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Industrie 4.0 Barometer 2019 Industrie 4.0 entwächst der Experimentierphase

| Autor / Redakteur: Tom Huber* / Sebastian Human

Das Bewusstsein für Industrie 4.0 hat branchenübergreifend zugenommen. Das ist ein Ergebnis des Industrie 4.0 Barometers 2019, das die Management- und IT-Beratung MHP und die LMU München erstellt haben.

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Laut des Industrie 4.0 Barometers 2019 entwächst Industrie 4.0 so langsam den Kinderschuhen.
Laut des Industrie 4.0 Barometers 2019 entwächst Industrie 4.0 so langsam den Kinderschuhen.
(Bild: gemeinfrei / Unsplash)

Über Industrie 4.0 wird seit einigen Jahren intensiv gesprochen, die vielen Vorteile – vor allem mehr Effizienz, Produktivität und Flexibilität – sind bekannt. Dennoch waren Unternehmen lange zurückhaltend. Das scheint sich nun etwas geändert zu haben, wie das Industrie 4.0 Barometer 2019 zeigt, das MHP gemeinsam mit der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München erstellt hat. So verlagert sich der Einsatz von Industrie-4.0-Technologien zunehmend von der Experimentierphase in Richtung Praxiseinsatz. Für das Barometer, das nun bereits zum zweiten Mal erscheint, wurden rund 200 Teilnehmer aus unterschiedlichen Industrien – vor allem Führungskräfte und leitende Mitarbeiter aus IT- und Fachabteilungen – um ihre Einschätzung in vier Clustern gebeten:

  • Technologie
  • IT-Integration
  • Strategie und Ziele
  • Treiber und Hemmnisse

Dabei wurden die Teilnehmer in allen vier Clustern zu unterschiedlichen Aspekten befragt. Im Technologie-Cluster beispielsweise ging es unter anderem um die Supply-Chain-Transparenz, Digital Twins sowie Automatisierung und autonome Systeme. Die Aussagen der Teilnehmer wurden mit den Ergebnissen des ersten Barometers verglichen, um daraus Trends zu identifizieren und Empfehlungen abzuleiten.

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Fortschritt beim Technologieeinsatz, Stillstand bei der IT-Integration

Mit Blick auf die Technologie lässt sich in fast allen Teilbereichen ein Fortschritt beobachten, wenngleich nach wie vor Potenzial besteht. Ein erfolgsversprechendes Vorgehen ist in diesem Zusammenhang beispielsweise, innovative Industrie-4.0-Lösungen in Kooperation mit spezialisierten Technologiepartnern zu entwickeln, um deren Kernkompetenzen zu nutzen. Ergänzend dazu sollten Datenanalysen entlang der Wertschöpfungskette intensiviert werden, um Benefits von Industrie-4.0-Lösungen zu validieren und ihren Rollout zu begründen. Deutlich anders ist die Situation bei der IT-Integration. Verglichen mit dem ersten Barometer 2018 sind die Unternehmen hier kaum vorangekommen. Nach wie vor fehlen grundlegende IT-Voraussetzungen für eine ganzheitliche vertikale und horizontale Integration. Die größte Herausforderung sind dabei unflexible Legacy-Systeme mit einer geringen Performance. Deshalb ist es wichtig, die Modularität von IT-Systemen zu erhöhen und Systemgrenzen sowie Datensilos aufzulösen. So lassen sich neue Applikationen in der eigenen Landschaft oder Services spezialisierter Anbieter schneller integrieren, was letztlich die Leistungsfähigkeit der IT-Infrastruktur steigert.

Kosten und Effizienz im Fokus

Motivation und Restriktion für die Industrie-4.0-Aktivitäten sind vor allem die wirtschaftlichen Erwägungen. So zielt der Einsatz der Technologien insbesondere darauf ab, Kosten zu reduzieren und die Effizienz der Prozesse zu erhöhen. Die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle und Services spielt im Vergleich zum Vorjahr nur eine untergeordnete Rolle. Gleichzeitig scheuen Unternehmen hohe Investitionen – nicht zuletzt, weil sich der Return on Investment kaum kalkulieren lässt. Diese defensive Haltung führt schließlich dazu, dass die eigentlich erforderlichen IT-Voraussetzungen nicht oder nur langsam realisiert werden. Zusätzlich mangelt es an personellen Ressourcen – extern gibt es nicht genügend qualifiziertes Fachpersonal, intern sind Mitarbeiter im Tagesgeschäft stark eingebunden. Um diese Herausforderungen zu bewältigen, sollte das Management die richtigen organisatorischen Rahmenbedingungen schaffen. Wichtig ist auch, Pilotprojekte rasch umzusetzen, um die wirtschaftlichen Effekte von Industrie-4.0-Szenarien greifbar zu machen und den ROI besser berechnen zu können.

Im Industrie 4.0 Barometer sind sämtliche Ergebnisse im Detail aufgeführt. Außerdem finden sich dort dezidierte Handlungsempfehlungen, um den Industrie-4.0-Reifegrad zu steigern. Ergänzt werden die quantitativen Analysen durch Case Studies und Interviews mit Industrie- 4.0-Experten aus Wirtschaft und Forschung.

Ausblick: Industrie 4.0 Barometer 2020

Gerade die 5G-Anbindung und die dafür erforderliche Ausstattung der Maschinen und Anlagen sind für die Integration innovativer Industrie-4.0-Lösungen erfolgskritisch. Wie weit Unternehmen aus dem DACH-Raum diesbezüglich sind, ist ein Schwerpunkt des Industrie 4.0 Barometers 2020. Die Teilnehmer werden unter anderem zum disruptiven Potenzial und zu den unterschiedlichen Anwendungsszenarien von 5G befragt. Außerdem geht es um den Einsatz von Cloud Services in der Produktion und der Logistik.

Industrie 4.0 Barometer: Umfrage 2020

Die Erhebung des Industrie 4.0 Barometers 2020 läuft aktuell. Mit einem Klick auf den Button Industrie 4.0 Barometer | Umfrage 2020 können Sie bei Interesse teilnehmen.
Für Rückfragen steht Ihnen Tom Huber per E-Mail zur Verfügung: tom.huber@mhp.com

Industrie 4.0 Barometer | Umfrage 2020

* Tom Huber arbeitet als Head of Operations Performance & Strategy bei MHP.

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