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Expertenbeitrag

Dr. Martin Schössler

Dr. Martin Schössler

Managing Partner, CAUSA

Dieser Beitrag ist im Rahmen des Themenspecials "Industrie 4.0" erschienen.

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Immaterielle Vermögenswerte Industries of California – Industries of the World?

Autor / Redakteur: Dr. Martin Schössler & Prof. Dr. Gerald Ebel* / Sebastian Human

Immaterielle Vermögenswerte, sogenannte Intangibles, werden durch die digitale Transformation zunehmend zentral für den Unternehmenserfolg. In Teil 1 der begleitenden Artikelserie zu ihrem Podcast The Intangibles sprechen Dr. Martin Schössler und Prof. Dr. Gerald Ebel über den digitalen Goldrausch.

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In ihrem Podcast The Intangibles sprechen Dr. Martin Schössler und Prof. Dr. Gerald Ebel über die Bedeutung immaterieller Vermögenswerte und Wertschöpfung im Zeitalter der digitalen Transformation.
In ihrem Podcast The Intangibles sprechen Dr. Martin Schössler und Prof. Dr. Gerald Ebel über die Bedeutung immaterieller Vermögenswerte und Wertschöpfung im Zeitalter der digitalen Transformation.
(Bild: Causa GmbH & Co. KG)

Durch die Digitalisierung verändert sich neben den Arbeitsweisen auch etwas viel Grundlegenderes: die Art der Wertschöpfung. Dabei spielen immaterielle Vermögenswerte eine immer größere Rolle, denn sie ermöglichen es, sich von Produkten zu lösen, und stattdessen Zustände beziehungsweise Lösungen anzubieten. Wie das funktioniert, hat die Wirtschaft in Kalifornien der Welt vorgemacht – nun ist es an den Entscheidungsträgern rund um den Globus, diese unausweichliche Entwicklung anzunehmen und zu meistern, um ihr Unternehmen auch in Zukunft wettbewerbsfähig zu halten.

Intangibles – der Goldrausch des digitalen Zeitalters?

Digitale Transformation und Industrie 4.0, das sind Schlagworte, die in den letzten Jahren zahllose Berichte, Kommentare und Kolumnen befeuert haben. Aber was verbirgt sich eigentlich dahinter? Ist es tatsächlich nur die Telearbeit, das papierlose Büro, Prozessautomatisierung und die Vernetzung von Maschinen in der Produktion? Oder steckt vielleicht doch sehr viel mehr hinter diesen Konzepten – oder gar etwas Grundsätzliches?

Die einleitenden Fragen machen es schon deutlich: Wir glauben, dass die Digitalisierung nicht bloß eine rein technische Entwicklung ist. Würde man sie darauf reduzieren, wäre das in etwa so, als würde man die Industrialisierung auf die Einführung der Dampfmaschine reduzieren. Natürlich ist sie eine wichtige Neuerung gewesen, sie hat aber noch sehr viel tiefgreifendere Veränderungen angestoßen, wie etwa die Eisenbahn, Elektrifizierung, Massenfertigung, Landflucht, die Entstehung der Arbeiterbewegung und die Einführung verschiedener Sozialleistungen. Mit der Digitalisierung verändert sich ebenfalls etwas ganz Grundlegendes: die Art der Wertschöpfung. Denn für diese sind immer häufiger immaterielle Vermögenswerte nötig – auch Intangibles genannt. Wie wichtig Intangibles für die Unternehmensentwicklung sind und welchen Stellenwert sie inzwischen einnehmen, lässt sich gut am Beispiel der wirtschaftlichen Entwicklung in Kalifornien aufzeigen.

Von Nuggets, Farmen und Mikrochips

Technische Neuerungen und innovative Geschäftsideen kommen heutzutage selbstverständlich überall auf der Welt auf – aber Kalifornien mit seinen Innovationszentren Silicon Valley und Silicon Beach steht wohl wie kaum ein anderer Ort für moderne und zukunftsträchtige Entwicklungen. Das war allerdings nicht immer so.

