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Dieser Beitrag ist im Rahmen des Themenspecials "Industrie 4.0" erschienen.

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CXO-Befragung Industrie 4.0: Nachhaltigkeit rückt stärker in den Fokus

| Redakteur: Jürgen Schreier

Deloitte hat weltweit über 2000 C-Level-Führungskräfte zu Industrie 4.0 befragt, darunter auch 125 CXOs aus deutschen Unternehmen. Die Analyse zeigt, dass für die Unternehmen neben Wertschöpfung und Wachstum auch Themen wie Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung an Bedeutung gewinnen.

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Unternehmen, die eine effektive Industrie-4.0-Strategie verfolgen, sind wirtschaftlich erfolgreicher als Unternehmen, die Industrie-4.0-Technologien nur ad hoc oder punktuell einsetzen. Das zeigt eine aktuelle Studie von Deloitte.
Unternehmen, die eine effektive Industrie-4.0-Strategie verfolgen, sind wirtschaftlich erfolgreicher als Unternehmen, die Industrie-4.0-Technologien nur ad hoc oder punktuell einsetzen. Das zeigt eine aktuelle Studie von Deloitte.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay)

Industrie 4.0 ist mehr als die intelligente Vernetzung und Digitalisierung der Produktion durch Technologien wie Analytics, Machine Learning oder das Internet der Dinge. Die "Vierte Industrielle Revolution" steht sie zugleich für einen Transformationsprozess, der Unternehmen, die Arbeitswelt und die Gesellschaft verändert. Doch wie bewerten Führungskräfte diesen Wandel und wie reagieren sie darauf?

Das Beratungsunternehmen Deloitte hat dazu für die Industrie-4.0-Studie 2020 "The Fourth Industrial Revolution. At the intersection of readiness and responsibility" CXOs aus 19 Ländern befragt. Dabei handelt es sich bereits um die dritte Auflage dieser jährlich veröffentlichten Studienreihe zum Thema. Im Mittelpunkt der Befragung standen vier Schwerpunkte, die zentrale Aspekte der Industrie-4.0-Ära abbilden:

  • Strategie,
  • Soziales,
  • Mitarbeiter und
  • Technologie.

Strategie: Anspruch und Wirklichkeit klaffen auseinander

In der von ständiger Veränderung und Disruption(en) geprägten Ära von Industrie 4.0 ist es für Unternehmen entscheidend, effektive, ganzheitliche Strategien zu entwickeln und implementieren, um die Vorteile der Industrie-4.0-Technologien unternehmensweit zu nutzen und langfristig Wachstumschancen zu schaffen.

Laut Deloitte-Studie sind von den befragten Unternehmen jene mit einer effektiven Industrie-4.0-Strategie wirtschaftlich erfolgreicher. 18 Prozent dieser Unternehmen wuchsen 2019 um 20 Prozent oder mehr; lediglich drei Prozent Unternehmen, keine entsprechende Strategie hatten, erzielten ein ähnlich starkes Wachstum.

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Die Studie zeigt aber auch, dass hinsichtlich der Strategie noch erheblicher Nachholbedarf in den Führungsetagen besteht: In der aktuellen Umfrage geben nur zehn Prozent der weltweit Befragten an, dass ihre Unternehmen eine umfassende Industrie-4.0-Strategie verfolgen; in Deutschland sind es neun Prozent. Derzeit haben zwei Drittel der globalen Unternehmen entweder gar keine definierte Industrie-4.0-Strategie (21 Prozent) oder verfolgen lediglich Ad-hoc-Ansätze zur punktuellen Umsetzung (47 Prozent).

Bemerkenswerterweise liegen die deutschen Unternehmen im Hinblick auf eine Industrie-4.0-Strategie sogar deutlich zurück: So verfügen 41 Prozent über keine Industrie-4.0-Strategie. Das sind fast doppelt so viele wie im internationalen Vergleich.

Auf die in der Studie gestellte Frage, was sie sich von Industrie 4.0 erwarten, unterscheiden sich die Antworten der deutschen Führungskräfte in zahlreichen Punkten erheblich von denen ihrer internationalen Kollegen. So streben 80 Prozent der deutschen CXOs vorrangig eine Steigerung des Umsatzes an (Global 59 Prozent), 43 Prozent erwarten von Industrie 4.0 ein verbessertes Risk Management (Global 27 Prozent) und 42 Prozent Kostensenkungen (Global 29 Prozent). Ebenfalls auffällig ist, dass nur sechs Prozent der deutschen C-Level-Führungskräfte anstreben, im Rahmen von Industrie 4.0 auch einen Mehrwert für die Gesellschaft zu schaffen. International gesehen verfolgen dieses Ziel immerhin 23 Prozent der Befragten.

Beim Thema soziale Verantwortung wird umgedacht

Trotzdem: Weltweit erkennen CXOs zunehmend an, dass ihre Unternehmen nicht nur gegenüber den Shareholdern, sondern ihrer Verantwortung auch gegenüber Mitarbeitern, Kunden und der Gesellschaft gerecht werden müssen, wollen sie weiterhin erfolgreich wirtschaften.

