IKT-Report des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung Industrie 4.0: Deutsche Unternehmen müssen aufholen

Autor Christoph Seyerlein

Industrie 4.0 ist der Mehrheit der Unternehmen in Deutschland nach wie vor unbekannt. Auch beim schnellen Internet am Arbeitsplatz hapert es zumeist.

Industrie 4.0 Projekte führen in Deutschland laut dem Zentrum der Europäischen Wirtschaftsforschung hauptsächlich große Unternehmen durch. Doch auch dort sind sie bislang ein seltenes Phänomen.
Industrie 4.0 Projekte führen in Deutschland laut dem Zentrum der Europäischen Wirtschaftsforschung hauptsächlich große Unternehmen durch. Doch auch dort sind sie bislang ein seltenes Phänomen.
(Bild: Daimler)

Nicht einmal jedes fünfte Unternehmen in Deutschland verfügt über Kenntnisse zum Thema Industrie 4.0. Zu diesem Ergebnis kommt das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung in ihrer letzten Unternehmensbefragung zur Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT-Report), an der 4.500 Firmen teilnehmen. Demnach können lediglich 18 Prozent der Befragten mit dem Begriff etwas anfangen.

Immerhin: In Branchen, in denen sich derartige Projekte gut anwenden ließen, ist die Thematik vergleichsweise weit verbreitet. Fast der Hälfte der befragten Unternehmen aus den Bereichen IT und Telekommunikation, Elektroindustrie und Maschinenbau kennt zumindest den Begriff Industrie 4.0. Bei den Autoherstellern ist es noch ein Viertel. Den letzten Platz in diesem Ranking nimmt die Logistik- und Transportbranche mit lediglich sechs Prozent ein.

Geringe Investitionsbereitschaft

Praktisch gegen Null geht die aktive Teilnahme an Industrie 4.0. Ganze vier Prozent der befragten Unternehmen gaben an, die Digitalisierung und Vernetzung von Produktionsprozessen im Rahmen von Industrie 4.0 Projekten bereits durchzuführen oder dies in naher Zukunft zu planen. Vorreiter ist auch hier die IT-Branche, in der immerhin 21 Prozent die Implementierung entsprechender Industrie 4.0 Projekte bereits durchgeführt hat oder in Zukunft plant.

Auffällig ist zudem, dass sich hauptsächlich große Unternehmen mit dem Thema beschäftigen. Ein Fünftel der Firmen mit mehr als 500 Mitarbeitern plant Industrie-4.0-Projekte oder setzt diese bereits um. Bei kleinen und mittleren Arbeitgebern mit fünf bis 249 Angestellten liegt der Anteil dagegen nur zwischen drei und neun Prozent.

Heterogenität beim Cloud-Computing

20 Prozent der befragten gaben an, mindestens eine Cloud-Computing-Anwendung zu nutzen. Am stärksten ist die Verbreitung auch hier in IT- und Telekommunikationsunternehmen (45 %), aber auch in Branchen wie Werbung, Finanz- oder Mediendienstleistungen setzen mehr als 30 Prozent auf Cloud Computing. Schlusslicht bildet hier die Metallindustrie mit gerade einmal sechs Prozent.

Große Vorbehalte gegen Cloud Computing haben Unternehmen wegen der Datensicherheit. Insgesamt 78 Prozent der Befragten erwarteten deswegen Probleme. Weitere Hemmnisfaktoren sind Schwierigkeiten beim Zusammenspiel unterschiedlicher Systeme (56 %), die Frage nach dem zusätzlichen Nutzen sowie der Verlust von IT-Know-how (jeweils 37 %).

Auf Big Data setzen der Umfrage zufolge 18 Porzent der deutschen Unternehmen. Vor allem Finanzdienstleister (44 %) nutzen die systematische Auswertung großer Datenmengen zur Unterstützung der eigenen Geschäfte. Auch in diesem Bereich lässt sich der Trend ablesen, dass große Firmen aktiver sind als kleine.

Auf schnelles Internet setzen dem IKT-Report nach besonders Unternehmen aus dem Medienumfeld. Sie sind als Anbieter von Inhalten auf schnelle Netze angewiesen. Insgesamt halten sich die meisten Firmen aber auch hier bislang zurück. Lediglich jedes vierte nutzt Internetzugänge mit mehr als 50 Mbit pro Sekunde.

Social Media und mobile Endgeräte im Kommen

Social Media erhält dagegen immer häufiger Einzug in den Arbeitsalltag. 44 Prozent der Befragten gaben an, aus Geschäftsgründen in sozialen Netzwerken aktiv zu sein. Damit hat sich die Social-Media-Nutzung seit 2010 fast verdoppelt. Auch hier liegt die IT- und Medienbranche an der Spitze des Rankings, Schlusslicht sind die Transportdienstleistungen mit 25 Prozent.

Auch mobile Endgeräte spielen am Arbeitsplatz eine immer größere Rolle. Die Hälfte aller Beschäftigten arbeitet mittlerweile vorwiegend am Computer, 57 Prozent haben Zugang zum Internet. Der Anteil an Mitarbeitern mit Arbeits-Smartphones, -Tablets oder -Notebooks hat sich mit 23 Prozent im Vergleich zu 2010 nahezu verdoppelt.

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