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Sicherheit

Industrie 4.0 – die ungeklärte Revolution

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Wem gehören die Daten?

Die cyber-physischen Systeme von Industrie 4.0 nehmen nicht nur die Smart Factory in den Fokus. Sie sollen auch für eine enge Vernetzung und eine umfassende vertikale Integration der gesamten Supply Chain sorgen. Hersteller entlang der gesamten Wertschöpfungskette werden noch viel stärker miteinander kooperieren müssen, als sie dies bisher tun. Auch Kooperationen mit Wirtschaftsverbänden, politischen Entscheidern und sogar Wettbewerbern werden eine Rolle spielen. In der Industrie 4.0-Welt lautet die Frage eben nicht mehr, wie stark die Spinne ist, sondern: Wie stark und groß ist ihr Netz?

Tipp der Redaktion Industrie 4.0, Big Data, Internet of Things – gewaltige Veränderungen kommen auf die Prozessindustrie zu. Doch was verbirgt sich dahinter? Was bedeuten die neuen Konzepte für den täglichen Betrieb? Welche Aufgaben stehen an? Wer bietet Lösungsansätze und wer sind die Treiber der digitalen Revolution? „Prozessindustrie 4.0“ schafft den Überblick und hält Sie auf dem aktuellen Stand.

Bei einer horizontalen Integration der Supply Chain stellt sich aber noch eine Frage: Wem gehören die Daten eigentlich, wer darf davon profitieren? Eine Industrie 4.0-Welt ist eine Welt von Big Data. Und die Macht beispielsweise von Google beruht darauf, auf einen wertvollen Datenschatz zugreifen und ihn heben zu können. Fragen des Datenschutzes und der Datensicherheit erhalten vor diesem Hintergrund eine neue Relevanz. Es wird die Aufgabe des Gesetzgebers sein, für Klarheit über die Rechtssituation zu sorgen: Wer darf auf Basis welcher Daten welchen Prozess entlang der Supply Chain mit welchen Zugriffsrechten auslösen und steuern? Und wer hat dabei welche Verantwortung zu tragen?

Keine Vernetzung ohne Cyber Security

In der Welt von Industrie 4.0 und des Internet of Things ist es nicht mehr die Ausnahme, sondern die Regel, dass Produktionsanlagen und Produkte über Schnittstellen zum Internet verfügen. Dass sich heute schon ganze Produktionsanlagen standortunabhängig, sozusagen per I-Pad, steuern lassen, ist sicherlich ein Fortschritt, stellt aber auch ganz neue Anforderungen an die Sicherheit. Wollte ein Saboteur in Zukunft beispielsweise die Auslösekennlinie eines Leistungsschutzschalters verändern und damit Schaden für Menschen, Maschinen und Gebäude verursachen – beispielsweise eine Feuergefahr –, müsste er sich dazu gegebenenfalls nur über das Internet in das System hacken. Cyber-physische Systeme vor unautorisierten Zugriffen und Fehlsteuerungen zu bewahren, ist eine enorme Herausforderung – wegen der umfassenden Vernetzung und wegen der enormen Flexibilität der neuen Systeme.

Es gilt darum, ein völlig neues Zusammenspiel von Betriebssicherheit (Safety), Datenschutz (Privacy) und Informationssicherheit (Cyber Security) zu realisieren und all diese Sicherheitsaspekte in den Komponenten und Systemen zu integrieren. Im Kontext von Industrie 4.0 ist Cyber Security kein bloß abstraktes Thema, es hat vielmehr eine sehr reale, physische Dimension. Die Vulnerabilität umfassend vernetzter Produktionssysteme gegen Angriffe von außen kann letztlich zu physischen Gefahren und Risiken führen – vom Feuer bis zum elektrischen Schlag. Alle Eingriffe in die Cyber-Seite eines cyber-physischen Systems haben potenziell auch Auswirkungen auf seiner physischen Seite.

UL arbeitet deswegen zusammen mit unabhängigen forschenden Partnern daran, die beiden Sicherheitsdimensionen stärker miteinander zu verbinden: die neuen IT-Standards und -Protokolle einerseits mit den traditionellen elektrischen Sicherheitsstandards und den funktionalen Sicherheitsanforderungen andererseits. Dennoch: Viele Fragen, die die Sicherheitsanforderungen an eine umfassend vernetzte und entsprechend verwundbare Industrie 4.0-Welt betreffen, sind noch nicht einmal formuliert, geschweige denn beantwortet.

Der Beitrag erschien zuerst auf dem Portal unserer Schwestermarke elektrotechnik.

* Ingo M. Rübenach, Vice President DACH-Region, UL International Germany GmbH

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