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Künstliche Intelligenz

KI im Recruiting: Klarer Nutzen erhöht Akzeptanz

| Redakteur: Jürgen Schreier

Die jüngste Bewerber-Studie von viasto zur Akzeptanz von Künstlicher Intelligenz im Bewerbungsprozess macht deutlich: Bietet der KI-Einsatz bei der Personal-Auswahl einen konkreten Nutzen, so sinkt Skepsis auf Kandidatenseite.

Beim Recruiting wird der Einsatz von KI tendenziell akzeptiert, wenn der Bewerber einen konkreten Nutzen darin erkannt. Auf Ablehnung stößt aber die Nutzung Künstlicher Intelligenz zur Erkennung von Emotionen und der Persönlichkeit.
Beim Recruiting wird der Einsatz von KI tendenziell akzeptiert, wenn der Bewerber einen konkreten Nutzen darin erkannt. Auf Ablehnung stößt aber die Nutzung Künstlicher Intelligenz zur Erkennung von Emotionen und der Persönlichkeit.
( Bild: Pixabay / CC0 )

Rund 80 Prozent der Bewerber in Deutschland sind überzeugt: Künstliche Intelligenz wird die Personal-Auswahl von Arbeitgebern in Zukunft prägen. Allerdings fühlen sich mehr als zwei Drittel (67 Prozent) eher schlecht oder gar nicht auf diesen digitalen Veränderungsprozess rund um ihre Jobsuche und Bewerbung vorbereitet. Das ist das Ergebnis einer Studie für die viasto, einem Anbieter von Video-Recruiting, gemeinsam mit dem Marktforschungsunternehmen respondi mehr als 1000 Menschen befragte, die sich in den letzten drei Jahren mindestens einmal beworben haben.

Demnach herrscht bei 47 Prozent der Bewerber zwar eine gewisse Skepsis gegenüber Künstlicher Intelligenz im beruflichen Auswahlprozess, doch steht jeder vierte Bewerber (26 Prozent) algorithmisch basierten Instrumenten zur Personal-Auswahl generell positiv gegenüber. Dabei fällt die grundsätzliche Skepsis, wenn der konkrete Bewerbernutzen steigt. Etwas mehr als zwei Drittel der Kandidaten bewerten den Einsatz von Algorithmen beim Recruiting positiv, wenn diese dabei helfen, den passenden Job zu finden.

Große Zustimmung für Algorithmen in der Personal-Auswahl

Allerdings wächst die Skepsis gegenüber dem KI-Einsatz im Recruiting kontinuierlich mit den Altersgruppen. Während bei 18- bis 29-Jährigen und 30 bis 39-Jährigen sich jeweils nur zehn bis elf Prozent als sehr skeptisch aussprechen, steigt dieser Anteil bei den 40- bis 49-Jährigen auf 18,3 Prozent. Unter den 50- bis 59-Jährigen sind gar 22,9 Prozent und unter 60+- Jährigen 31.6 Prozent äußerst skeptisch gegenüber KI in der Personalauswahl.

Besonders hoch ist die Zustimmung zum Einsatz von Algorithmen rund um den Personalauswahl-Prozess neben der Jobsuche auch dann, wenn es darum geht die passenden Kollegen und Vorgesetzten zu eruieren. 64 Prozent der in der viasto-Studie Befragten befürworten sie, wenn dadurch ein Kollege ausfindig gemacht wird, der fachlich zu den eigenen Fähigkeiten passt. Bei 62 Prozent liegt der entsprechende Zustimmungswert, wenn darüber ein zur eigenen Persönlichkeit passende Kollege gefunden wird. 60 Prozent würden den Einsatz von Algorithmen schließlich befürworten, wenn ihr Arbeitgeber so den idealen Vorgesetzten findet.

Mehr als ein Viertel der Befragten beurteilt den Einsatz von Künstlicher Intelligenz bei der Personal-Auswahl durchaus positiv.
Mehr als ein Viertel der Befragten beurteilt den Einsatz von Künstlicher Intelligenz bei der Personal-Auswahl durchaus positiv.
( Bild: ciasto )

Insgesamt haben Bewerber noch kein klares Bild davon, wie oft Lösungen auf Basis künstlicher Intelligenz bereits Einzug in die Personalabteilungen der Arbeitgeber gefunden haben. So sind 40 Prozent der Befragten überzeugt, dass Künstliche Intelligenz schon heute in HR-Prozessen eingesetzt wird. Allerdings haben nur 14 Prozent von ihnen das Gefühl, bereits in ihrem Bewerbungsprozess mit derartigen Lösungen in Berührung gekommen zu sein.

