll, ist es unablässig, sich früh mit erfolgskritischen Elementen auseinanderzusetzen. Ein Unternehmen beispielsweise, das erste KI-Anwendungen in einem Zeitraum von ein bis zwei Jahren sieht, sollte sich dennoch heute schon um die Grundbausteine jener KI-Anwendung kümmern. Das bedeutet, die Schaffung einer Datenbasis in Form von vollständigen und validen Daten, auf deren Grundlage zu einem späteren Zeitpunkt ein KI-System lernen und arbeiten kann.

Die sich daraus ergebenden Fragen müssen sich jede Unternehmerin und jeder Unternehmer in Bezug auf Künstliche Intelligenz dringend stellen und beantworten:

  • Was kann KI aktuell leisten?
  • Was bietet KI für mich und meine Branche an Potenzialen? Was sind die Good Practices und deren Impact?
  • Welche Transformationen in Datenstrukturen, Wertschöpfungsabläufen, der konkreten Produktion und in den Geschäftsmodellen hat das zur Folge?
  • Welche Akzeptanzprobleme in der Führungsebene und bei den Mitarbeitern müssen überwunden werden?
  • Was sind die Voraussetzungen, Vorgehen und Resources, um KI im Unternehmen zu entwickeln?

Artificial Intelligence Center Hamburg (ARIC) e.V.

Das Angebot des ARIC e.V.
Das Angebot des ARIC e.V.
(Bild: ARIC e.V.)

Auf diese Fragen gibt es keine pauschale Antwort. Jedes Unternehmen, jede Branche muss dies für die jeweils konkrete Situation beantworten. Wie weit ist die Datenverfügbarkeit und- qualität? Wie weit stellen sich meine Sicherheitsvorkehrungen als robust heraus? Welches KI-Know-how ist für mich wichtig? Die Antworten auf diese Fragen zu finden ist nicht einfach. An dieser Stelle können Einrichtungen wie ARIC helfen.

Das Artificial Intelligence Center (ARIC) ist das von der Stadt Hamburg offiziell unterstützte KI-Zentrum, in dem die unterschiedlichen Aktivitäten und Akteure mit dem spezifischen Wissen aus dem wissenschaftlichen, wirtschaftlichen sowie gesellschaftlich-politischen Bereich in der Metropolregion Hamburg gebündelt werden.

Über Informations- und Weiterbildungsangebote bis hin zur Projektierung und Implementierung von KI-Anwendungsfällen bietet das ARIC einen Single-Point-of-Contact, gerade für Unternehmen und Institutionen, die (noch) keinen Draht zu Künstlicher Intelligenz haben. Obgleich der Fokus hier auf Hamburg liegt, agiert das ARIC in Kooperation mit anderen lokalen Institutionen deutschlandweit und unterhält gute Beziehungen und Kooperationen zu führenden Hotspots im Bereich KI weltweit, unter anderem in Estland und anderen baltischen Staaten sowie Israel, Kanada und der Tschechischen Republik.

* Steven Dehlan arbeitet als Projektmanager für Künstliche Intelligenz beim ARIC e.V.

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Über den Autor

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