Use-Case Intelligente Ventilatoren als Win-Win-Lösung

Autor / Redakteur: Simon Scholl* / Stefan Guggenberger

Komfortabel, effizient und zukunftssicher – so sollen Ventilatoren durch intelligente Vernetzung in Zukunft arbeiten. Wie ein Hersteller mittels Predictive Maintenance das Budget seiner Kunden schonen und gleichzeitig den Service verbessern will.

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Integrierte Sensoren und eine eigene IoT-Plattform machen es möglich, Daten zur Verbesserung der Wartung zu sammeln und Auffälligkeiten zu melden.
Integrierte Sensoren und eine eigene IoT-Plattform machen es möglich, Daten zur Verbesserung der Wartung zu sammeln und Auffälligkeiten zu melden.
(Bild: Ziehl-Abegg)

Ob zum Transport verderblicher Güter, zur Reduzierung der Keimbelastung oder zur Klimatisierung leistungsstarker Server: Ohne professionelle Kühlung und Lüftung mit Hilfe effektiver Ventilatorensysteme könnten Supermärkte, Labore und Rechenzentren nicht zuverlässig arbeiten. Damit Waren nicht verderben oder Daten durch den Ausfall von Computersystemen nicht verloren gehen, gilt es, die Kühlsysteme stetig zu überwachen.

Bis vor Kurzem kontrollierten Techniker die Ventilatoren in regelmäßigen Abständen vor Ort. Häufig stellten sie dabei fest, dass die Kühlsysteme einwandfrei funktionierten. Auffälligkeiten? Defekte? Fehlanzeige. Eine positive wie ernüchternde Diagnose. Denn den Kunden entstehen mit jeder Wartung Kosten und Hersteller konnten ihre Techniker nicht optimal einsetzen.

Integrierte Sensoren sammeln Daten für Services

Das Familienunternehmen Ziehl-Abegg aus Künzelsau in Baden-Württemberg suchte daher nach einer Lösung, bei der das eigene Personal nur vor Ort tätig wird, wenn der Zustand der Geräte das zweifelsfrei nötig macht. Die Lösung: eine Vernetzung der Ventilatoren. So wie Ziehl-Abegg es bereits mit eigenen Maschinen erprobt hatte. Daten, etwa zum Produktionsablauf, sammelt der schwäbische Mittelständler über integrierte Sensoren. Über die Daten, welche die vernetzten Ventilatoren produzieren, will Ziehl-Abegg Wartungen und Reparaturen künftig effizienter planen und etwa über Predictive Maintenance Zeit und Budget seiner Kunden schonen.

Ventilatoren melden Fehler bevor diese zu Ausfällen führen

Um Informationen von den bei den Kunden installierten Geräten erfassen, speichern und visualisieren zu können, entwickelte Ziehl-Abegg zusammen mit der Telekom eine zentrale Plattform. Auf Basis von Microsoft Azure bauten Mittelständler und Konzern gemeinsam die IoT-Plattform ZA-Bluegalaxy. Hier laufen die Daten der mit Sensoren ausgestatten Ventilatoren zusammen. Im Sekundentakt senden die Geräpree mit Hilfe von Bluetooth-Funktechnologie Informationen zu Temperatur, Energieverbrauch und Schwingungen an ein IoT-Gateway. Über Wi-Fi, LAN oder UMTS schickt das Gateway die Daten verschlüsselt in die Cloud.

Bei Auffälligkeiten oder Störungen sendet das System eine SMS, Push-Benachrichtigung oder E-Mail an die Fachkräfte von Ziehl-Abegg. Noch bevor die Ventilatoren ausfallen, sollen die Techniker den Fehler so vorausschauend beheben können. Darüber hinaus optimiert die IoT-Lösung die Wartungszyklen, da diese auf Basis der erhobenen Daten automatisch ermittelt, wann Kontrollen unverzichtbar sind.

Win-Win-Lösung für Kunden und Hersteller

Über die neue IoT-Plattform können die Techniker von Ziehl-Abegg die Ursache des Schadens nachvollziehen, bevor sie am Einsatzort eintreffen. Das ermöglicht nicht nur eine effizientere Personalplanung, sondern spart auch Zeit. Denn die zeitintensive Ursachenforschung vor Ort entfällt und die Fachleute können die passenden Ersatzteile direkt mit zum Kunden nehmen. Gerade während der Coronakrise waren Ferndiagnosen und bedarfsorientierte Einsätze besonders willkommen, weil coronakonform möglich. Denn so ließen sich Kontakte reduzieren und der Arbeitsschutz erhöhen.

Auch für die Kunden des Ventilatorenspezialisten bietet die Lösung Vorteile. Denn unnötiges Warten und hohe Rechnungen für unnötige Einsätze sind Vergangenheit. Dank der Predictive Maintenance-Funktionen fallen die Ventilatoren deutlich seltener aus und lassen sich länger nutzen.

Daten haben noch mehr Potenzial

Weiteres Potenzial bieten die umfangreichen Daten, die die Ventilatoren in die Cloud senden: Über sie kann Ziehl-Abegg sein Predictive Maintenance-Angebot erweitern und die eigene Forschung und Entwicklung optimieren. Sind bestimmte Bauelemente wartungsintensiver oder fehleranfälliger als andere, kann der Hersteller unmittelbar reagieren und das eigene Qualitätsmanagement nachhaltig verbessern.

Auch Kunden können Status und Betriebsdaten ihrer Anlagen und Systeme genaustens überwachen, da die IoT-Plattform neben dem Administrations- auch ein Kundenportal bietet. Der hochsichere Kundenbereich sorgt nicht nur für das nötige Maß an Datenschutz, sondern ist auch weltweit über den Webbrowser erreichbar. „Mit der Plattform und den sensorgestützten Daten können unsere Kunden Funktionen und Abläufe verbessern und neue Geschäftsmodelle entwickeln“, sagt Peter Fenkl, Vorstandsvorsitzender von Ziehl-Abegg.

* Simon Scholl ist als Redakteur bei der Kölner Kommunikationsagentur Palmer Hargreaves tätig. Zu seinen Themenschwerpunkten zählen Internet of Things, Cloud und Industrie 4.0.

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