Nachhaltigkeit Intelligente Daten schaffen Vorteile für die Nachhaltigkeit in Unternehmen

Autor / Redakteur: Lisa Wee* / Stefan Guggenberger

Immer mehr Unternehmen weltweit nehmen den Aspekt der Nachhaltigkeit in ihre Geschäftsberichte auf. Durch die Vorteile der Industrie 4.0 werden Unternehmen in der Lage sein, die Technik, den Betrieb und die Anlagenleistung zu optimieren – mit vielfältigem ökologischem Nutzen für ihre Kunden.

Firmen zum Thema

Digitalisierung und Nachhaltigkeit gehen oft Hand in Hand. So macht es die Nutzung von Maschinendaten möglich, effizienter zu produzieren und dadurch auch Energie zu sparen.
Digitalisierung und Nachhaltigkeit gehen oft Hand in Hand. So macht es die Nutzung von Maschinendaten möglich, effizienter zu produzieren und dadurch auch Energie zu sparen.
(Bild: Aveva)

Nachhaltigkeit ist im Zuge der Pandemie schnell an die Spitze der Unternehmensagenda gerückt. COVID-19 hat die Bedeutung von Umwelt-, Sozial- und Governance-Standards (ESG) verstärkt: Unternehmen blicken zunehmend über kurzfristige Gewinne hinweg und fokussieren sich auf eine verbesserte Wertschöpfung. Bereits seit einigen Jahren hat dieser Trend an Fahrt aufgenommen, da die ökologische und soziale Performance immer mehr in den Mittelpunkt von Geschäftstätigkeiten rückt. In den letzten zehn Jahren verstärkte sich die Eigenverantwortung von Unternehmen, sodass sie Umweltaspekte in ihrer täglichen Arbeit immer mehr berücksichtigen. Dieses Anliegen spiegelt sich in den Interessen von Communities, Investoren und Aufsichtsbehörden wider.

Die Pandemie diente hierbei als Katalysator für diese Entwicklung: Die Mehrheit der Unternehmen weltweit – insbesondere auch im Industriesektor – hat die Standards der Nachhaltigkeitsberichterstattung übernommen. Rund 80 Prozent der Unternehmen in 52 Ländern berichten inzwischen über Nachhaltigkeit. Das entspricht einem Anstieg von fünf Prozent gegenüber 2017, wie eine aktuelle Studie von KPMG Impact belegt. Die im Dezember 2020 veröffentlichte Untersuchung analysiert einen Einjahreszeitraum bis Juni 2020. Während Nordamerika mit 90 Prozent die höchste Berichterstattungsrate zu dieser wichtigen Kennzahl aufweist, hat die integrierte Berichterstattung weltweit stark zugenommen, darunter auch in Frankreich, Malaysia, Indien und Japan.

Intelligente Systeme führen zu Win-Win-Ergebnissen – für Unternehmen und Umwelt

Ein Nachhaltigkeitsbericht von Unternehmen ist nur der Anfang: Die Nachhaltigkeit wird im kommenden Jahrzehnt für die Industrie über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg essenziell sein – von der Beschaffung über die Lieferkette bis hin zur Produktionslinie und dem Ende des Lebenszyklus von Anlagen. Die Zukunft gehört den Unternehmen, die smarte Systeme nutzen, um Win-Win-Ergebnisse für Betriebe und die Umwelt zu erzielen. Das nützt auch künftigen Generationen von Arbeitskräften und unterstützt gleichzeitig effiziente, vernetzte und nachhaltige Arbeitsmodelle.

In der Tat können Digitalisierung und Nachhaltigkeit mit ihrer symbiotischen Beziehung als zwei Seiten derselben Medaille gesehen werden.

