Fluch und Segen

Ist Standardsoftware noch zeitgemäß?

| Autor / Redakteur: Werner Rieche / Redaktion IoT

Individualsoftware verschafft Unternehmen die Agilität, die sie für die Digitalisierung brauchen.
Individualsoftware verschafft Unternehmen die Agilität, die sie für die Digitalisierung brauchen. (www.pixabay.com)

Unternehmen brauchen eine agile IT, um Produkte schnell auf den Markt zu bringen. Doch Standardsoftware an die eigenen Prozesse anzupassen, kann zur Sisyphos-Aufgabe werden. Ein Umdenken ist gefragt.

Die meisten Unternehmen setzen bei ihren großen Anwendungen auf Standardsoftware – sei es für die Logistik, das Warenwirtschaftssystem oder das Data Warehouse. Das funktioniert gut, solange man nur wenig individuelle Anpassungen vornehmen muss und dabei nah am Standard bleibt. Meist sieht die Realität jedoch anders aus: Gerade große Unternehmen haben oft eine individuelle Prozessstruktur, die stark von dem abweicht, was die Standardsoftware vorsieht. Dadurch sind erhebliche Anpassungen nötig, die großen Aufwand verursachen. Solche Projekte können sich über Jahre hinweg ziehen und dreistellige Millionenbeträge verschlingen. Zusätzliche Komplexität entsteht, wenn Unternehmen für verschiedene Bereiche Produkte unterschiedlicher Hersteller einsetzen, die zusammenspielen müssen.

Erschwerend kommt außerdem hinzu, dass man bei Änderungen der Standardsoftware auf Release-Zyklen angewiesen ist. Solche Zyklen bewegen sich meist in einer Größenordnung von sechs bis achtzehn Monaten. Wer schnell einmal etwas anpassen möchte, wird dadurch ausgebremst. In Zeiten, in denen Unternehmen Produkte zeitnah auf den Markt bringen und wachsende Kundenerwartungen erfüllen müssen, ist das nicht tragbar.  

In Business-Prozessen denken

Ein Umdenken ist nötig. Unternehmen sollten bei der Software-Entwicklung nicht länger in Release-Zyklen denken, sondern in Business-Szenarien – und diese dann umsetzen. Individual-Software, die sich von vorne herein an den eigenen Prozessen orientiert, kann in vielen Fällen günstiger, schneller und agiler sein als Standardsoftware, die aufwendig in langwierigen Release-Zyklen angepasst werden muss.

Viele Unternehmen scheuen sich jedoch vor einer prozessorientierten Entwicklung, weil sie Angst haben, dass sie wichtige Prozesse vergessen oder diese nicht in der Software abdecken können. Eine weitere Hürde besteht darin, dass die Werkzeuge für die Prozessplanung und für die Umsetzung in der Entwicklung meist nicht miteinander verzahnt sind. Vielleicht plant das Management einen Prozess mit ARIS, implementiert werden soll er in ein SAP-Warenwirtschaftssystem, ein Oracle-Logistiksystem und ein Data Warehouse von Teradata. Die drei verschiedenen Systeme können jedoch weder untereinander noch mit der Planungssoftware interagieren und kommunizieren. Es kommt also zu Medienbrüchen, die Zeit und Aufwand kosten und eine prozessorientierte Entwicklung erschweren.

Eine Digital Business Plattform schafft Agilität

Mit einer Digital Business Plattform lassen sich die genannten Hürden aus dem Weg räumen. Sie bringt die Prozessplanungswelt mit der Entwicklungswelt zusammen, indem sie die jeweiligen Werkzeuge verzahnt. In Aris geplante Prozesse lassen sich dann spiegeln und können direkt in die Umsetzung einfließen. Zudem ermöglicht es die Plattform, Prozesse Software-seitig aus einzelnen Modulen aufzubauen. In der Praxis hat sich gezeigt, dass zwischen 75 und 85 Prozent der Funktionen in verschiedenen Anwendungen gleich sind. Hat man dafür bereits Bausteine definiert, kann man diese Microservices wiederverwenden und spart dadurch erheblichen Entwicklungsaufwand.

Darüber hinaus lässt sich in der Plattform transparent sehen, welche Prozessschritte wie abgearbeitet werden und wo noch Optimierungsbedarf besteht. Anpassungen können dann jederzeit erfolgen, sogar während ein Prozess bereits läuft. Die Angst, etwas Wichtiges vergessen zu haben, wird damit hinfällig.

Auch für den Mitarbeiter, der später mit den Anwendungen arbeiten muss, bringt eine prozessorientierte Softwareentwicklung Vorteile. Denn Workflows und Benutzeroberflächen lassen sich damit optimal auf die jeweiligen Einsatzszenarien abstimmen. Anwender müssen sich nicht mit vorgefertigten Eingabemasken zurechtfinden, von denen sie die Hälfte der Felder gar nicht benötigen, sondern sehen die Arbeitsschritte, die sie brauchen, in genau der Reihenfolge, wie sie sie brauchen. Hierdurch wird eine intuitive Bedienung ermöglicht, die eine vorherige Schulung überflüssig macht.

Software, die wie angegossen passt

Wer schnell am Markt sein und wachsende Kundenanforderungen erfüllen möchte, braucht Software, die perfekt auf seine Prozesse abgestimmt ist. Statt Standardsoftware aufwendig im Nachgang anzupassen, ist es meist rentabler, gleich auf eine prozessorientierte Entwicklung zu setzen. Voraussetzung dafür ist, sich über die eigenen Prozesse klar zu werden und sie zu modellieren. Ein generelles Umdenken ist gefragt: weg von Release-Zyklen hin zu einem Workflow-basierten Ansatz. Dadurch gewinnen Unternehmen die Agilität, die sie für die Digitalisierung brauchen.

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