Suchen

Expertenbeitrag

 Stefan Müller

Stefan Müller

Manager in der Unternehmensberatung (BearingPoint)

Autonomer Materialfluss Ist die Zukunft der Fabrik lagerlos?

| Autor/ Redakteur: Stefan Müller / Marlene Mahlo

Autonome Roboter, künstliche Intelligenz und das Internet der Dinge erhalten vermehrt Einzug in die Intralogistik, da lohnt sich ein Blick in die Zukunft. Aber was bringt der Einsatz digitaler Technologien? Wohin entwickelt sich die Logistik?

Firmen zum Thema

Heutige Logistikprozesse bieten noch Optimierungspotenziale.
Heutige Logistikprozesse bieten noch Optimierungspotenziale.
(Bild: pixabay)

In drei unterschiedlichen Bereichen bietet die Logistik Optimierungspotenziale. Erstens sind die Aktivitäten in der Logistik keine wertschöpfenden Tätigkeiten. Diese Prozesse, die keinen unmittelbaren „Wert für den Kunden“ schaffen, versucht man bei der Prozessoptimierung zu reduzieren. Jeder Optimierungsansatz im Sinne des Lean Managements betrifft zwangsläufig dementsprechend auch die Intralogistik und versucht beispielsweise Transporte, Handlings oder Lagerpuffer zu reduzieren.

Zweiter Ansatzpunkt sind die Kosten, die durch Lagerhaltung an sich entstehen. Diese setzen sich aus den Opportunitäts- und Zinskosten des gebundenen Kapitals sowie den Überdeckungs-Kosten zusammen. Gerade dieser Aspekt obsolet gewordener Lagerbestände wird durch immer kürzere Lebenszyklen und die steigende Produktvarianz zunehmend relevanter.

Im dritten Bereich finden sich Potentiale, die erst auffallen, wenn Logistik nicht funktioniert: Beispielsweise Kosten für Sonderfahrten oder Kosten, die entstehen, wenn Produktionslinien aufgrund fehlender oder falscher Materialien stillstehen.

Heutige Logistikprozesse bieten noch Optimierungspotenziale

Bei diesen Optimierungspotenzialen setzt die Vision einer lagerlosen Fabrik an. Sie zeichnet das Zielbild einer minimalen, vollständig optimierten Intralogistik und zeigt gleichzeitig die Perspektive zu einer Logistik der Zukunft, die auch die bevorstehenden Anforderungen aus Montage und Produktion effizient bedienen kann.

Die Montage als Kunde der Logistik arbeitet wie schon seit Mitte des letzten Jahrhunderts in einer starren Linie und einem gleichen Takt. Materialien werden an fixen Orten in der Montage bereitgestellt und werden durch die Logistik mit einer Vielzahl unterschiedlicher Bereitstellungsprozesse an diese Orte gebracht. Von der direkten Just-in-Sequence Anlieferung, über Zwischenpuffer bis hin zu Kommissionierungsprozessen und Supermärkten als Bausteine einer komplexen Logistikkette.

Autonome Logistik macht Lager langfristig überflüssig

Zukünftig wird Logistik so nicht mehr funktionieren, da sich die Montageprozesse verändern werden. Einzelne Arbeitsschritte werden nicht länger an fixen Standorten in der Werkshalle durchgeführt und ein alles bestimmender Takt gerät ebenfalls in den Hintergrund. Vielmehr wandeln sich die abnehmenden Prozesse der Logistik zu einer flexiblen Fertigung, in der autonome Zellen sich mit den Produkten abstimmen. Dabei kommunizieren die einzelnen Maschinen miteinander und mit den Produkten, sie stimmen ab, was im nächsten Schritt getan werden muss und welche Anlage aktuell Kapazität für welchen Arbeitsschritt hat. Die Logistik muss dabei mitspielen und die benötigten Waren individuell in passenden Losgrößen (oft wahrscheinlich der „Losgröße 1“) bereitstellen.

Die Lösung kann sich nur aus einem optimalen, autonomen Zusammenspiel aller Elemente der Lieferkette von den Inbound Prozessen bis zur Produktion ergeben.

Die vollständig digitalisierte, autonome Lieferkette ermöglicht es, dass Waren am tatsächlichen Bedarf orientiert, passend zum benötigten Zeitpunkt individuell bereitgestellt werden können. In einer Kommissionierfläche werden die eingehenden Anlieferungen durch autonome Systeme zu passgenauen Warenkörben für die individuellen Produkte gepackt. Autonome, mobile Transportroboter bringen die Warenkörbe an die richtigen Orte in der Produktion. Lager als Puffer und Entkopplungspunkte werden schlicht nicht länger benötigt.

Die Vision einer lagerlosen Fabrik mag noch weit weg erscheinen, jedoch fassen erste Bausteine, wie beispielsweise autonome, mobile Roboter in der Logistik, langsam Fuß und zeigen für die nächsten Jahre ein riesiges Marktpotenzial. Es ist spannend, wie sich der Markt hier zwischen aufstrebenden jungen Start-Ups einerseits und erfahrenen Logistik-Hardware-Anbietern andererseits entwickelt.

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 46142470)

Über den Autor

 Stefan Müller

Stefan Müller

Manager in der Unternehmensberatung (BearingPoint)