Die Studie zeigt, dass Führungskräfte nach dem Thema Fachkräftemangel (61 Prozent der Nennungen) aktuell die Themen Klimawandel und ökologische Nachhaltigkeit (54 Prozent) als die drängendsten gesellschaftlichen Herausforderungen ansehen. Aus Sicht der deutschen CXOs hat das Thema Digitalisierung der Lieferketten mit 56 Prozent noch eine deutliche höhere Priorität als das Thema Klimawandel und ökologische Nachhaltigkeit mit 41 Prozent.

Angesichts der jüngsten Debatten zum Thema Nachhaltigkeit - konkret Klimaschutz und Energiewende - wird noch in 2020 in Deutschland eine deutliche Verschiebung der Prioritäten und eine wesentlich tiefere Auseinandersetzung mit diesem Thema erwartet, was nach Einschätzung von Thomas Döbler, German Energy, Resources & Industrials Leader "für viele Unternehmen in der geforderten Intensität Neuland sein wird".

Während die deutsche CXOs beim Thema soziale Verantwortung noch etwas schwächeln, so diese anderen Bereichen eine Vorreiterrolle ein: 96 Prozent der befragten deutschen C-Level-Manager gaben an, dass die Unternehmensführung ihre Verantwortung für den Schutz von Kundendaten wahrnimmt (Global 62 Prozent). Und 95 Prozent haben eine Unternehmenskultur etabliert, bei der diverse Stimmen in der Entscheidungsfindung zur Geltung kommen. Global ist das nur bei bei 58 Prozent der Unternehmen der Fall.

Auch die Gewichtung der entscheidenden Treiber, warum Unternehmen gesellschaftliche Verantwortung übernehmen, ist hierzulande anders als im internationalen Vergleich:

  • Umsatzgenerierung: Deutschland 50 Prozent vs. Global 42 Prozent
  • Anforderungen externer Stakeholder: Deutschland 53 Prozent vs. Global 39 Prozent
  • Druck durch die Mitarbeiter: Deutschland 32 Prozent vs. Global 22 Prozent

Skills für Industrie 4.0: Deutsche Unternehmen sehen sich gut gerüstet

Industrie 4.0 verändert die Arbeitswelt grundlegend und stellt Unternehmen vor die Herausforderung, ihre Mitarbeiter für die neuen Anforderungen fit zu machen. Die aktuelle Deloitte-Studie 2020 belegt, dass die weltweit befragten CXOs verstärkt die Bedeutung und den Wert einer Unternehmenskultur des lebenslangen Lernens erkennen. Die gezielte Förderung und Weiterbildung ihrer Mitarbeiter nennen demnach 74 Prozent als höchste Priorität für Investitionen in diesem Bereich. 59 Prozent wollen investieren, um ein besseres Verständnis davon zu gewinnen, welche Skills in ihren Unternehmen für Industrie 4.0 zukünftig benötigt werden.

Beiden Aspekten messen die deutschen Studienteilnehmer sogar eine noch höhere Wichtigkeit bei als ihre internationalen Kollegen: 82 Prozent der deutschen CXOs nannten Mitarbeiter-Weiterbildung als ihre Top-Priorität und sogar 92 Prozent das Verständnis der benötigten Industrie-4.0-Skills. Im internationalen Vergleich sind sie zudem prozentual jedoch häufiger davon überzeugt, dass die Mitarbeiter im Unternehmen bereits jetzt über die entsprechenden Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen, die in der Zukunft für Industrie 4.0 unabdingbar sind (Deutschland 34 Prozent vs. Global 20 Prozent).

Die Umstellung auf Industrie 4.0 ermöglicht den Einsatz neuer Technologien, um Prozesse zu verbessern, die Produktivität zu steigern und Innovationen voranzutreiben. Doch wie die Resultate der Studie zeigen, begreifen viele Unternehmen Technologie noch immer nicht als Werkzeug des Fortschritts, sondern lediglich als Mittel, um ihr bestehendes Geschäft gegen Disruption – sprich Verlust von Wettbewerbsvorteilen – abzusichern.

Vor allem für deutsche C-Level-Executives hat dies höchste Priorität (86 Prozent). Nur 23 Prozent von ihnen haben das erklärte Ziel, mit ihren Unternehmen selbst zu Disruptoren in ihrer Branche zu werden.

IoT - die wichtigste Industrie-4.0-Technologie

Bei der Nennung der für ihre Organisation bedeutendsten Industrie-4.0-Technologien liegen aus Sicht der Befragten sowohl hierzulande als auch global das Internet der Dinge, Künstliche Intelligenz, Cloud und Big Data Analytics vorne, und zwar in dieser Reihenfolge. Auffällig ist aber, dass deutsche Führungskräfte mit ihrem oben beschriebenen Fokus auf Wertschöpfung und Kostensenkung deren Bedeutung noch weit höher einschätzen als die weltweit befragten CXOs:

  • IoT: Deutschland 98 Prozent vs. Global 72 Prozent
  • Künstliche Intelligenz: Deutschland 79 Prozent vs. Global 68 Prozent
  • Cloud: Deutschland 86 Prozent vs. Global 64 Prozent
  • Big Data Analytics: Deutschland 77 Prozent vs. Global 54 Prozent

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