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Expertenbeitrag

Diplom-Kaufmann Marten Schirge

Diplom-Kaufmann Marten Schirge

Vice President of Sales, Device Insight GmbH

Start ins IoT IoT-Lösungen: Selbst machen oder einkaufen?

Autor / Redakteur: Marten Schirge / Sebastian Human

In immer mehr Unternehmen sind IoT und Industrie 4.0 bereits angekommen oder zumindest fest eingeplanter Bestandteil der digitalen Zukunftsstrategie. Die Entscheidung dafür ist ein wichtiger erster Schritt. Doch um eine Frage kommt man nicht herum: Make or buy?

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Immer mehr Unternehmen wollen IoT-Technologien nutzen, stellen sich aber eine zentrale Frage: Make or buy?
Immer mehr Unternehmen wollen IoT-Technologien nutzen, stellen sich aber eine zentrale Frage: Make or buy?
(Bild: gemeinfrei / Unsplash)

Obwohl die entsprechenden Technologien also zumindest schon mal bekannt sind, sehen sich die Akteure bei der Planung der einen oder anderen grundlegenden Entscheidung gegenüber. Wie etwa der Frage: Soll man sich auf (anerkannte) Spezialisten für das Thema verlassen (Buy)? Oder die IoT-Entwicklung lieber komplett in Eigenregie angehen (Make)?

Wenn man an die Themen IoT und IIoT denkt, dann ist eine gewisse Eile geboten, wenn man den Wettbewerb nicht an sich vorbeiziehen sehen will. Denn es ist schon keine Frage mehr, ob man als Unternehmen in die Digitalisierung und das IoT/IIoT einsteigt, sondern wie schnell man damit startet. Und ganz banal ausgedrückt: Je schneller ein IoT-Projekt ausgerollt werden kann, desto eher bringt es einen konkreten Mehrwert.

Nun mag man vielleicht denken, dass Eigenentwicklungen gleich Geldersparnis bedeuten, denn (auf den ersten Blick) entfallen die Fremdkosten für einen Drittanbieter. Aber neben mangelnden Kompetenzen innerhalb des eigenen Unternehmens fehlt es oft an ausreichend Budget – nicht nur für die Entwicklung ‚Marke Eigenbau‘, sondern längerfristig vor allem für die Sicherheit und Skalierung der IoT-Plattform. Und ob eine IoT-Plattform als Public-Cloud-, Hybrid-Cloud- oder Private-Cloud-Lösung betrieben wird, ist neben dem Thema Sicherheit vor allem auch eine Kostenfrage. Tatsache ist, dass in eigenen Rechenzentren betriebene Lösungen einen deutlich höheren Instandhaltungsaufwand haben.

Beschleunigung durch Standards

Doch man muss nicht zwingend bei Null beginnen. Die Umsetzung eines IoT-Projekts gelingt schneller, wenn auf eine bestehende Plattform aufgebaut werden kann. Um den Zeitraum von der Entwicklung bis zur erfolgreichen Platzierung des Produktes am Markt erheblich zu verkürzen, ist es daher sinnvoll, auf vorhandene Angebote und Standards zu setzen. Zudem helfen einsatzbereite Funktionen von bereits etablierten IoT-Plattformen bei der Beschleunigung. Wichtig hierbei bleibt, dass auch eine standardisierte Plattform grundsätzlich um neue Funktionen erweiterbar und vor allem skalierbar sein muss. Zu beachten ist also, dass man bei der Architektur von Beginn an die verschiedenen Bausteine intelligent zusammensetzt. Empfehlenswert ist es, mit bestehenden Produkten zu starten, die dann an individuelle Anforderungen angepasst und nach Bedarf erweitert und ausgebaut werden können. Dadurch kann auch langfristig ein erhoffter Mehrwert generiert werden.

Nicht jede Lösung passt für jeden

Unmengen an Daten, höchste Sicherheit erfordernde oder äußerst spezialisierte Produkte: Je spezifischer ein IoT-Produkt beziehungsweise -Service sein soll, desto eher empfiehlt es sich, eine selbst entwickelte IoT-Plattform zu implementieren. Denn marktübliche Plattformen erfüllen möglicherweise nicht alle technischen oder einzigartigen Anforderungen eines Unternehmens. Auch sollte ein IoT-Produkt respektive -Service, mit dem sich ein Unternehmen langfristig am Markt differenzieren möchte, möglichst individuell entwickelt werden. Im Unterschied dazu stehen reine IoT-Modernisierungen oder -Ergänzungen bestehender Geschäftsmodelle. In diesen Fällen bietet es sich an, mit dem Know-how eines erfahrenen IoT-Dienstleisters und in Kombination mit einer offenen Plattform zu arbeiten.

Fachkennnisse und Erfahrungen

Ein klares Argument gegen die komplette Eigenentwicklung ist mangelndes fachliches Know-how: Für komplexe IoT-Projekte fehlt es den meisten Branchenunternehmen an versiertem Fachpersonal. In Zeiten des „War for Talents“ sind IT-Fachkräfte besonders rar, das ist allseits bekannt. Vorhandene Mitarbeiter zu schulen, ist ein Lösungsweg – doch schnell genug ist dies meist nicht. Darüber hinaus wird dieses Personal notwendigerweise von anderen Projekten abgezogen.

Tatsächlich gaben in der Crisp Research-Studie 2019, die gemeinsam mit Lufthansa Industry Solutions durchgeführt wurde, 22 Prozent der befragten Unternehmen an, dass für die Umsetzung von IoT-Plattformen und -Projekten das Fachwissen externer Technologieanbieter notwendig sei. Lediglich 4 Prozent stimmten der Aussage zu, dass Unternehmen zukünftig selbst die alleinige Rolle des Innovators einnehmen werden. Die Mehrheit der Befragten bevorzugt laut der Studie eine Mischform. Je nach Phase des IoT-Projekts – von der Planung bis zu Implementierung und Betrieb – kann der Mix aus Eigenleistung, IoT-Dienstleister und Hersteller anders aussehen. Daraus folgt für die meisten Unternehmen, dass bereits bestehende Lösungen genutzt werden, diese aber individualisiert und passend weiterentwickelt werden sollten, damit sie letztendlich ideal zum eigenen Unternehmen passen.

Es bietet sich also an, auf einen versierten IoT-Partner zu setzen, der über entsprechendes Fachwissen verfügt und zusätzlich die Umsetzungserfahrung mitbringt.

Fazit

Make or Buy? – Es gibt genügend Argumente für den einen oder anderen Ansatz. Gerade wenn es im Unternehmen noch keinerlei Erfahrung mit IoT-Projekten gibt, hat es viele Vorteile, wenn Entscheider auf erfahrene Experten setzen. Diese bringen das entscheidende Know-how aus anderen Projekten mit und können außerdem dabei helfen, dass langfristig auch im eigenen Hause Kompetenz im IoT-Sektor aufgebaut werden kann. Auch wenn es um das Tempo geht, ist es vorteilhaft, auf bereits bestehende offene Plattformen zu setzen. Diese sollten dann aber um auf das Unternehmen zugeschnittene Individuallösungen ergänzt werden. So lässt sich eine schnellere Time-to-Market für Projekte erreichen und zugleich langfristige Skalierbarkeit sicherstellen.

Letzten Endes muss jedes IoT-Projekt für sich allein betrachtet werden. Um zu einem bestmöglichen Resultat zu gelangen, sollte die richtige Lösung dann passgenau darauf zugeschnitten werden. Eine Mischform inklusive einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit ist für die meisten Unternehmen der wahrscheinlich beste Weg.

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