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Expertenbeitrag

 Laurent Schüller

Laurent Schüller

Head of Marketing & PR

IoT-Experten-Interview

Inside IoT

| Autor/ Redakteur: Laurent Schüller / Redaktion IoT

Reduzierung von Komplexität ist einer der großen Ansprüche, den Industrie 4.0 reklamiert. Laurent Couillard von OptimData hat für Sidel einen Use-Case geschaffen, der genau dies verdeutlicht. Im Gespräch mit Cybus spricht er über den aktuellen Stand des Industrial Internet of Things.

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OptimData in Paris entwickelte für Sidel die IoT-Applikation
OptimData in Paris entwickelte für Sidel die IoT-Applikation "SidelInUse"
(OptimData, Paris (Frankreich), 2017)

Cybus verfügt über ein vielfältiges Partnernetzwerk unterschiedlicher IoT-Dienstleister und -Unternehmen. Von Zeit zu Zeit führen wir mit einem Experten von einem unserer Partner ein „Inside IoT“-Gespräch, um hier Einblicke aus erster Hand zu bekommen. Heute sprachen wir mit Laurent Couillard von OptimData, Paris, über den aktuellen Stand des Industrial IoT und die größten Herausforderungen für Unternehmen, die von intelligenten IoT-Diensten Gebrauch machen wollen.

Cybus bildet hierbei die Schnittstelle zwischen Shopfloor und IoT-Services. Durch die Connectware wird ein sicherer und einheitlicher Datentransfer ermöglicht. Somit können digitale IoT-Services in Unternehmen auf Maschinendaten zugreifen, während der Fabrikbetreiber völlige Kontrolle über seine Daten behält und je nach Anwendungsfalls gewünschte Daten freigeben und überwachen kann.

Laurent Couillard ist CEO und Gründer von OptimData in Paris und arbeitet seit mehr als zehn Jahren im IoT-Bereich. Mit OptimData hat er ein innovatives R&D-Labor für die Entwicklung von datenzentrischen Anwendungen für Industrie-Unternehmen aufgebaut.

Wenn wir über Industrie 4.0 reden, scheint es für viele Entscheider tatsächlich noch ein etwas schwammiger Begriff für die allgemeine „Digitalisierung“ zu sein. Wie würden Sie konkret den echten Nutzen und Mehrwert, den Unternehmen in den nächsten 12 Monaten durch Industrie 4.0 haben werden, zusammenfassen?

Industrie 4.0 beschäftigt sich im Wesentlichen mit einer besseren Kollaboration zwischen Maschinenhersteller, Produktionsplaner, technischem Anwender und produzierendem Unternehmen. Jeder Teilnehmer in der Wertschöpfung ist heutzutage gezwungen in die Prozesse einer modernen Fertigung eingebunden zu sein. Sei es für höhere Produktionszyklen bei sinkenden Kosten, Energie-Effizienz oder Produkt-Diversifikation. Das Industrielle Internet der Dinge verknüpft die bislang einzelnen Fäden zu einem Wissensnetz. Jeder Teilnehmer kann in einer digitalen Form seine Kompetenz beisteuern und somit zu einem effizienteren Gesamtsystem beitragen. Industrie 4.0 bringt durch Digitalisierung einen ganz neuen Mehrwert hervor und verkürzt die Distanz zwischen den einzelnen Akteuren.

Worin sehen Sie die größten Herausforderungen aktuell, die Produktionsbetreiber und Fabriken an einer schnellen Umsetzung von Industrie 4.0 hindern? Was wäre Ihrer Meinung nach der erste Schritt, den ein Unternehmen gehen muss?

Die größte Herausforderung ist zunächst das Geschäftsmodell. Weil es einer Fabrik oder einer Produktionsstätte nicht allein gelingen wird, einen Mehrwert durch Industrie 4.0 zu erlangen, muss sie die Zusammenarbeit und den Erwerb von Wissen von Maschinenherstellern und Instandhaltern ermöglichen. Infolgedessen und als Konsequenz wird die kontrollierte Datenerfassung zum Mehrwert. Von den gesammelten "In Use"-Daten in Verbindung mit KI-Modellen haben wir gelernt, dass jeder Prozess-Teilnehmer sein eigenes Wissen erweitern und wesentlich gezielter im richtigen Kontext für eine bessere Produktion anwenden kann.

Natürlich dürfen dabei keine vertraulichen Produktionsdaten ungeschützt nach außen gelangen. Aber Produktionsdaten bilden in digitalisierter Form den Schlüssel zu einer „kollektiven Intelligenz“, um für jeden einzelnen Anwender neue Vorteile zu schaffen.

