Eric Schaeffer, Accenture

IoT-Trends 2018: Die Entwicklung zu „Industry X.0“

| Autor / Redakteur: Eric Schaeffer / Julia Moßner

Eric Schaeffer ist Managing Director und Geschäftsführer der Industrial Practice beim Beratungsunternehmen Accenture, und Verfasser von „Industrie X.0: Digitale Chancen in der Industrie nutzen“, einem praxisnahen Handbuch für die Digitalisierung von Industrieunternehmen.
Eric Schaeffer ist Managing Director und Geschäftsführer der Industrial Practice beim Beratungsunternehmen Accenture, und Verfasser von „Industrie X.0: Digitale Chancen in der Industrie nutzen“, einem praxisnahen Handbuch für die Digitalisierung von Industrieunternehmen. (Bild: Accenture, Jerome Domine)

Die Digitalisierung sorgt in der Industrie nicht nur für größere Effizienz, sondern auch für mehr Wachstum. Wie sich das in diesem Jahr auf den Maschinen- und Anlagenbau auswirken wird, stellt Eric Schäffer anhand von 5 Trends vor.

Zweifelsfrei klar ist: die Digitalisierung verändert das Industriegeschäft. Aber diese Veränderung verläuft nicht überall gleich schnell: Während vor allem Konzerne und Start-ups recht früh begannen, per Digitalisierung neue Geschäftsfelder und Umsätze zu erschließen, zielten viele Mittelständler zunächst vor allem auf Effizienzgewinne. Genau das dürfte sich nächstes Jahr ändern.

Der Umstieg auf „Digital“ hat inzwischen für fast alle Industrie-Entscheider eine hohe Priorität. Laut einer Untersuchung von Accenture erwarten vier von fünf CEOs, dass die Digitalisierung außer Effizienzgewinnen auch zusätzliches Wachstum bringt. Diese Erwartungshaltung wird schon sehr bald auf den Markt durchschlagen: 2018 wird das Jahr werden, in dem auch Mittelständler „smarte Produkte“ und digitale Dienste anbieten.

Digital für mehr Wachstum

Ich erwarte jedenfalls, dass weit mehr Hersteller als bisher ihre bestehenden Industriegüter mit Embedded-Software und Internet-of-Things-Anschluss versehen, und dann digitale Dienste dazu anbieten: Maschinen-Optimierung, Predictive Maintenance, Fernsteuerung und so weiter.

Damit bewegt sich die Industrie erstmals in der Breite vorwärts – von der Digitalisierung für mehr Effizienz hin zur Digitalisierung für mehr Wachstum. In anderen Worten: in Richtung des Paradigmas, das ich „Industry X.0“ nenne.

Und: Das Thema IoT erreicht inzwischen auch die Industrieunternehmen in schnell wachsenden Industriestaaten wie China und Indien (was den Druck auf europäische Unternehmen erhöht).

Die Digitalisierung bleibt also das dominierende Thema auf der Agenda der Unternehmen. Doch wie macht sich das in der Praxis bemerkbar? Ich erwarte folgende fünf Trends:

Von Entwicklung bis Vertrieb: Fünf Vorhersagen für 2018

1. Mittelstand „goes IIoT“

Industrial-Internet-of-Things-Plattformen werden im kommenden Jahr erhebliche Zuwächse bei den Nutzerzahlen verzeichnen – unter anderem aufgrund steigender Nachfrage aus dem Mittelstand. Zudem dürfte die Zahl der Eigenentwicklungen steigen, wie etwa auch das Analystenhaus Forrester vermerkt. Mittelständler wie der italienische Möbelhersteller Biesse machen vor, wie’s geht.

2. Die Plattform-Konsolidierung beginnt

Gleichzeitig mit dem Nachfragezuwachs steigt auch der Konsolidierungsdruck im Plattformmarkt. Eine vergleichbar starke Konzentration wie im Consumer-Geschäft ist zwar nicht zu erwarten, denn dafür sind Industriemärkte und -anwendungen zu vielfältig. Aber ich rechne damit, dass wir ein oder zwei spannende Übernahmen etwa eines Start-ups oder kleineren Plattformbetreibers durch einen größeren sehen werden. Das könnte der Beginn einer langen Konsolidierung sein: Letztlich werden sich von den heute etwa 450 Industrie-Plattformen nur einige wenige je Branche durchsetzen.

3. Smarte Produkte werden immer smarter (mit KI)

Embedded Software und das IoT sind die erste Stufe der Digitalisierung – mit dem Einsatz Künstlicher Intelligenz werden die digitalen Daten für Unternehmen und Kunden erstmals wirklich nutzbar gemacht. Ob in Form von Spracherkennung (á la Alexa, Assistant oder Siri, nur eben für Fabriken) oder sogar in Form selbstlernender und selbstkonfigurierender Bedienoberflächen und Maschinen (Beispiel: die Ölförderpumpe, die sich selbst einrichtet und reguliert). KIs werden sehr bald den Weg in verschiedenste Branchen finden und industrielle Produkte ein weiteres Mal verbessern. Dann gehören Schalter und Hebel der Vergangenheit an – stattdessen wird KI zur Benutzeroberfläche der Zukunft: „AI as the new UI“, auch in der Industrie.

4. Engineering wird digital

Smarte Produkte bestehen bekanntlich nicht nur aus Hard- sondern auch aus Software – und der Softwareanteil wächst. Für die Industrieunternehmen entsteht damit die Herausforderung, beides zugleich verwalten zu müssen. Das führt zum Einsatz ganz neuer Engineering-Verfahren: Produkt- und Anwendungslebenszyklen müssen synchronisiert und gleichzeitig gesteuert werden. Das verlangt nach integrierten Product- und Application-Lifecylce-Management-Lösungen (PLM und ALM); oder anders gesagt: Engineering wird digital.

5. “As-a-service” wird zur Regel

Kunden kaufen erzielte Leistungen, keine Produkte. Das ist der Grundgedanke von As-a-service-Geschäftsmodellen, bei denen ein Anbieter die für die Erbringung dieser Leistung nötigen Produkte bündelt, die IT-Infrastruktur schafft und den laufenden Betrieb übernimmt. Diese sind in vielen Branchen schon weit verbreitet und werden nun auch im Industriegütergeschäft einen Siegeszug antreten. Ein erstes Beispiel hierfür ist der Turbinenbau: Hier „vermieten“ Hersteller schon seit einer Weile Laufleistung und Flugmeilen, statt die Antriebseinheiten einfach zur verkaufen. Aber auch reine b2b-Bereiche werden sehr bald folgen: Energie-Versorgung und -Management, Facility-Management, Maschinenbetrieb oder Wartungsdienste eignen sich einfach hervorragend für as-a-Service-Geschäfte – weshalb immer mehr Unternehmen sie entsprechend vertreiben werden.

Und was ist mit den anderen Schlüssel-Trends wie 3D-Druck, Analytics, Augmented und Virtual Reality oder Digital Twins? Auch die sind natürlich wichtig, keine Frage – und sie werden im kommenden Jahr weiter an Bedeutung gewinnen. Aber sie sind entweder schon recht weit verbreitet (Analytics) oder stehen noch ganz am Anfang (3D Druck, VR). Deshalb geht 2018 klar an die „smarten Produkte“ sowie die dazu passenden Dienste. Ist Ihr Unternehmen bereit?

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 45096409 / Internet of Things)