Hightech-Initiative

Industrieländer brauchen Antwort auf die chinesische Herausforderung

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Firmenaufkäufe sollen Technik-Lücke schließen

Viele Investitionen fließen in Bereiche wie Immobilien und Dienstleistungen – hier gibt es positive Erfahrungen in der Zusammenarbeit. Doch vermehrte Übernahmeangebote an Hochtechnologiefirmen sorgten hierzulande für heftige Diskussionen, wie der Fall des Roboterherstellers Kuka, des Spezialmaschinenbauers Aixtron (dessen Übernahme jüngst am Veto des US-Präsidenten scheiterte) und des Leuchtmittelproduzenten Osram. Es tauchte die Frage auf, inwieweit der chinesische Staat hinter den Deals steht.

Dazu kommt eine protektionistische Politik Chinas, die eigene Technologieanbieter vor ausländischer Konkurrenz schützt. So konnten sich Unternehmen wie Baidu, Sina Weibo oder Wechat als Alternativen zu Google, Facebook oder Twitter etablieren. Bei der Hightech-Produktion befindet sich China laut MERICS dagegen immer noch im Rückstand. Drei Viertel der Komponenten für im Land gefertigte Industrieroboter werden nach wie vor importiert.

Die Strategie hat auch deutliche Schwächen, wie es in der MERICS-Studie heißt. Politische Prioritäten und Bedürfnisse der Industrie stehen oft nicht im Einklang. Die Fixierung auf quantitative Ziele und ineffiziente Mittelzuteilung könnten dazu beitragen, dass die breit angelegte Initiative in vielen Bereichen verpufft.

Doch in manchen Bereichen, dazu gehören Robotik und 3-D-Druck, könnte China die derzeit führenden Volkswirtschaften und internationale Konzerne erheblich unter Druck setzen. Besonders Deutschland und die EU-Nachbarn Ungarn, Tschechien, Irland und Österreich, aber auch Südkorea und die USA, in denen Hightech-Industrien einen großen Teil zum Bruttoinlandsprodukt beisteuern, droht auf lange Sicht eine Schwächung ihres Wirtschaftswachstums.

Entscheider in Politik und Wirtschaft sollten sich nicht von kurzfristigen Geschäftschancen täuschen lassen. Am Ende gehe es der chinesischen Führung darum, ausländische durch chinesische Technologien zu ersetzen.

Mehr Transparenz bei Firmenübernahmen

Deshalb sind kluge Antworten auf Chinas Strategie nötig. Europa empfehlen die MERICS-Autoren eine erweiterte Palette von Instrumenten, um auf die von staatlichen Akteuren betriebenen Aufkäufe europäischer Hightech-Unternehmen zu reagieren. Dazu gehöre mehr Transparenz bei Firmenübernahmen, damit eventuelle staatliche Einflussnahme rechtzeitig erkennbar werde. Ähnlich wie in den USA müssten auch in Europa die Bedeutung von Investitionen aus dem Ausland in einheimische Firmen für die nationale Sicherheit entschiedener geprüft werden.

Eine weitere Option ist die Ausweitung der auf dem EU-Binnenmarkt geltenden Wettbewerbsregeln auf Investitionen aus Drittstaaten anzuwenden. Die Regelungen untersagen staatliche Beihilfen, die den Wettbewerb verzerren.

Ausländischen Hightech-Unternehmen, die in China forschen und entwickeln, empfehlen die Autoren, sich auf Bereiche zu konzentrieren, in denen die chinesischen Partner selbst schon über fortgeschrittene Technologien verfügen. Dazu gehören unter anderem der Telekommunikationsstandard 5G, drahtlose Sensornetzwerke, 3-D-Druck und E-Commerce-Anwendungen für die Industrie.

Auch Dialog sei wichtig: Im Bereich Cybersicherheit, so die MERICS-Forscher, müssten die Industrieländer Chinas Interesse an ihrer Technik nutzen, um im Gegenzug IT-Sicherheitsstandards und den Schutz von sensiblen Unternehmensdaten einzufordern.

Wenn es um die Festlegung von Technologie-Standards gehe, sei China noch offen, sich an den entsprechenden Industriekonsortien zu beteiligen. Entwickelt das Land erst seine eigenen Standards – wie beim Mobilfunk– wird die Barriere, die ausländischen Hightech-Anbietern den Weg auf Chinas Märkte versperren könnte, vielleicht eines Tages unüberwindlich hoch.

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf unserem Partnerportal ELEKTRONIKPRAXIS erschienen.

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