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Raumfahrt KI-Assistent soll drei Jahre auf der ISS unterstützen

| Redakteur: Katharina Juschkat

14 Monate lang hat auf der ISS ein schwebender Roboterkopf namens Cimon erfolgreich den Astronauten assistiert – jetzt ist sein Nachfolger auf dem Weg zur ISS.

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Cimon 2 kann jetzt Emotionen erkennen und hat einen besseren Orientierungssinn. Drei Jahre lang soll er assistieren.
Cimon 2 kann jetzt Emotionen erkennen und hat einen besseren Orientierungssinn. Drei Jahre lang soll er assistieren.
(Bild: Cimon 2 vor Start / Cimon 2 vor Start / DLR / CC BY 3.0 / CC BY 3.0)

Cimon 1 – kurz für „Crew Interactive Mobile Companion“ – war für 14 Monate auf der internationalen Raumstation ISS und assistierte den Astronauten. Der mit künstlicher Intelligenz ausgestattete Roboterkopf bekommt jetzt einen Nachfolger, der auf dem Weg zur ISS ist.

KI-Demonstrator für die Mensch-Maschine-Interaktion

Am 5. Dezember startete Cimon 2 an Bord eines Dragon-Frachters von Space X. Der Astronautenassistent wurde vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) entwickelt und mit neuen Aufgaben ausgestattet. Cimon ist ein ballförmiger, freifliegender, mit künstlicher Intelligenz ausgestatteter Technologie-Demonstrator zur Mensch-Maschine-Interaktion.

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Der Vorgänger Cimon 1 war 14 Monate lang auf der ISS und ist inzwischen bei Airbus in Friedrichshafen. Dort wurde Cimon, beauftragt vom DLR und mit Mitteln des Wirtschaftsministeriums entwickelt. Die KI basiert auf der Watson-Technologie von IBM, Mediziner der Ludwig-Maximilians-Universität München sind für die wissenschaftlichen Fragestellungen verantwortlich.

Cimon arbeitet erfolgreich mit Astronauten zusammen

Cimon 2 soll in die erfolgreichen Fußstapfen seines Vorgängers treten. Der hat auf der ISS demonstriert, dass eine KI-basierte mobile Anwendung auf einer Raumstation funktioniert und 90 Minuten lang mit dem deutschen Astronauten Alexander Gerst zusammengearbeitet.

Der neue Cimon soll bis zu drei Jahre auf der ISS bleiben und die Crew unterstützen. Cimon verfügt über sensiblere Mikrophone und einen weiterentwickelten Orientierungssinn. Auch die KI-Fähigkeiten und die Stabilität der komplexen Softwareanwendungen wurden deutlich verbessert.

KI-Assistenz auch ohne permanente Datenverbindung zur Erde

Auch an der Lebensdauer des Assistenzen wird gearbeitet – innerhalb der langen Aufenthaltszeit könnte etwa die KI auf eine Cloud der ISS gebracht werden. Das DLR bezeichnet das als einen Meilenstein in der Entwicklung hin zu einem völlig autonomen Assistenzsystem.

DLR-Projektleiter Christian Karrasch erklärt, warum: „Auf dem Weg zum Mond oder Mars könnte sich die Crew dann auch ohne eine permanente Datenverbindung zur Erde auf einen KI-basierten Assistenz-Service verlassen. Ein Anwendungsfall für die Erde wäre zum Beispiel die Unterstützung von Menschen bei komplexen Aufgaben in Gegenden mit schwacher Infrastruktur.“

Was Cimon 2 kann

IBM ist bei Cimon für die Implementierung der künstlichen Intelligenz verantwortlich. Schon Cimon 1 konnte Inhalte nicht nur im Kontext verstehen, sondern auch die Intentionen dahinter. Jetzt ist sogar noch mehr möglich: Cimon 2 kann mithilfe des Tone Analyzers von IBM aus der Cloud in Frankfurt die Emotionen der Astronauten auswerten und situationsgerecht darauf reagieren – wenn die Astronauten es möchten oder die Emotionsanalyse im Rahmen eines Experiments getestet wird. Sinn dahinter ist, dass Cimon nicht nur wissenschaftlicher Assistent ist, sondern auch einfühlsamer Gesprächspartner werden soll.

Der Name „Cimon“ ist übrigens angelehnt an das fliegende Gehirn aus Captain Future, Professor Simon Wright.

Alexander Gerst interagiert mit Cimon:

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf unserem Partnerportal konstruktionspraxis erschienen.

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