MINT-Nachwuchsbarometer 2021 Jede fünfte MINT-Ausbildung wird abgebrochen

Redakteur: Katharina Juschkat

MINT-Ausbildungen werden häufig abgebrochen – gleichzeitig geht die Zahl der Auszubildenden zurück. Das Problem fängt bereits in den Grundschulen an.

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Rund jede fünfte Ausbildung im MINT-Bereich wird abgebrochen.
Rund jede fünfte Ausbildung im MINT-Bereich wird abgebrochen.
(Bild: ©ehrenberg-bilder - stock.adobe.com)

Jede fünfte Ausbildung im MINT-Bereich wird abgebrochen, so das aktuelle MINT-Nachwuchsbarometer der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (Acatech) und der Körber-Stiftung. Das Barometer untersucht jährlich die Situation der technisch-naturwissenschaftlichen Bildung in Deutschland.

Was ist MINT?

Als „MINT“ bezeichnet man die technisch-naturwissenschaftlichen Fachrichtungen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. In der Schule zählen dazu u.a. die Unterrichtsfächer Mathematik, Informatik, Biologie, Chemie und Physik.

Jede dritte Ausbildung im MINT-Bereich

Im vergangenen Jahr wurden etwa 34 Prozetn aller neuen Ausbildungsverträge im MINT-Bereich geschlossen. Die beliebtesten MINT-Ausbildungsberufe waren dabei KFZ-Mechatronik, Fachinformatik und Industriemechanik. Allerdings wurden rund 21.000 weniger MINT-Ausbildungsverträge als im Vorjahr abgeschlossen. Das ist teilweise der demografischen Entwicklung geschuldet und der Entwicklung, dass viele Jugendliche ein Studium vorziehen. Etwa 25 Prozent ist laut der Studie aber auch der Pandemie geschuldet.

Rund jede fünfte Ausbildung im MINT-Bereich wird abgebrochen. Dabei schwanken die Zahlen stark zwischen den unterschiedlichen Berufssparten. In den technischen Berufen liegt die Abbruchquote teilweise sogar bei 30 Prozent, zum Beispiel in der Metallbau- oder Elektronik-Ausbildung( 36 und 34 Prozent).

Rund ein Drittel aller Abbrüche findet bereits in den ersten vier Monaten der Ausbildung statt, ein weiteres Drittel im ersten Jahr. Die Abbrüche in den ersten vier Monaten gehen in der Regel darauf zurück, dass Berufsinteresse und Tätigkeiten in der Ausbildung nicht zusammenpassen. Spätere Abbrüche sind oft auf die Ausbildungsanforderungen zurückzuführen, welche die Auszubildenden nicht bewältigen können.

50 Prozent aller MINT-Studierenden beginnt ein ingenieurwissenschaftliches Studium

MINT-Studiengänge machen bei Studienanfängerinnen und Studienanfängern einen Anteil von 38 Prozent aus – die Hälfte von ihnen beginnt ein ingenieurwissenschaftliches Studium. Damit bleibt die Zahl der MINT-Studienanfängerinnen und -anfänger weitestgehend stabil. Doch auch wenn sich Studienanfängerzahlen im Lehramtsstudium Informatik seit 2015 sogar fast verdoppelt haben, sind es zu wenige, um angemessen auf die erhöhten Bedarfe zu reagieren.

Defizite bereits in der Grundschule

Eine wichtige Erkenntnis des Nachwuchsbarometers: Es gibt zu viele leistungsschwache MINT-Schülerinnen und -Schüler in Deutschland. Die Kompetenzen der Grundschulkinder im Vergleich zur EU und OECD sind mittlerweile unterdurchschnittlich. Rund ein Viertel der Kinder erreicht nicht die für die weiterführende Schule erforderlichen mathematischen Kompetenzen. In den Naturwissenschaften – in der Grundschule im Sachkundeunterricht integriert – ist diese Gruppe seit 2015 sogar angewachsen.

Nur jeder zehnte MINT-Ausbildungsplatz weiblich besetzt

Physik-Leistungskurse sind in Deutschland nach wie vor von Schülern dominiert: Nur jedes vierte Kursmitglied ist weiblich. Zudem wurden nur 11 Prozent der neu abgeschlossenen MINT-Ausbildungsverträge von jungen Frauen abgeschlossen, ein ingenieurwissenschaftliches Studium beginnen nur zu 25 Prozent Studentinnen.

Tatjana König, Vorständin der Körber-Stiftung, betont die Bedeutung guter MINT-Bildung für alle Schülerinnen und Schüler: „Die Schulschließungen aufgrund der Pandemie führen uns besonders schmerzhaft vor Augen, dass chancengerechte Bildung für alle Kinder und Jugendliche unabhängig von ihren kulturellen und sozialen Hintergründen sowie ihrem Geschlecht noch lange nicht erreicht ist.“

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