Exportmärkte

Japans Gesellschaft vor dem digitalen Wandel

| Autor: Stéphane Itasse

Hightech und Tradition vereint: Mit dem Regierungsprogramm „Society 5.0“ will Japan die Digitalisierung in den Dienst der Gesellschaft stellen.
Hightech und Tradition vereint: Mit dem Regierungsprogramm „Society 5.0“ will Japan die Digitalisierung in den Dienst der Gesellschaft stellen. (Bild: Otemon and Main TowerWikimedia/663highland / BY 2.5)

Nicht nur in den USA hat sich die Regierung eine Stärkung der heimischen Industrie auf die Fahne geschrieben. Auch Japans Premierminister Shinzo Abe verfolgt dieses Ziel – dabei spielt die Digitalisierung in seiner Strategie eine ganz besondere Rolle.

Während in Deutschland am Thema Industrie 4.0 gearbeitet wird, verfolgt die Regierung in Tokio ein wesentlich umfassenderes Programm. Das Regierungsprogramm „Society 5.0“ formuliert Ansätze für die zentralen Herausforderungen Japans, insbesondere die Überalterung der Gesellschaft, Umweltverschmutzung und Naturkatastrophen, wie die Deutsche Messe AG anlässlich der Cebit 2017 und des Partnerlands Japan mitteilt.

Roboter, Internet der Dinge und künstliche Intelligenz im Dienst für die Menschen

Dabei sollen laut Medienberichten Roboter, das Internet der Dinge und künstliche Intelligenz helfen. Letzten Endes sollen die Bedürfnisse der Menschen in der digitalen Gesellschaft exakt und individuell befriedigt werden, wobei Unterschiede wie Alter, Geschlecht, Religion oder Sprache berücksichtigt werden.

Um die Ziele zu erreichen, müssen einem Thesenpapier des japanischen Industrieverbandes Keidanren zufolge „fünf Mauern durchbrochen“ werden, die gegenwärtig noch die Entwicklung des Landes zur „Society 5.0“ hemmen:

  • die öffentliche Verwaltung,
  • das Rechtssysstem,
  • Wissenslücken in Sachen Digitalisierung,
  • der Fachkräftemangel und
  • die Akzeptanz der Bevölkerung.

Eine gemeinsame, landesweite Vision von der Society 5.0 soll dafür sorgen, dass das Zusammenspiel zwischen Mensch und Maschine einen höheren Stellenwert bekommt und moralische, ethische und wirtschaftliche Aspekte der Digitalisierung in der Gesellschaft verankert werden. Um diese Ziele zu erreichen, schlägt der Verband den japanischen Unternehmen mehrere Maßnahmen vor. Dazu gehören die Unterstützung des mobilen Arbeitens und das Einbeziehen von Führungskräften in die Ausbildung sowie die Diversifizierung der Arbeitskräfte. Von der Regierung wünscht sich der Verband staatliche Beihilfen für innovative Unternehmen und eine Anpassung der Rechtsprechung an die digitale Welt.

Dabei hat Japans IT-Industrie bereits eine starke Stellung im globalen Wettbewerb erreicht. Laut Daten des Statistikportals Statista kommt Japan bei den ITK-Umsätzen weltweit (ohne Consumer Electronics und Business Process Outsourcing) mit einem Marktanteil von 6,4 % auf den dritten Platz nach den USA und China. Nach Angaben des IT-Verbands Bitkom wurden im Jahr 2016 ITK-Produkte im Wert von 1,3 Mrd. Euro aus Japan nach Deutschland importiert, ein Anstieg um gut 19 %. Nach Japan wurden Waren im Wert von 270 Mio. Euro ausgeführt, ebenfalls ein Plus von rund 15 %. Allerdings entwickelt sich nach Angaben der European IT-Observatory (Eito) der japanische IT-Markt selbst derzeit schwach, eine Erholung ist demnach erst 2018 zu erwarten.

Japan ist bei der Entwicklung digitaler Anwendungen weit vorne

Japan gehört laut den Veranstaltern der Messe Cebit zur Weltspitze bei der Entwicklung digitaler Technologien. Damit begegnet Japan auch den Herausforderungen einer alternden und schrumpfenden Gesellschaft. So investiert Japan unter anderem stark in intelligente Assistenzsysteme. Weitere wichtige digitale Zukunftsthemen Japans sind das Internet der Dinge und die damit verbundene IT-Sicherheit. Dabei setze Japan auch zunehmend auf internationale Kooperationen.

Auch für den Bitkom ist Japan ein interessanter Handelspartner. „Japan ist ein Mutterland digitaler Technologien und verfügt über hochinnovative Industrien, die weit vorne sind bei der Entwicklung des autonomen Fahrens oder der Robotik. Das Land zeichnet sich auch durch eine Gesellschaft aus, die offen für Innovationen ist und in der die Menschen mit Begeisterung neue Technologien nutzen. Davon können wir in Deutschland lernen. Japan ist zudem ein interessanter Handelspartner für die deutschen ITK-Unternehmen“, sagt Bitkom-Präsident Thorsten Dirks. Ziel ist es, Japan bis zum Jahr 2020 – dann werden die Olympischen Sommerspiele in Tokio ausgetragen – zu einer der weltweit fortschrittlichsten Gesellschaften zu entwickeln.

Dieser Beitrag ist auf unserem Partnerportal MM MaschinenMarkt erschienen.

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