Business Intelligence

Jeder Mitarbeiter wird zum Datenanalytiker

| Autor / Redakteur: Henrik Jorgensen / Jürgen Schreier

Die Beschäftigten sollen künftig selbst geschäftsrelevante Unternehmensdaten analysieren und entsprechende Dashboards generieren. BI-Abteilungen übernehmen eine eher unterstützende Funktion.
Die Beschäftigten sollen künftig selbst geschäftsrelevante Unternehmensdaten analysieren und entsprechende Dashboards generieren. BI-Abteilungen übernehmen eine eher unterstützende Funktion. (Bild: Pexels / CC0)

Viele MitarbeiterInnen müssen künftig in der Lage sein, relevante Daten schnell und eigenständig zu analysieren, um daraus Erkenntnisse abzuleiten. Data Scientists und Bussines-Intelligence-Abteilungen leisten Support, kümmern sich um Analyse-Tools und sorgen für die Qualität und Sicherheit der Daten.

Die Vernetzung von Produktionsanlagen und Maschinen nimmt Fahrt auf: Mehr als sieben von zehn deutschen Industrieunternehmen sind nach Angaben des Digitalverbands Bitkom bereits im Bereich Industrie 4.0 aktiv. Mit digitalen Technologien wie Sensoren und Big-Data-Analysen wandeln sich Produktionsstandorte zu intelligenten Fabriken, in denen Maschinen, Produkte, Kunden und Lieferanten miteinander und nach außen vernetzt sind.

Laut einer Schätzung der Marktforscher von Gartner wird es 2020 fast 26 Milliarden verbundene Geräte geben – von Wearables über Heimautomatisierung bis zur Fertigungsoptimierung. Der Vorteil: Mit der Vernetzung der Maschinen können Industrieunternehmen ihre Prozesse optimieren und Kosten sparen. Auch neue, innovative Geschäftsmodelle werden damit möglich. Vorausgesetzt, die Unternehmen verstehen es, ihre Daten und Sensorwerte zu analysieren und sinnvoll zu nutzen.

Schlummerndes Daten-Potenzial heben

Oft fehlt jedoch noch das Verständnis, was mit Data Science, also der Gewinnung von Wissen aus Daten, tatsächlich alles möglich ist und wie die Analyse von Bits und Bytes neue Erkenntnisse für Produkt und Kunden schafft. Nach der aktuellen Studie „IoT-Datenanalyse als Erfolgsfaktor für Industrie 4.0“ der Beratungsunternehmen PAC und Reply sammeln die befragten 253 Unternehmen zwar die von Maschinen generierten Daten, analysieren diese aber nicht. Manchmal werden die angehäuften Daten sogar gelöscht, weil die Speicherkapazität schlichtweg nicht reicht.

Damit vergeben Unternehmen wichtige Chancen. Zum Beispiel beim Thema „Predictive Maintenance“: Hier können Produktionsmanager anhand von Datenmustern in Verbindung mit weiteren Informationen Ausfälle oder Störungen von Anlagen oder Maschinen erkennen, bevor sie passieren. Einzelne, gefährdete Anlagenkomponenten lassen sich so rechtzeitig austauschen. Auch Wartungsarbeiten lassen sich vorbeugend planen und teure Ausfallzeiten reduzieren.

Laut einer aktuellen Umfrage von IDG Research Services im Auftrag von Tableau Software ist das Bewusstsein für den Wert der Daten bei den meisten Unternehmen durchaus vorhanden: Demnach hält mehr als die Hälfte der 162 befragten Entscheider die Fähigkeit ihres Unternehmens, Daten zu analysieren, für „sehr wichtig“, 16 Prozent sogar für „geschäftsentscheidend“. Häufig mangelt es aber am technischen und analytischen Know-how, um die Daten auszuwerten und geschäftsfördernd zu nutzen.

Bei der Datenanalyse geht der Trend zur Selbstbedienung

Laut Umfrage haben rund 40 Prozent der Mitarbeiter in deutschen Unternehmen kaum Kenntnisse darin, gewonnene Daten auszuwerten. Selbst für die einfachste Auswertung sind sie auf die Unterstützung von Datenanalyseprofis angewiesen. Mit den wachsenden Datenmengen – Experten wie die Marktforscher von IDC gehen bis zum Jahr 2025 von einer weltweit generierten Datenmenge von 163 Zettabyte aus – und der zunehmenden Geschwindigkeit der Märkte ist es jedoch nicht mehr zeitgemäß, diese wichtige Aufgabe einigen wenigen Spezialisten zu übertragen. Business-Intelligence- (BI)-Abteilungen werden so zum Flaschenhals in Unternehmen und das gewaltige Potenzial der Daten geht verloren.

Unternehmen, die ihre Daten geschäftsfördernd nutzen wollen, sollten deshalb ihre Mitarbeiter in allen Fachabteilungen dazu befähigen, auf die für sie relevanten Daten zuzugreifen und sie auch zu analysieren. Sie sollten ihre Berichte ohne lange Wartezeiten selbst erstellen und sie täglich in die eigenen Entscheidungen der Fachabteilung einbeziehen können. Und das in allen Branchen und Unternehmensbereichen. Der Trend zur Selbstbedienung bei der Datenanalyse bedeutet aber nicht, dass BI- und IT-Experten bei dieser Aufgabe überflüssig würden. Die Datenprofis übernehmen vielmehr eine Beraterrolle und unterstützen die Fachabteilungen bei der Analyse – etwa mit dem Aufbau von Dashboards – und schulen sie darin, diese selbst zu erstellen.

Als Berater der Fachabteilungen gewährleisten sie, dass die gewünschten Daten und Analysen in einer verlässlichen Qualität aus kontrollierten Quellen bereitstehen. Denn nur, wenn die Mitarbeiter auf dieselben verlässlichen Datenquellen zugreifen können, erstellen sie Analysen mit nutzbaren Ergebnissen. Auch wenn die Selbstbedienung vielen Mitarbeitern einen größeren Handlungsspielraum eröffnet, ändert das nichts an der Verantwortung der Experten für einen funktionierenden Betrieb und die fortlaufende Kontrolle der Analyselösung. Sie gewinnen damit Zeit, sich auf ihre Kernaufgaben zu konzentrieren.

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