Die Verankerung von Nachhaltigkeit in einem Unternehmen braucht Zeit und ist am besten als andauernder Prozess zu verstehen. Die Festlegung von Prioritäten und die Überprüfung der aktuellen Fähigkeiten sind bedeutungsvolle erste Schritte. Insbesondere die Bewertung technologischer Fähigkeiten ist ein immer wichtiger werdender Teil dieses Prozesses geworden. Für Industrieunternehmen, die ihren Betrieb nachhaltiger gestalten wollen, legt die Digitalisierung den Grundstein für ein tieferes Verständnis der Optionen, ermöglicht eine Überwachung in Echtzeit und kann den Gesamtfortschritt beschleunigen. Doch während jedes Unternehmen auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit voranschreitet, wird der Prozess weiterhin neue Wege aufzeigen, wie das Potenzial digitaler Technologien genutzt werden kann, um den ökologischen Fußabdruck eines Unternehmens weiter zu reduzieren und einen Beitrag zur Gesellschaft zu leisten.

Zweistellige Energieeinsparungen durch die Digitalisierung

Einige Vorteile der Digitalisierung sind fast sofort zu spüren. In Batam, Indonesien, ermöglicht eine Discrete-Lean-Managementsoftware es, Werksabläufe in der Cloud zu rationalisieren und so ein ‚Fourth Industrial Revolution Lighthouse‘ (4IR) des Weltwirtschaftsforums zu werden. Es ist eine Bestätigung, da die Anlage zu den fortschrittlichsten Fabriken der Welt gehört. Dem dortigen Team wurden zum Betrieb der Anlage Daten zur Verfügung gestellt, die die betriebliche Effizienz durch Echtzeit-Leistungsverfolgung und digitale Eskalation für eine schnellere Entscheidungsfindung ermöglichten. Die Ausfallzeiten verringerten sich um 44 Prozent und es wurden Energieeinsparungen von 21 Prozent erzielt.

Big Data: Nachhaltigkeit fördern und Energieeffizienz steigern

Ein weiteres Beispiel ist der Konsumgüterhersteller Henkel: Das Unternehmen hat sich zum Ziel gesetzt, Nachhaltigkeit in all seinen Geschäftsaktivitäten zu fördern, seine Führungsposition zu stärken und seinen Energieverbrauch zu optimieren. Durch eine Reihe von Initiativen unter dem Motto ‚Henkel 2020+‘ will der Hersteller nachhaltig profitables Wachstum generieren. Das Unternehmen setzt die digitale Transformation im gesamten Unternehmen um und erhöht damit die Agilität, um Wachstum zu erzielen, die Beziehungen zu seinen Kunden zu stärken und Prozesse zu optimieren.

Um nachhaltige Innovationen umzusetzen und gleichzeitig die Ressourceneffizienz und Wertschöpfung zu verbessern, will Henkel bis 2030 dreimal effizienter werden, gemessen am ökologischen Fußabdruck. In den Gebieten der Gesellschaftsentwicklung, Gesundheit und Sicherheit sowie Leistungsfähigkeit will das Unternehmen Mehrwerte schaffen. In den Bereichen Energie und Klima, Materialien und Abfall sowie Wasser und Abwasser soll der Ressourcenverbrauch reduziert werden, um den ökologischen Fußabdruck des Unternehmens zu verringern.

Neues Energie-Monitoring-System gibt den Startschuss zur Nachhaltigkeit

Henkel entschied sich, ein digitales Rückgrat zu implementieren und das bereits bestehende Informationssystem flexibel und bedarfsorientiert weiterzuentwickeln. Für das Erreichen der Nachhaltigkeitsziele war es entscheidend, ein System zu schaffen, mit dem die neuen Maßnahmen kontinuierlich und sofort umgesetzt werden können.

Bis Ende 2020 wurden mehr als 4.000 physische und virtuelle Sensoren in das System integriert, die Strom, fossile Brennstoffe, Druckluft, Dampf, Wasser und Abwasser messen. Mehr als eine Million Datenpunkte werden pro Tag erfasst. Diese Messungen zeigen den Energieverbrauch auf einer werksweiten Ebene, aber auch einzelner Produktionsbereiche und Technologien. Der Verbrauch wird nun genauer gemessen, und die Ergebnisse können in aussagekräftigen Parametern analysiert und bewertet werden. Dadurch kann Henkel Korrekturmaßnahmen ergreifen, die zu einer Reduzierung des Energieverbrauchs führen.