Zurückblickend, was hat sich seit der Einführung von IoT in der Industrie tatsächlich schon getan? Können Sie ein Beispiel für erfolgreiche IoT-Implementierung nennen?

Der Fortschritt von und durch IoT variiert natürlich von Kunde zu Kunde. Vor kurzem haben wir mit Sidel, einem Tetra Pak Unternehmen, die Einführung von Sidel-InUse angekündigt. Sidel-InUse schlägt neue Abfertigungsprogramme für die Abwicklung vor, um die OEE zu erhöhen und Störfälle vorherzusagen. Die Transformation wurde auf beiden Seiten angenommen.

Einerseits wird die Kundenbeziehung von Sidel durch ein tieferes Wissen über das, was bei der Kundenproduktion geschieht, und durch eine bessere Abstimmung von Support und Service erweitert. Auf der anderen Seite sind die Maschinen in der Lage, den Industriearbeitern sehr konkret Handlungsempfehlungen für den nächsten Produktionsschritt mitzuteilen.

OptimData stellt seine IoT Visualisierung- und Optimierungslösung “ProductInUse“ für Unternehmen bereit, die ihre Produktionsdaten nutzen möchten. Gibt es Pläne bei Ihnen in Zukunft auch andere Dienste wie „ProductInUse“ anzubieten?

ProductInUse ist eine Lösung für industrielle Unternehmen bei der Entwicklung ihrer digitalen Dienste. Wir begannen mit Predictive Maintenance, was die Kosten senkt und die Betriebszeit erhöht, um anschließend auch intelligente Lösungen anzubieten, die die Mean Time to Repair (MTTR) reduziert. Wir starten demnächst einen digitalen Service zur Preventive Maintenance, welcher ein optimiertes Wartungs- und Ersatzteil-Management ermöglicht. Weitere digitale Services generieren sich darüber hinaus laufend aus unseren aktiven Industrie-Anwendungen.

Eine letzte Frage zum aktuellen Stand des Internet of Things: Wie schätzen Sie den bisherigen Fortschritt durch Industrie 4.0 ein, einen Mehrwert aus den Möglichkeiten durch IoT zu generieren? Steht der digitale Wandel Ihrer Meinung nach am Anfang, oder sind wir bereits in der „digitalen Industrie“ angekommen?

Es wird noch wesentlich mehr zu erwarten sein. Wie gesagt, der Mehrwert von IoT liegt in einer neuen Wissensgemeinschaft, die noch nicht definiert ist. Das ist der Kern der Transformation. Das Internet selbst fußt auf kollektiver Intelligenz und neuer Art von Kooperation zwischen bisher unbekannten Teilnehmern. Wir sind gerade erst dabei, die Möglichkeiten für uns alle zu entdecken. Da wird definitiv noch eine ganze Menge passieren.

Laurent, vielen Dank für Ihre Zeit und das Gespräch! Lassen Sie uns in einigen Monaten wieder über diese Themen sprechen, um zu sehen, was sich bis dahin geändert hat. Vielen Dank!

"SidelInUse"

Sidel, ein Unternehmen von Tetra Pak, stellt unter anderem Komplettanlagen für das Aufblasen, die Befüllung und das Labelling von Glas, Dosen und PET-Flaschen her. In der Lebensmittelverarbeitung sind die technischen Anforderungen nicht nur anspruchsvoll, sondern auch kontinuierlich zu überwachen. Die äußerst komplexen Anlagen bedürfen dabei durch den hohen Grad an Automatisierung sorgfältigster Kontrolle und Instandhaltung.

OptimData hat für Sidel den IoT-Service „SidelnUse“, basierend auf der datenzentrischen „ProductInUse“-Plattform für die Anlagen ausgerollt. Einen entscheidenden Vorteil, den Sidel damit erhalten konnte, war es, zum ersten Mal zu sehen, wie die eigenen Abfüll-Anlagen beim Kunden tatsächlich betrieben werden. Die vermeintliche Nutzer-Blackbox wurde somit zum ersten Mal geöffnet. Im Detail bedeutete das als direkt Folge: Sowohl die Laufleistungen, Ursachen für Störungen und die jeweilige Einrichtungskonfiguration können fortlaufend sehr exakt für den Maschinenhersteller und -betreiber nachvollzogen werden. Außerdem bietet der Service den Techniker an der Anlage vor Ort direkte Handlungsempfehlungen für Betrieb, Steuerung und Konfiguration zu erhalten. Die Lerneffekte, Schaffung neuer Expertise und Reduzierung von Fehlern wurde in kürzester Zeit um ein Vielfaches optimiert.

https://www.youtube.com/watch?v=Tn6WoyB3zNA

Über den Autor

 Laurent Schüller

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