Nach der Aufnahme in die Vereinigten Staaten 1848 und einem im selben Jahr beginnenden Goldrausch war der Golden State bis weit in das Zeitalter der Industrialisierung hinein vor allem landwirtschaftlich geprägt. Reiche Goldvorkommen und die Gier danach, günstige Anbaubedingungen sowie ein stetig wachsendes Heer aus Einwanderern bildeten dafür eine ideale Grundlage.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs begann sich die wirtschaftliche Ausrichtung jedoch zu verändern. Treibende Kräfte waren dabei unter anderem Universitäten wie das öffentliche Universitätssystem der University of California und die private Stanford University, Einrichtungen wie das Jet Propulsion Laboratory und die NASA sowie die Medien- und Entertainment-Industrie in Hollywood. Dies lockte mehr und mehr gut ausgebildete Ingenieure, Kreative und Kapital nach Kalifornien, während sich die traditionell im Staat ansässigen Branchen zurückzogen.
Gerade im Umfeld der kalifornischen Universitäten wurden zahlreiche Hightech-Firmen von Weltrang gegründet, unter anderem Größen wie Hewlett-Packard, Cisco, Intel, Oracle, Apple und später Alphabet. In den letzten Jahren kamen Facebook, Uber, AirBnB, Netflix, Salesforce und Tesla hinzu – und all diese Firmen sorgten für ein beachtliches wirtschaftliches Wachstum und das Entstehen der nach Deutschland fünftgrößten Volkswirtschaft der Welt. Dabei liegt der Anteil des Informationssektors an der kalifornischen Wirtschaftsleistung um 6 Prozentpunkte höher als im US-Durchschnitt.

Und worauf gründet diese Wirtschaftsleistung? Die Produktionsstätten von Apple sind in China, Google und Facebook besitzen zwar große Server-Farmen, stellen aber im Prinzip keine handfesten Produkte her, AirBnB und Uber führen ungenutzte materielle Kapazitäten einer flexiblen Nutzung zu – die Wertschöpfung basiert also zu einem Großteil auf immateriellen Gütern.

Nicht greifbar – aber ein handfester Vorteil

Zu diesen Intangibles zählen unter anderem Patente, Daten und Beziehungsnetzwerke, aber auch Mitarbeiter mit fachlicher Expertise, eine hohe Kundenbindung sowie besondere organisatorische Prozesse und Entwürfe. Welche Bedeutung immaterielle Güter haben, lässt sich gut anhand der Verteilung der bilanzierten Aktiva bei den im Börsenindex S&P 500 gelisteten Unternehmen ablesen: Bis in die 80er-Jahre machten bilanzierte Intangibles maximal 30 Prozent der gesamten Aktiva aus, inzwischen sind es deutlich über 80 Prozent. In absoluten Zahlen hat sich ihr Wert in diesem Zeitraum um mehr als das Dreißigfache erhöht.

Dies legt die Vermutung nahe, dass Intangibles enorm wichtig für wirtschaftlichen Erfolg geworden sind – aber was macht sie so besonders? Nun, zum einen werden Firmen durch die Nutzung von Intangibles sehr flexibel. Ideen und Konzepte können ganz einfach auf andere Märkte rund um die Welt übertragen werden – bei materiellen Gütern müssen erst Logistikketten oder Produktionsstätten aufgebaut werden. Zum anderen – und das ist noch viel entscheidender – erlauben sie es aber, die Wertschöpfung von physischen Gütern zu lösen. Statt einem Gut wie etwa einer Maschine bieten Unternehmen, die auf Intangibles setzen, in erster Linie Lösungen beziehungsweise Zustände an, rekonfigurieren Bestehendes neu oder aggregieren es zu ganzheitlicheren Wertversprechen, die Bedürfnisse besser und/oder breiter abdecken.

