Expertenbeitrag

 Henning Banthien

Henning Banthien

Generalsekretär, Plattform Industrie 4.0

Use Case Industrie 4.0: Kompetenzen im Netzwerk bündeln

Autor / Redakteur: Henning Banthien / Sebastian Human

Mit der Digitalisierung seiner Produktion ist es einem deutschen EMS-Dienstleister nicht nur gelungen, die Vorteile einer vernetzten Produktionsumgebung zu nutzen. Gleichzeitig begann damit eine Serie von regionalen Kooperationen, die schlussendlich zur Gründung eines Vereins führten.

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Gerade KMU können auf dem Weg der digitalen Transformation von Kooperationen profitieren.
Gerade KMU können auf dem Weg der digitalen Transformation von Kooperationen profitieren.
(Bild: Tilman Vogler/ VDI)

Limtronik GmbH, ein Dienstleister für Electronic Manufacturing Services, ist erfolgreich den Weg in die Industrie 4.0 gegangen. Dazu bündelte das Unternehmen Kompetenzen in regionalen Kooperationen und fand die geeigneten Partner für eine nachhaltige digitale Entwicklung. Die ersten Schritte zum Konzept Industrie 4.0 gingen die Limburger bereits, bevor der Begriff verwendet wurde. Eine besondere Kraft zieht das Unternehmen aus seinem Netzwerk, dass so groß geworden ist, dass sich eine Vereinsstruktur entwickelt hat. Der Smart Electronic Factory e.V. (SEF) bietet eine Win-win-Situation für Wissenschaft und Wirtschaft.

Ausgangsituation

Zuständig für die Digitalisierung des Unternehmens und damit die Industrie-4.0-Anwendungen ist Gerd Ohl, einer der drei Geschäftsführer. Er kann sich gut an die Anfänge der Industrie 4.0 im Unternehmen erinnern und an die Initialzündung für den Verein. Gemeinsam mit der Firma iTAC Software AG, die die Anwendungen für Limtronik umsetzt, wurde im Jahr 2014 der Smart Electronic e.V. (SEF) ins Leben gerufen.

Die Geschäftsführerin des Vereins ist Maria Christian Bienek, die sich dem Ziel verschrieben hat, den Mittelstand fit für die Industrie 4.0 zu machen.

Nicht jede Anforderung, die die Industrie 4.0 an ein mittelständisches Unternehmen stellt, wird dieses allein stemmen können. So ging es auch Limtronik. Deshalb brauchte Das Unternehmen externe Partner mit anderen Qualitäten, weiß Maria Christina Bienek. Software- und Hardwarehersteller, Agenturen und Forschungseinrichtungen agieren deshalb im SEF gemeinsam. So wird Wissen gebündelt und neue Ideen können generiert werden. Gemeinsam mit diesen Partnern gelang es dem KMU aus Limburg in den vergangenen Jahren, viele Abläufe und Prozesse im Unternehmen zu digitalisieren.

Tracking und Tracing

Die Grundzutat für ein Industrie-4.0-Konzept sind auch hier die Daten. Seit Jahrzehnten sammelt der Elektronikspezialist Informationen von Produktionsmaschinen und Produkten. Nun hat jedes Produkt eine einzigartige Seriennummer, mit der das Unternehmen nachverfolgen kann, was mit dem Produkt im Laufe der Herstellung passiert. Das Wissen über die eigenen Produkte nutzt dabei nicht nur dem Hersteller, sondern auch seinen Kunden.

MES- und ERP-System

Für das Unternehmen ist es wichtig zu verstehen, an welcher Stelle im Prozess die erhobenen Daten relevant sind. Wo kann man Abläufe erleichtern oder Redundanzen vermeiden? Über die entsprechende Software lässt sich das abbilden.

Softwareentwicklung spielt im Verein eine besondere Rolle. So sind viele Mitglieder Softwareanbieter. Die Programme sorgen für die Übertragung der Daten von den Maschinen und Produkt-IDs in das speichernde ERP-System. Eine wichtige Schnittstellen-Funktion nimmt dabei das Manufacturing Execution System ein: Es ist die Ebene zwischen dem ERP-System und verschiedensten Maschinenprogrammen. Dank des MES werden die Maschinendaten für das ERP-System lesbar.

Die Vision: Eine gläserne Produktionskette und Predictive Services

Der nächste Schritt für die Limtronik GmbH und den gesamten SEF e.V. ist es, die Daten, die in der Smart Electronic Factory erhoben werden, auch für ihre Kunden transparent zu machen. Wenn die Daten über die Materiallieferanten und die Informationen aus der Fabrik gebündelt werden, dann erreicht man eine gläserne Produktionskette und die hundertprozentige Nachverfolgbarkeit.

Die kontinuierliche Erfassung und intelligente Analyse von Prozess- und Betriebsdaten erlaubt die Vorhersage des optimalen Wartungszeitpunkts von Maschinen- und Anlagenkomponenten. Das verbirgt sich hinter dem Begriff Predictive Services. Für die Kunden von Limtronik ist das ein wichtiges Zukunftsthema.

Lessons learned

Auf ihrem Weg in die Industrie 4.0 haben Limtronik und der SEF zwei große Lehren gezogen:

  • Die Digitalisierung geht leichter von der Hand, wenn man Teil einer Gemeinschaft ist – und man von den Besten abschaut: Andere haben möglicherweise schon längst durchgemacht, was vor Ihnen liegt. Tauschen Sie sich aus und lernen sie voneinander.
  • Der Reality-Check für Industrie 4.0-Anwendungen sollte so früh wie möglich durchgeführt werden: Der erste Schritt ist es, die eigenen Daten zu sammeln und vertikal zu vernetzen. So lässt sich rausfinden, wo es sich lohnt, eigene Daten um Lieferantendaten anzureichern.

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