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Industrie vs. Smart Service

Kann Deutschland wirklich digital?

| Redakteur: Jürgen Schreier

Die digitale Transformation wird auch die Gesellschaft auf bahnbrechende Weise verändern. Wohin die Reise geht und wie Digitalisierung und sozialer Zusammenhalt unter einen Hut zu bringen sind, diskutierten Experten, Politiker und Verbandsvertreter bei einer Veranstaltung des MÜNCHNER KREISES.

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Die Bundesministerin der Verteidigung Dr. Ursula von der Leyen plädierte in ihrer Eröffnungs-Keynote dafür, dass Führungskräfte sich der Digitalisierung annehmen und diese vorantreiben müssen.
Die Bundesministerin der Verteidigung Dr. Ursula von der Leyen plädierte in ihrer Eröffnungs-Keynote dafür, dass Führungskräfte sich der Digitalisierung annehmen und diese vorantreiben müssen.
(Bild: Stefan Pielow/MÜNCHNER KREIS )

Die digitale Transformation revolutioniert nicht nur die Wirtschaft, sondern auch die Gesellschaft auf bahnbrechende Weise. Welchen spezifischen Pfad Deutschland bei diesen tiefgreifenden Veränderungsprozessen einschlagen sollte, diskutierten rund 700 Wissenschaftler, Entscheidungsträger aus Politik, Wirtschaft und Medien sowie Vertreter von Gewerkschaften und Verbänden auf der Konferenz „Digitale Transformation – Gibt es einen eigenen Weg für Deutschland?“ des MÜNCHNER KREIS, der Technischen Universität München, der Initiative MINT Zukunft schaffen und dem Zentrum Digitalisierung.Bayern.

In Keynotes und Paneldiskussionen erörterten sie vier zentrale Spannungsfelder: Industrielles Denken versus Smart-Service-Denken, Mitbestimmung 1.0 versus Arbeitswelt 4.0, Disruptive versus evolutionäre Innovation sowie Digitale Revolution und sozialer Zusammenhalt.

Cyber War: Software entscheidet Schlachten

Die Bundesministerin der Verteidigung, Dr. Ursula von der Leyen, erklärte eingangs, dass die digitale Transformation auch innerhalb der Bundeswehr ein zentrales Thema sei, das jede Verwaltung vor immense Herausforderungen stelle. Heute entscheidet die Soft- und nicht mehr die Hardware Schlachten, denn, so brachte es die Ministerin auf den Punkt: „Alles, was fliegt, ist Software mit Metall drum herum.“ Die eigenen Kompetenzen in der Cyber-Abwehr stärkt das Verteidigungsministerium mit massiven Investitionen u.a. in den Aufbau eines Cyberclusters an der Bundeswehrhochschule München und mithilfe eines Cyber Innovations Hub, über den der direkte Kontakt zu agilen digitalen Start-ups gesucht wird.

4500 Angriffen auf deutsche Netze täglich steht mittlerweile eine 13.500 Mann starke Cyber-Truppe gegenüber. Algorithmen sind laut von der Leyen das Bindeglied zwischen Big Data und Digitalisierung. Sie zu verstehen, ist Aufgabe der Führungskräfte. Damit die Politik im Ringen um die Informationshoheit in Zeiten von Fake News die Oberhand behält, müssen wir verstehen, was man mit Daten alles machen kann und wie diese effizient kombiniert und nutzbar gemacht werden können. Hier muss ein Wandel vom „Need to know“ zum „Need to share“ erfolgen.

Digitalisierung: „No Need“ für den Mittelstand?

Dagegen sieht der deutsche Mittelstand bisher selten den „Need“ für den großen Schritt in Richtung digitaler Wandel. „Den mittelständischen Unternehmen geht es derzeit noch zu gut“, stellte Prof. Dr. Michael Dowling, Vorstandsvorsitzender des MÜNCHNER KREIS fest. „Sie sehen daher überhaupt keinen Zwang, die Digitalisierung im Unternehmen voranzutreiben.“ Prof. Dr. Dr. h.c. Manfred Broy vom Zentrum Digitalisierung.Bayern hält fest: „In Deutschland gibt es einen anderen Ausgangspunkt für die Digitalisierung, nämlich die sehr starke traditionelle Wirtschaft, die uns einen anderen Weg abverlangt als beispielsweise der amerikanischen

Wirtschaft, die sehr dienstleistungsorientiert ist.“

Digitale Transformation ist Teamaufgabe

„Die Digitalisierung ist keine Frage der besten Technologie, sondern einer veränderten Denkweise und einem tiefgreifenden Verständnis für die Kultur und Organisation des Unternehmens“, betonte Prof. Dr. Isabell M. Welpe, Lehrstuhl für Strategie und Organisation, TUM. Claudia Nemat, Mitglied des Vorstands Deutsche Telekom, verwies auf Albert Einstein, der gesagt hat, dass Probleme nicht mit den Mitteln gelöst werden können, mit denen sie geschaffen wurden. In deutschen Unternehmen würden dementsprechend nur Teams die Herausforderungen der Digitalisierung erfolgreich meistern können, die sich aus Menschen mit ganz unterschiedlichen Fähigkeiten zusammensetzen.

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