Gastkommentar

Jetzt ist es offiziell: Das Internet der Dinge ist ein Klischee

| Autor / Redakteur: Roger Gregory* / Julia Moßner

(Bild: Pixabay.de, CCO Public Domain / CC0)

2016 ist das Jahr des Internet der Dinge (Internet of Things, kurz IoT). IoT ist einfach überall. An jeder Ecke sieht man vernetzte „Dinge“, Geräte, Prototyen und IoT-Initiativen. IoT-Ausdrücke prangen auf jeder nur denkbaren Applikation: smarte Klimaanlagen, vernetzte Autos, smarte Küchengeräte, Roboter, smarte Schuhe, gesprächige Sonnenbrillen u.s.w. Trotz all dieser „Dinge“ spielt das IoT immer noch kaum eine Rolle im Alltag. Welche Fortschritte hat das IoT bisher gemacht? Welche Entwicklungen sind noch nötig, damit wir alle von den vernetzten „Dingen“ profitieren können?

Roger Gregory
Roger Gregory (Bild: Greenwave Systems)

Trotz des nicht endenden Hypes und der ständigen Vermarktung neuer vernetzter „Dinge“ in den Schlagzeilen besteht das Internet der Dinge in seinem jetzigen Zustand hauptsächlich aus isolierten Technologieinseln. Das IoT ist noch sehr weit davon entfernt, zu einem wertvollen Ökosystem zu werden. Die diesjährige Forester-Analyse stellte fest, dass IoT-Standards erst im Entstehen sind, denn die Händler haben vor wenigen Jahren begonnen, allgemeine Interoperabilität herzustellen. Ein im Fortune erschienener Essay aus dem Januar 2016 vertrat gar die Meinung, dass die meisten bekannten Marken wichtige Fragen unbeantwortet lassen, beispielsweise zu ökosystemweiten Standards oder tragfähigen Eigentumsmodellen für Daten. Demnach könnten Nutzer zwar vernetzbare Geräte erwerben, diese Geräte sind aber nicht herstellerunabhängig untereinander vernetzbar.

Das bedeutet aber nicht, dass nichts dahintersteckt. Die Evolution des Internet der Dinge hat vielversprechende Fortschritte gemacht, und die industriellen Anwendungsfälle werden immer ausgereifter. Analysten und Investoren arbeiten sich besser in die Problematik ein und beginnen, in Sachen Anwendbarkeit, Erweiterbarkeit und Sicherheit die richtigen Fragen zu stellen. Leider wurde die IoT-Kommunikation bisher von Geräteherstellern und Halbleiterteams geführt. Diese Kommunikation muss stärker auch andere Partner miteinbeziehen. Es ist jetzt ganz wichtig, zu zeigen, dass durch Interoperabilität eine geringere Fragmentierung erreicht werden kann, dass diese einzelnen Inseln in ein zusammenhängendes wertvolles Ökosystem verwandelt werden können. Dazu braucht es einfachere Interfaces und sichere Datenverbindungen zwischen den verschiedenen Lösungen. Betreiber würden so ermutigt, die besten Ideen im IoT wirklich zu vernetzen und auf diesem Weg für ihre Kunden neue Möglichkeiten zu schaffen. Die Kunden könnten dann passende Lösungen aus einem breiten Angebot auswählen und diese Lösungen einfacher steuern. Erst wenn dieser Prozess genauso einfach und intuitiv ist wie das Installieren einer App aus einem App-Store, dann hat das IoT-Zeitalter wirklich begonnen.

Ähnlich und doch anders

Da wir gerade vom App-Modell sprechen: Ich denke nicht, dass das Internet der Dinge auf diese Weise Wirklichkeit werden wird. Mittlerweile dürfte jeder Nutzer mit dem Phänomen der App-Müdigkeit (App-Fatigue) vertraut sein. Unsere Technik dazu zu bringen, dass sie auch das tut, was wir wollen, erfordert immer mehr Aufwand. Wir brauchen die Einfachheit und die Funktionalität des App-Modells ohne diesen Aufwand. Diese Kombination beginnt gerade bei den Verbraucheranwendungen Fahrt aufzunehmen.

Ein Beispiel ist ein in Amerika immer beliebter werdendes kabelloses Gerät mit Lautsprechern, Sprachbefehlfunktion und Cloud-basierten Selbstbedienungs-APIs: Amazon’s Echo und der virtuelle Assistent Alexa. Nutzer können damit zum Beispiel Musik abspielen, die Heizung bedienen, das Licht dimmen und sich aus einem Fundus von über 100 weiteren „Fähigkeiten“ bedienen, die Alexa beherrscht – alles durch einfache Stimmbefehle; kein Grund, ein Gerät in die Hand zu nehmen, auf einem Display zu wischen oder etwas anzutippen. Das ist zwar raffiniert und erleichtert Menschen die Bedienung ihrer Geräte, aber das wahre Potential liegt in der Erweiterbarkeit dieses Systems und darin, wie einfach neue Funktionen hinzugefügt werden können. Mit einfachen Wenn-Dann-Regeln oder komplexen kontextsensitiven Befehlen können Nutzer weitere smarte Geräte mit Alexa verbinden, fertig zusammengestellte Befehlsgruppen nutzen oder ihrem virtuellen Assistenten selbst neue „Fähigkeiten“ beibringen. Kommt dazu noch eine Plattform, die verschiedene IoT-Kommunikationsprotokolle (ZigBee, Bluetooth, Wi-Fi etc.) in eine Standardsprache integrieren kann, eröffnet sich in diesem Modell für IoT-Provider die Chance, ihren Nutzern eine Sprachsteuerung für alle möglichen Geräte anzubieten. So würde die dringend benötigte Systemintegration möglich, und die Geräte bzw. Dienste könnten endlich unkompliziert zusammenarbeiten. Das wäre der Anfang eines wertvollen Ökosystems.

Das Alexa-Beispiel kann natürlich nicht alle großen Fragen beantworten. Es ist auch nicht der einzige oder gar der beste Weg, das Internet der Dinge zu verwirklichen. Myriaden anderer IoT-Hubs, Geräte, Plattformen und APIs könnten kombiniert werden, um die gleichen Funktionen zu erhalten. Aber das Alexa-Beispiel zeigt deutlich, welche Fortschritte im Internet der Dinge gemacht wurden. Dienste können viel leichter hinzugefügt werden und arbeiten besser zusammen. Es braucht keine Ewigkeit, um die leichte Bedienbarkeit zu perfektionieren, Integrationsmöglichkeiten zu fördern und gesunde Ökosysteme von IoT-Diensten entstehen zu lassen. Alexa führt uns genau das vor Augen. Es ist nur ein Beispiel von vielen, aber auch dieses eine Beispiel ist ein Riesenfortschritt.

*Roger Gregory ist Vice President of Product Marketing bei Greenwave Systems.

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