Dr. Michael Geisinger, Dynamic Components

IoT-Trends 2018: „Längst nicht jeder Sensor erzeugt einen Mehrwert“

| Autor / Redakteur: Dr. Michael Geisinger / Julia Moßner

Dr. Michael Geisinger ist Gründer und technischer Geschäftsführer der Dynamic Components GmbH. Nach seinem Studium der Informatik an der Technischen Universität München (TUM) promovierte er an der TUM und dem Forschungsinstitut fortiss im Bereich Industrieautomatisierung. Dort entwickelte er mit seinem Team eine Software-Technologie, die Altanlagen und Maschinen mit moderner Sensortechnik digitalisiert. Seit Gründung der Dynamic Components GmbH wendet er diese in verschiedenen Industrien an.
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Dr. Michael Geisinger ist Gründer und technischer Geschäftsführer der Dynamic Components GmbH. Nach seinem Studium der Informatik an der Technischen Universität München (TUM) promovierte er an der TUM und dem Forschungsinstitut fortiss im Bereich Industrieautomatisierung. Dort entwickelte er mit seinem Team eine Software-Technologie, die Altanlagen und Maschinen mit moderner Sensortechnik digitalisiert. Seit Gründung der Dynamic Components GmbH wendet er diese in verschiedenen Industrien an. (Bild: Dynamic Components)

Was wird das Jahr 2018 für das Internet der Dinge bringen? Welche Technologien werden sich durchsetzen, wie wird sich der Markt entwickeln und welchen Herausforderungen sehen sich die Unternehmen gegenüber? Wir haben unsere Experten nach Ihren Prognosen für den IoT-Markt im Jahr 2018 gefragt. Den Auftakt macht Dr. Michael Geisinger, Gründer und technischer Geschäftsführer der Dynamic Components GmbH.

Was wird das Jahr 2018 prägen?

Als promovierter Informatiker im Embedded-Bereich haben mich Themen rund um das Internet der Dinge schon immer besonders fasziniert. Heute fällt es mir schwer, mich in die Zeit vor zehn Jahren zurückzuversetzen, als es noch keinen Raspberry Pi gab und als die Leute, die sich mit der Materie beschäftigt haben, noch als „Hacker“ galten. Wie kurz ist doch diese Zeitspanne im Verhältnis zu dem, was wir darin erreicht haben. Seit ich vor zwei Jahren meine eigene Firma im IoT-Bereich gegründet habe (Dynamic Components macht Aufzüge durch Nachrüstung von Sensorik intelligent und verhindert so unerwartete Ausfälle), habe ich von dieser rasanten Entwicklung auch direkt profitiert und lerne dennoch jeden Tag etwas Neues.

Neben dem großen Trend, dass es immer mehr IoT-Technologien gibt, die immer einfacher anzuwenden sind, werden die kommenden Jahre meiner Meinung nach jedoch auch von Konsolidierung gekennzeichnet sein. Wie hat es Tanenbaum doch so ironisch formuliert: „Das Schöne an Standards ist, dass es so viele gibt, aus denen man wählen kann“. Und sind wir mal ehrlich: Längst nicht jeder Sensor kann zusammen mit allen „Things“ ein Mehrwert erzeugen, der sich für Unternehmen auch finanziell auszahlt. Es wird daher auch die Ernüchterung geben, dass IoT-Lösungen noch nicht günstig, effizient oder robust genug sind, um sinnvoll einsetzbar zu sein.

Gilt das auch für KI?

Beim Thema künstlicher Intelligenz, das immer mehr in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gerückt ist, ist es ähnlich. Denn bei KI kommt es nicht nur auf die schiere Menge der Eingabedaten an, sondern um so mehr auf deren Qualität. Der Vergleich hinkt zwar etwas, aber wenn man sich eine KI wie ein kleines Kind vorstellt, das durch Lernen seine Welt begreift, dann wird schnell klar, dass der Lernerfolg eben auch von den Lehrern – also den Daten – abhängig ist. Und nicht jeder Anwendungsfall kann auf genügend Daten in der passenden Qualität zurückgreifen.

Also nur düstere Aussichten für 2018?

Nein, nicht unbedingt. Wenn sich Unternehmen in Deutschland mit echten Mehrwerten anstatt nur Technologien beschäftigen, bietet sich die Chance, im Rennen um das zukunftsfähigste Geschäftsmodell und den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit auch gegenüber den USA und China zu bestehen. Marktforschungsinstitute überschlagen sich ja mit Superlativen, die in die Billionen an Wertschöpfungspotentiale gehen und prognostizieren zig Milliarden vernetzter IoT-Geräte in den nächsten Jahren. Dies wird zweifelsohne einen gigantischen Impact haben! Allerdings gibt es bis dahin auch noch einige technische und wirtschaftliche Herausforderungen zu meistern. Dazu braucht es Experten, die aus den ganzen Störgeräuschen um IoT und künstliche Intelligenz die jeweils „passenden“ Technologien herausfiltern. Viele – vor allem mittelständische – Unternehmen sind hier zu Recht etwas überfordert. Kein Wunder, werden sie ja auch durch die rasante Entwicklung und die Ungewissheit, wie wichtig IoT im industriellen Umfeld nun wirklich ist, aus ihrer Komfortzone heraus gedrängt.

Da ist es doch ein guter Vorsatz für das neue Jahr, einen Schritt zurückzugehen und das große Ganze zu betrachten. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein frohes Fest und ein erfolgreiches, neues IoT-Jahr 2018!

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