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Expertenbeitrag

Christopher Bouveret

Christopher Bouveret

Chief Innovation Officer, iTiZZiMO AG

Industrie 4.0 in der Praxis

IoT-Basics: Was ist Low Code?

| Autor/ Redakteur: Christopher Bouveret / Lisa Marie Waschbusch

Im rasanten Zeitalter der Digitalisierung gilt die Low-Code-Entwicklung als zeit- und kostensparende Alternative zum klassischen Programmieren. Was hinter dem Begriff steckt, woher die Bewegung kommt und welche Vorteile sie mit sich bringt, erfahren Sie in diesem Beitrag.

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Geschwindigkeit ist in Zeiten der Digitalisierung oft ein entscheidender Faktor.
Geschwindigkeit ist in Zeiten der Digitalisierung oft ein entscheidender Faktor.
(Bild: Pexels / CC0)

Low Code (zu Deutsch „Wenig Code“ bzw. „Wenig Programmieren“) meint im Großen und Ganzen die Vereinfachung der Erstellung einer Software, welche sonst aufwändig programmiert werden müsste. Hierfür werden grafische Modellierungsmethoden und visuelle Applikationsdesigns verwendet, statt die Software mithilfe klassischer, manueller Programmierung zu erstellen. Das kann zum Beispiel bedeuten, Funktionen konfigurierbar zu machen, also durch eine grafische Benutzeroberfläche (GUI).

Woher kommt die Low-Code-Bewegung?

Die Anfänge der Low-Code-Bewegung gehen bis in die 1990er Jahre zurück. Bereits dann entstanden erste Version von RAD-Produkten (Rapid Application Development), wie etwa Visual Basic, Delphi oder auch Oracle Forms. RAD galt als einfach zu lernen, weshalb auch Nicht-Programmierer damit einfach arbeiten konnten.

Der Begriff „Low Code“ selbst stammt von dem Marktforschungsunternehmen Forrester Research. Die Analysten Clay Richardson und John Rymer prägten den Begriff 2014 in dem Bericht "New Development Platforms Emerge For Customer-Facing Applications". Der Begriff hat in den letzten Jahren insbesondere in den USA eine echte Renaissance erfahren, nämlich durch das Aufkommen von sogenannten Low Code Development Platforms. Es handelt sich dabei um Plattformen, welche die Erstellung von Software bzw. Anwendungen durch möglichst wenig Programmierung anbieten und damit auch Anwendern ohne großes Programmierwissen ermöglichen sollen, Applikationen zu erstellen. Low-Code-Plattformen erlauben das Zusammenstellen von Anwendungen nach dem Baukasten-Prinzip. Laut Forrester soll der Markt für Low-Code-Plattformen bis 2022 auf ein Volumen von 22 Milliarden US-Dollar anwachsen.

Bekanntes Low-Code-Beispiel: WordPress

WordPress ist das wohl beliebteste Content-Management-System für Websites: es unterstützt über 70 Prozent der Top-1-Million Webseiten im Web. Mit WordPress hat man eine (relativ) einfache Möglichkeit, sich selbst eine Website zu erstellen, inklusive aller wichtigen Funktionen wie die Erstellung eines Blogs oder das Hinzufügen von Bildern oder das Verändern des Erscheinungsbildes der eigenen Website.

WordPress ist bereits im Jahr 2003 erschienen und hat durch den OpenSource-Ansatz ein riesiges Ökosystem aufgebaut. So ist es heutzutage immer einfacher für Anwender, verschiedenste Medien auf der eigenen Website einzubauen, vorgefertigte Designs zu erwerben oder spezielle Funktionen durch Plugins einzubinden. Für deren Bereitstellung haben sich wiederum eine Vielzahl von Freelancern auf dem freien Markt gefunden, die teilweise ohne oder mit wenig Programmierkenntnissen die Wünsche des Anwenders erfüllen.

Zusammengefasst bietet WordPress also ein System, das einerseits Anwendern die Konfiguration von Websites ermöglicht und auf der anderen Seite Entwicklern den Freiraum zur Programmierung spezieller Features bietet. Das ist eines der Grundprinzipien von Low-Code.

Welche Vorteile bietet Low Code?

Eine Low-Code-Plattform kann sowohl Anwendern als auch Full-Stack Developer helfen. Die Vorteile auf einen Blick:

  • Die vereinfachte Vorgehensweise setzt keine tiefgehenden Programmierkenntnisse voraus; es ist keine manuelle Programmierung notwendig
  • Durch die einfache Handhabung ohne aufwendige Programmierung wird die Entwicklungs- und Bereitstellungszeit für Geschäftsanwendungen deutlich beschleunigt
  • Dadurch können auch Kosten eingespart werden, beispielsweise für die Planung des Projekts oder das Training der Mitarbeiter
  • Anwender können Teile selbst anpassen und entlasten damit Entwickler; Anwendungen können auch im Nachhinein noch angepasst werden
  • Entwickler können sich anspruchsvolleren Aufgaben widmen

Wenn es Low Code gibt, dann geht doch auch No Code?

No Code gilt in der Tat als Weiterentwicklung des Low-Code-Ansatzes. Der Name ist Programm: Hier wird nicht programmiert. Aber auch bewusst, denn die meisten Plattformen und Angebote richten sich strikt an den Endanwender innerhalb einer Organisation oder sogar an Privatanwender. Das kann ein Vorteil sein – so finden sich Excel-Profis und Makro-Jongleure schnell zurecht – allerdings werden hier auch ganz schnell Grenzen aufgezeigt. Das Andocken komplexerer Systeme oder das Hinzufügen von individualisierten Plugins oder Skriptbausteinen ist kaum möglich. Dadurch bleibt der Entwickler vor der Tür – und muss sich dann zu späterer Stelle doch wieder im nächsten Projekt einschalten.

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