Thema KI sorgt generell für ein "gewisses Unbehagen"

Diese Beobachtung zeigt sich auch, wenn andere mögliche Einsatzgebiete von Künstlicher Intelligenz angesprochen wurden. Während beispielsweise 81 Prozent der Befragten glauben, dass Künstliche Intelligenz bereits in der Medizin zum Einsatz kommt, glauben nur 29 Prozent in diesem Kontext schon einmal mit entsprechenden Lösungen konfrontiert worden zu sein.

„Viele Kandidaten können dem Begriff Künstliche Intelligenz noch keine konkreten Maßnahmen zuordnen. Unsere Studie zeigt, dass Bewerber ein gewisses Unbehagen verspüren, wenn es um das Thema geht. Auf der anderen Seite ist Technologie, die sinnvoll und einem klaren Nutzen eingesetzt wird, auf Bewerberseite willkommen. Hier müssen Verbände und digitale Personalabteilungen ansetzen und Aufklärungsarbeit leisten“, so Sara Lindemann von viasto.

Doch ist es nicht der Nutzen einer KI bei der Personal-Auswahl allein, der darüber entscheidet, wie Bewerber die Technologie beurteilen. Wie die Künstliche Intelligenz "verfährt", um diesen Nutzen zu erzielen, ist ebenfalls ein wichtiges Kriterium für die Teilnehmer. viasto hat die Teilnehmer zunächst gefragt, ob sie generell klassische Auswahlprozesse - z.B. die Bewerbung mit Lebenslauf oder die Bewerbung via Video - einer Bewerbung vorziehen würden, in der KI zum Einsatz kommt. Für 44,3 Prozent der Befragten ist das der Fall.

Vorbehalte, wenn KI den Bewerber bewertet

Dies deckt sich mit der anfänglichen Skepsis, die ohne weitere Erklärung der Künstlichen Intelligenz auftritt. Wirft man jedoch einen genaueren Blick auf die Beweggründe für die Entscheidung der skeptischen Teilnehmer, dann wird deutlich: Bewerber bewerten Auswahlprozesse unterschiedlich je nachdem welche Art von KI in ihnen zum Einsatz kommt.

Wenn der Computer die Bewertung der Kandidaten und die Auswahlentscheidung übernimmt, so wird dies weitgehend abgelehnt. Jeweils knapp zwei Drittel sagen, dass Künstliche Intelligenz zur Erkennung von Emotionen (62,8 Prozent) und zur Erkennung der Persönlichkeit (58,9 Prozent) von einer Bewerbung abschrecken würde. Wenn KI jedoch eher zur prozessualen Unterstützung eingesetzt wird, ist die Ablehnung deutlich geringer. So sprechen sich beispielsweise nur noch 23,3 Prozent gegen den Einsatz Künstlicher Intelligenz bei der Auswertung von Lebensläufen aus.

Künstliche Intelligenz: Sorge statt Wissen

Ohne eine gezielte Begriffsklärung wird Deutschland im internationalen digitalen Fortschritt weit zurückfallen. Diese Befürchtung äußert aktuell die Paragon Systemhaus GmbH. „Digitaler Rückstand entsteht durch Unkenntnis. Sie ängstigt oder sorgt für übertriebenen Optimismus. Tatsächlich werden zum Beispiel die Begriffe KI, Cognitive Computing und Maschinelles Lernen derzeit vielfach als Synonym verwendet. Aus wissenschaftlicher Sicht bestehen hier jedoch wesentliche Unterschiede und eine derartige Vermischung ist schon auf Grund der zugrunde liegenden Verfahren nicht zulässig“, mahnt Prof. Dr. Martin Bogdan, Geschäftsführer der Paragon Systemhaus GmbH und Professor für Technische Informatik an der Universität Leipzig.

Laut einer repräsentativen Umfrage des Instituts YouGov zum Thema Künstliche Intelligenz tut Aufklärung Not: Lediglich 15 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass der Nutzen der KI-Technologie gegenüber den Risiken überwiegt. 45 Prozent sehen gleich viele Gefahren wie Chancen, weitere 26 Prozent bewerten die Risiken als höher als den möglichen Nutzen.

„Es ist oft nur der Begriff, der den einen Angst macht, während andere wiederum überzogene Erwartungen in technische Verfahren setzen, die gut klingen. Insbesondere bei Arbeitnehmern ruft der Ausdruck Künstliche Intelligenz Sorgenfalten hervor. Wahrscheinlich sehen viele in der KI noch immer den annähernd menschlich wirkenden Roboter, der mir zuerst den Job wegnimmt und anschließend die Weltherrschaft anstrebt. Dem ist natürlich nicht so“, sagt Bogdan. Tatsächlich beschreibt der Begriff der Künstlichen Intelligenz lediglich eine bestimmte Form der Automatisierung von Prozessen.

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