PTC LiveWorx Europe Industrie 4.0 – digitale und reale Welt durchdringen sich

Redakteur: Franz Graser

Auf seiner Europa-Konferenz LiveWorx Europe hat der US-Softwarehersteller PTC seine Strategie im Hinblick auf das Internet der Dinge erläutert. Unter anderem wurde eine Kooperation mit Bosch Software Innovations bekanntgegeben.

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PTC zeigt Flagge: Bei der zweitägigen Europa-Konferenz LiveWorx Europe erläuterte das Unternehmen seine Strategie im Hinblick auf das Internet der Dinge, Industrie 4.0 und klassische Themen wie Product Lifecycle Management.
PTC zeigt Flagge: Bei der zweitägigen Europa-Konferenz LiveWorx Europe erläuterte das Unternehmen seine Strategie im Hinblick auf das Internet der Dinge, Industrie 4.0 und klassische Themen wie Product Lifecycle Management.
(Bild: Franz Graser)

Für Jim Heppelmann, den CEO von PTC, steht fest, dass sich die digitale und die physikalische Welt immer mehr durchdringen. Bisher war der Weg von der digitalen in die physikalische Welt allerdings größtenteils eine Einbahnstraße. Physikalische Produkte entstehen am digitalen 3-D-Reißbrett der Konstrukteure und Ingenieure, bevor sie durch die Fertigung Teil der physischen Wirklichkeit werden.

Der Rückweg in die digitale Welt blieb bestenfalls eine Ausnahme: „Der Kunde ruft an, wenn es ein Problem gibt“, was mitunter zu einer Änderung der Konstruktion am digitalen Reißbrett führte. „Aber die Dinge ändern sich“, sagt Heppelmann: „Es ist möglich, dass vernetzte Produkte digitale Informationen untereinander austauschen. Der Gedanke, was ein Produkt überhaupt ist, ändert sich fundamental.“

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Als Beleg dafür führte Heppelmann das Beispiel eines klassischen Traktors an. Dies erklärt sich auch aus der Tradition des Unternehmens heraus, denn der Landmaschinenhersteller John Deere war laut Heppelmann der erste Kunde von PTC. „Heute ist ein Traktor der Client eines vernetzten Produktes, der mit einem Server verknüpft ist.“

Durch eine Reihe von Akquisitionen in den vergangenen 24 Monaten erwarb der US-Konzern eine ganze Reihe von Technikplattformen, die Unternehmen dabei helfen sollen, Aspekte der Vernetzung und der Digitalisierung in ihren Produkten zu verwirklichen: Axeda für die Maschine-zu-Maschine-Kommunikation, ThingWorx für die Entwicklung von IoT-Apps, Coldlight für die Datenanalyse und als jüngster Zugang Vuforia, ein früherer Geschäftsbereich von Qualcomm, der sich mit Augmented-Reality-Lösungen befasst.

Heppelmann betrachtet Vuforia als eine ideale Ergänzung des IoT-Portfolios, da die Plattform vor allem Service-Mitarbeitern bei der Wartung von Geräten und Anlagen unterstützt: „Augmented Reality ist wie ein Coach, wie ein Trainer“, sagt Heppelmann – und ein Beispiel, wie sich digitale und reale Welt durchdringen.

Er zeigte dies in seiner Keynote am Beispiel eines Generators: Mit Hilfe einer Datenbrille oder eines Tablets sehen Service-Mitarbeiter die wichtigsten Komponenten der Anlage bereits bevor sie das Gehäuse öffnen. Ihnen können dann zum Beispiel auch Informationen zugespielt werden, die aus der Analyse der Betriebsdaten gewonnen werden.

So könne zum Beispiel ein abnormales Vibrationsmuster, das festgestellt worden sei, mit einem Problem an einem bestimmten Lager in Verbindung gebracht werden. Der Service-Mitarbeiter habe also bereits eine ganze Reihe an Anhaltspunkten zur Verfügung, bevor er überhaupt mit seiner Arbeit beginne. „Das ist verblüffend mächtig“, sagte Heppelmann. „Und es ist verblüffend einfach.“

Internet of Things fließt in PLM-Lösung Windchill ein

Vor diesem Hintergrund ist es ein logischer Schritt, dass PTC in die aktuelle Version 11 seines Product-Lifecycle-Management-Systems (PLM) Windchill auch IoT-Technik aus der ThingWorx-Plattform integriert.Windchill 11 erfasst damit die anfallenden Daten vernetzter Geräte während ihres Betriebs. Von diesen Informationen sollen Planungs-, Konstruktions- und Qualitätssicherungsteams profitieren.

Funktionen, die am intensivsten von Kunden genutzt werden, lassen sich gezielt optimieren; systematische Verbesserungen an speziellen Bauteilen sollen zu höherer Qualität oder niedrigeren Kosten führen, während gleichzeitig die Konstruktionsanforderungen erfüllt werden.

Darüber hinaus gab PTC eine Kooperation mit Bosch Software Innovations bekannt. Die ThingWorx-Plattform von PTC soll mit der IoT-Suite von Bosch integriert werden. Dafür hat Bosch einen M2M-Konnektor (M2M: Maschine-zu-Maschine-Kommunikation) für ThingWorx entwickelt, der das technische Zusammenspiel beider Plattformen ermöglicht. Der Konnektor ist bereits im ThingWorx-Marketplace, einer Art AppStore für die IoT-Plattform, erhältlich.

Fernziele der Kooperation sind die Verbindung und Steuerung heterogenet Anlagen, die schnelle und kostengünstige Entwicklung von IoT-Applikationen sowie die Anpassung der Lösungen an die Bedürfnisse unterschiedlicher Unternehmen und Branchen.

Kooperation mit Bosch: Standards zusammen erarbeiten

Darüber hinaus arbeiten Bosch und PTC bereits im „Track&Trace“-Testbett des Industrial Internet Consortium (IIC) zusammen. Dabei geht es um die Zustandsüberwachung vernetzter Geräte und Werkzeuge wie Funk-Akkuschrauber und Nietpistolen im laufenden Betrieb. Mit Hilfe der erfassten Daten können Produktionsprozesse und die Werkzeugwartung optimiert werden. Bei Unregelmäßigkeiten kann sofort reagiert werden, etwa durch Austausch des betroffenen Gerätes.

Für Dr. Rainer Kallenbach, den Chef von Bosch Software Innovations, stellt diese Zusammenarbeit auch einen Weg dar, um zu den dringend benötigten Standards im Internet der Dinge zu kommen: Das Fließband, das am Anfang der Massenproduktion gestanden habe, sei nur durch standardisierte Schrauben möglich geworden: „In der Zukunft werden Standards nicht mehr am grünen Tisch gemacht, sondern von Open-Source-Communities“, sagte Kallenbach bei der anschließenden Fragerunde mit Journalisten.

Zu Beginn der Veranstaltung hatte PTC-Chef Jim Heppelmann an die Opfer der Anschläge von Paris erinnert. „Unsere Gedanken und Gebete sind bei unseren französischen Freunden“, sagte Heppelmann unter dem Beifall der rund 2.500 Kongressteilnehmer.

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