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 Sudip Singh

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Wie das IIoT Industrie 4.0 ermöglicht

Industrie 4.0 und das Industrial Internet of Things (IIoT) – eine Einordnung

| Autor/ Redakteur: Sudip Singh / Redaktion IoT

Industrial Internet of Things und Industrie 4.0 sind die großen Schlagwörter in Unternehmen. Innovative Unternehmen können mit smarten Lösungen, neuen Geschäftsmodellen und effizienteren Leistungsprozessen groß rauskommen.

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Industrie 4.0 und das Industrial Internet of Things
Industrie 4.0 und das Industrial Internet of Things
(Quelle: Rainer Plendl)

In Unternehmen ist das Interesse am Internet of Things (IoT) aktuell enorm. Verantwortliche beschäftigt die Frage, wie sich damit Prozesse innerhalb und über verschiedene Organisationen hinweg optimieren lassen. Zwar zirkulieren zahlreiche verschiedene IoT-Definitionen, doch geht es letztlich immer darum, Dinge smarter zu machen, indem sie miteinander kommunizieren. Im Mittelpunkt stehen die Sensoren. Sie sind eingebettet in die Geräte, sammeln Daten über Anwender und entlang der Wertschöpfungskette. Das definiert unser Produktverständnis neu, weil auch neue Geschäftsmodelle denkbar werden. Unternehmen verstehen Verbraucher wesentlich besser und können deutlich effizienter über den gesamten Leistungsprozess agieren.

Dieses Potenzial sorgt dafür, dass IoT immer mehr in den Fokus der Industrie rückt. Fertigungsunternehmen haben sogar eine speziell auf ihr Umfeld zugeschnittene Variante von IoT geprägt: das Industrial Internet of Things (IIoT). Diese Bezeichnung subsummiert Begriffe wie Smart Factories, Extreme Automation oder Industrieroboter und ermöglicht eine klare Abgrenzung zur IoT-Welt der Endkonsumenten. Dieser Paradigmenwechsel in der Fertigungsbranche wird auch als vierte industrielle Revolution beziehungsweise Industrie 4.0 bezeichnet. Fälschlicherweise werden die Begriffe „Industrie 4.0“ und „IIoT“ häufig synonym genutzt, obwohl sie sich in bestimmten Nuancen unterscheiden. Es gilt, diese Abweichungen zu verstehen.

Revolution in der Fertigung


Industrie 4.0 wurde als Hightech-Strategie von der Bundesregierung ins Leben gerufen und durch die Deutsche Akademie für Technikwissenschaften (acatech) maßgeblich geprägt, um die Computerisierung in der industriellen Produktion voranzutreiben. Diese Initiative leitete den Wandel von einer zentralisierten hin zur dezentralisierten Fertigungsbranche ein – Industrie 4.0 integriert nun das IoT, Daten und Dienstleistungen1. Anders ausgedrückt: Die Industrie 4.0 macht sich cyber-physische Systeme zunutze und erschafft Netzwerke, in denen verbundene Geräte miteinander kommunizieren.

IIoT hingegen ist der konkrete Gebrauch von IoT-Technologien über Industriegrenzen hinweg. Im Bereich der Fertigung etwa treibt das IIoT große Innovationssprünge voran. Airbus nutzt beispielsweise das IIoT, um ein cyber-physisches System ins Leben zu rufen, in dem Mitarbeiter Aufgaben aufnehmen und die Informationen an Roboter zur Fertigstellung weitergeben können. In der Praxis bedeutet das zum Beispiel, Flugzeuge mit Tablets oder Smart Glasses zu scannen und darüber verschiedene Spezifikationen zu bestimmen, etwa, welche Schraube ein Roboter für die Montage verwenden soll2. Weitere Anwendungsbeispiele für das IIoT finden sich in Smart Factories, der sogenannten Präzisionslandwirtschaft (Precision Farming) oder der proaktiven Geräteüberwachung.

Interessanterweise führen IIoT-Innovationen auch zu völlig neuen Einsatzgebieten. Hierzu zählt die Tele-Robotik, bei der sich halbautonome Maschinen von Menschen über eine virtuelle Schnittstelle fernsteuern lassen. IIoT-fähige Unternehmen können diese Tele-Roboter etwa für Aufgaben einsetzen, die in gefährlichen Umgebungen ausgeführt werden müssen: für die Inspektion von Unterwasser-Pipelines, die Wartung von Hochspannungsleitungen oder die Stilllegung von Chemiefabriken.    

Early Adopter profitieren


Industrie 4.0 setzt also ganz konkret im Bereich der Fertigung auf IIoT-Technologien. Dank Automatisierung und des Austauschs von Daten können Fertigungsunternehmen ihre Entscheidungen dezentral fällen, Informationstransparenz gewährleisten, die technische Unterstützung zwischen Maschinen und Menschen fördern und ein interoperables Umfeld schaffen3. Letztlich erhoffen sie sich davon Wettbewerbsvorteile: Laut einer Forbes-Studie aus 2016 rechnen 86 Prozent der befragten Unternehmen, mit Industrie 4.0 höhere Umsätze und Gewinne bei weniger Kosten zu erwirtschaften4.

In naher Zukunft wird Industrie 4.0 zudem das Realität werden lassen, was McKinsey als „Supply Chain 4.0“ bezeichnet. In einem kürzlich veröffentlichten Bericht wird erörtert, wie in der Konsumgüterindustrie die Lieferkette 4.0 automatisierte Fabriken ermöglicht, in denen Maschinen Informationen über Produktionskapazitäten liefern, Kunden über mobile Portale Lieferorte ändern können sowie vorausschauender Versand und Drohnenlieferungen möglich werden5.

So entwickeln sich das IIoT und Industrie 4.0 für Fertigungsunternehmen zu wichtigen Meilensteinen für die digitale Transformation. Early Adopter ernten bereits heute die Früchte ihrer frühen Bestrebungen: Sie sind produktiver, haben weniger Kosten, dafür zufriedenere Kunden und Mitarbeiter, die sich im digitalen Umfeld zuhause fühlen. Die Möglichkeiten sind endlos – sicher ist, dass sich die Branche ändert. Sie wird zukünftig smarter sein.


Quellen

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