Qualifizierung

Industrie 4.0 formt neue Berufsbilder

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Neue Kompetenzen für die Instandhaltung

Beispiel Instandhaltung: Ein Instandhalter muss zukünftig in der Lage sein, Echtzeitdaten auszuwerten, um Energietransparenz- oder Prozessoptimierungskonzepte zu gestalten. Er muss die Systematik der selbstregulierenden Kapazitätsauslastung verstehen, die Mensch-Roboter-Kollaboration steuern, überwachen und verbessern und die sichere Vernetzung von Anlagenbereichen bei einer großen Anzahl von IP-Adressen übersehen und Anforderungen der IT-Sicherheit umsetzen.

Allgemeine und rollenspezifische Kompetenzen, die teilweise auf dem Shop Floor schon immer gefragt waren, werden durch Industrie 4.0 verstärkt gebraucht und müssen in Trainingsprogramme aufgenommen werden.

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Technologiefeld: Aquatronics

Im Rahmen der Implementierung der Digitalisierung von Anlagen werden auch neue Berufsbilder diskutiert. In der (industriellen) Wasseraufbereitung können wesentliche Potenziale durch eine verstärkt interdisziplinäre Ausbildung gehoben werden.

Die Ausbildung reicht in einem integrierten Ansatz von Kenntnissen in Biologie, Chemie, Physik über den Maschinenbau, Elektro- und Automatisierungstechnik bis zu Umwelt- und Sicherheitsmanagement. German Water Partnership bezeichnet dieses erforderliche berufliche Feld als „Aquatronics“ und sieht hier große Entwicklungsmöglichkeiten, integrierte Technologien aus Deutschland heraus im industriellen und kommunalen Umfeld zu exportieren und so den Standort Deutschland aufzuwerten.

Anlage virtuell fahren

Festo Didactic SE, das Schwesterunternehmen der Festo AG und Weltmarktführer in der technischen Bildung, ist hier Vorreiter und hat bereits ein Basis Curriculum für diese interdisziplinäre Ausbildung in Zusammenarbeit mit Experten der Wasserwirtschaft im Bereich „Aquatronics“ erstellt.

Weitere Ansätze wurden gemeinsam mit der Firma EON Reality entwickelt, um z.B. verschiedene Aufgabenstellungen auf einer Kläranlage virtuell darstellen zu können.

Mithilfe des Einsatzes von Virtual-Reality-Funktionen können Lernende verschiedene Aufgabenstellungen in einer Anlage erproben, z.B. die Entnahme von Proben oder die Beseitigung von Störungen. Wichtig dabei ist, dass der Lernende Fehler machen kann, ohne dass ernste Konsequenzen für die Prozesse und Abläufe auf der Kläranlage zu befürchten sind.

In der neuen Technologiefabrik Scharnhausen von Festo werden die Fachkräfte in einer „Lern­fabrik“ auf den Umgang mit vollautomatisierten und vernetzten Montagelinien vorbereitet. Die Lernfabrik ist direkt in die Produktion integriert und besteht aus Laboren, die mit Medien und Lernsystemen ausgestattet sind. Ein zentrales Element ist die cyber-­physische Lern- und Forschungsplattform „CP Factory“.

Die CP Factory ermöglicht die praxisnahe Vermittlung von Technologiewissen. Die Plattform bildet die Stationen der realen Produktionsanlage modellhaft ab und ermöglicht das Lernen von Anlagenprogrammierung, Vernetzung und vielen weiteren Inhalten wie Energie-Effizienz und Daten-Management. Darüber hinaus wird die CP Factory zur Entwicklung und zum Testen von flexiblen Software- Lösungen eingesetzt, die dann in der Produktion angewendet werden.

Fach- und Führungskräfte werden in so genannten „One-Point Lessons“ kurz-­zyklisch und prozessnah von internen oder externen Experten für aktuelle Anforderungen qualifiziert – in den Bereichen Mechatronik, Logistik und Prozessoptimierung sowie in organisations- und menschenbezogenen Trainings wie interdisziplinäres Handeln, Lern- und Wandlungsfähigkeit.

Dieser Beitrag ist auf unserem Partnerportal Process erschienen.

* * H. Haarmann und D. Gauch sind Mitarbeiter von Festo Didactic SE, Denkendorf, Dr. E. Roos, Festo AG & Co KG, Esslingen. Kontakt: Tel. +49-711-347-76004

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