So könnte ein Unternehmen etwa mit der Aussage „Wir garantieren eine Reduzierung der Unfälle innerhalb eines halben Jahres um 50 Prozent“ um Kunden werben – dass dafür ein neues, KI-gestütztes Verkehrsleitsystem zum Einsatz kommt, spielt für den Kunden nur eine untergeordnete Rolle und definiert die Wertschöpfung letztlich nicht.
Denn das System lässt sich sehr wahrscheinlich auf andere Bereiche übertragen, etwa um als Zalando den Warenverkehr in einem Logistikzentrum zu leiten oder Passagiere in einem Flughafen wie in München, oder eben auch bei einem IoT-Unternehmen wie Avnet das heute „Outcomes“ anbietet, indem Komponenten über Software zu ganzheitlichen Systemen verbunden werden.
Diese neue Art der Wertschöpfung ist nicht nur sehr anpassungsfähig, sondern zudem auch sehr ergebnisorientiert. Dabei stehen vor allem zwei Fragen im Vordergrund: Wird es funktionieren? Und: Wird es sich verkaufen? Die technischen Lösungen und Herangehensweisen kommen erst an zweiter Stelle und werden entsprechend der jeweiligen Bedürfnisse entwickelt beziehungsweise angepasst.

Ein Vorbild für alle?

Die kalifornische Wirtschaft wird inzwischen zu einem Großteil von immateriellen Gütern bestimmt. Das zieht wiederum einen Großteil des Risikokapitals an – rund 40 Prozent des Gesamtvolumens in den USA geht nach Kalifornien – und ermöglicht ein stetiges Wachstum. Kann das kalifornische Modell also als Blaupause für den Rest der Welt dienen?
Ganz so einfach ist es leider nicht, denn die Voraussetzungen im Golden State waren und sind sehr einzigartig. So gab es nach dem Ende des Kalten Kriegs zum Beispiel einen großen Überschuss an Ingenieuren, die neue Betätigungsfelder suchten und sie bei den Tech-Firmen fanden. Die Verquickung von Universitäten und Unternehmen ist ebenfalls etwas, das sich nicht so ohne Weiteres reproduzieren lässt. Dennoch kann man von der kalifornischen Wirtschaft lernen. Die Tech-Firmen setzen im großen Stil auf Intangibles und sind damit äußerst erfolgreich. Sie entwickeln neue Geschäftsmodelle, lösen sich von der althergebrachten Wertschöpfung entlang der Produktionskette und erweitern so ihre Möglichkeiten.

Diese flexible und zielgerichtete Herangehensweise in Verbindung mit Intangibles ist auch das eigentlich Neue, das die digitale Transformation mit sich bringt. Materielle Güter wie Maschinen, Produktionsstandorte und sonstige Ausstattung treten mehr und mehr in den Hintergrund, da sie für die Wertschöpfung zu einem gewissen Grad zwar nötig, jedoch keine entscheidenden Erfolgsfaktoren mehr sind. Um zukunfts- und wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen Unternehmen sich dieser Herausforderung stellen – und der kalifornische Weg kann hier einige wertvolle Anhaltspunkte geben.

Entscheidungsträger in Unternehmen sollten sich also die Frage stellen: Wie geht es mit dem Betrieb weiter? Der Erfolg der Firmen, die auf Intangibles setzen, ist weder zu leugnen noch zu übersehen, während Unternehmen mit traditionellen Geschäftsmodellen mehr und mehr ins Hintertreffen geraten.

Können Sie es sich also leisten, dieses wichtige Thema einfach zu ignorieren? Oder stellen Sie sich bereits der Herausforderung und machen Ihre Firma fit für die Zukunft? Sagen Sie es uns! Wie ist Ihre Intangible-Story? Teilen Sie Ihre Gedanken und diskutieren Sie mit uns – wir freuen uns auf Ihre Rückmeldung!

Kontakt:
Prof. Dr. Gerald Ebel, ebel@causa-c.de, M. +491797072144

Dr. Martin Schössler, schoessler@causa-c.de, M. +4917640232122


Podcast zum Thema

(Bildquelle: Causa GmbH & Co. KG)

Wenn Sie mehr zum Thema und der Wertschöpfung der Zukunft wissen möchten, hören Sie doch mal beim Podcast The Intangibles von Martin Schössler und Gerald Ebel rein.

Link zum Podcast: https://anchor.fm/intangibles/episodes/The-Intangibles--Epsiode-1-Industries-of-California---Industries-for-the-World-egclah

Spotify: https://open.spotify.com/show/51kBd4wPLXjjEJU6Z74XCb

RSS: https://anchor.fm/s/29f1317c/podcast/rss

* Dr. Gerald Ebel arbeitet als Professor für Logistik und BWL an der FH Bielefeld.

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Über den Autor

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