Die richtigen Daten sammeln und gezielte Prozessverbesserungen vornehmen

In der Fertigung werden relevante Informationen auf Touchscreen-Geräten angezeigt, sodass die Arbeitsteams regelmäßig die Performance besprechen können. Die Lösung ermöglicht einen effizienten Zugriff auf unternehmensweite Daten. Sie bietet eine sofortige Analyse von Daten, um einen unmittelbaren Mehrwert für den Betrieb zu schaffen. Die Lösung hilft dabei, Daten in einem aussagekräftigen Format zu konsolidieren und zu kontextualisieren. So ist es möglich, diese Daten zu überprüfen und zu verarbeiten, sodass problematische Bereiche leichter identifiziert werden können.

Durch die Datenanalyse konnte Henkel bisher mehr als 37 Mio. Euro einsparen und gleichzeitig nachhaltiger produzieren.
Durch die Datenanalyse konnte Henkel bisher mehr als 37 Mio. Euro einsparen und gleichzeitig nachhaltiger produzieren.
(Bild: Aveva)

Der Unternehmensbereich Laundry & Home Care hat durch die Lösung von Aveva messbare Verbesserungen bei seinen Nachhaltigkeitsbemühungen festgestellt: Der Energieverbrauch ist gesunken und die Ressourceneffizienz gestiegen. Was die finanziellen Einsparungen betrifft, so entspricht jeder Prozentpunkt Energieeinsparung ungefähr einer Einsparung von 0,5 Millionen Euro pro Jahr. Infolgedessen hat die Aveva-basierte Lösung Henkel bis heute 37 Mio. Euro eingespart. Die jüngste jährliche Einsparung hat nun 8 Mio. Euro pro Jahr betragen, verglichen mit dem Basisjahr. Die Konsolidierung der finanziellen Gewinne, die durch die Lösung jedes Jahr erzielt werden, bedeutet eine vierfache Amortisation, wobei ein ROI von 100 Prozent nach weniger als vier Jahren erreicht wird.

Als Ergebnis der erfolgreichen Implementierung hat Henkel den Ausschuss in der Abfüllanlage reduziert und praktisch alle Fehletikettierungen eliminiert. Dies führt zu der höchsten garantierten Produktqualität und zu erheblichen Einsparungen bei der Verpackung. Die Lösung führte auch zu Verbesserungen der OEE von durchschnittlich 15 Prozent nach nur zwei Jahren.

Daten sind Schlüssel zu Nachhaltigkeitszielen

Intelligente Industriesoftware leistet bereits einen großen Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit, unter anderem indem sie Unternehmen dabei hilft, ihre Emissionen zu reduzieren, sich in Richtung Kreislaufwirtschaft zu bewegen und Fortschritte bei Rückverfolgbarkeit und Produktqualität zu erzielen. Während der Vorstoß in Richtung Industrie 4.0 an Fahrt gewinnt, wird der nächste Schritt für Verbraucher und Unternehmen darin bestehen, neue Wege der Zusammenarbeit zu finden und die Fülle an Daten zu nutzen, die ihnen jetzt zur Verfügung stehen. Nur so wird ein Fortschritt beim Erreichen wichtiger Nachhaltigkeitsziele zu beschleunigen sein. Darunter beispielsweise auch die nachhaltigen Entwicklungsziele der UN für das Jahr 2030 und die Begrenzung der globalen Erwärmung auf 1,5˚C. Erst dann werden wir wirklich wissen, ob wir auf dem richtigen Weg sind, eine nachhaltigere Zukunft zu realisieren.

* Lisa Wee arbeitet Director of Sustainability bei Aveva.

(ID:47707144)