Weltfrauentag 2018

Industrie 4.0 braucht mehr Expertinnen

| Autor: Lisa Marie Waschbusch

Trotz eines Männerüberschusses in den Bereichen Industrie 4.0 und IoT gibt es auch eine Vielzahl an weiblichen Expertinnen.
Trotz eines Männerüberschusses in den Bereichen Industrie 4.0 und IoT gibt es auch eine Vielzahl an weiblichen Expertinnen. (Bild: Pexels / CC0)

Eine Prognose des WEF zeigt: Frauenjobs in der Industrie 4.0 sind am ehesten bedroht. Und das, obwohl in der Industrie oder IT-Branche ohnehin ein Männerüberschuss besteht. Dabei gibt es genügend Beispiele für Frauen, die sich mit Industrie 4.0 und IoT beschäftigen und Expertinnen auf ihrem Gebiet sind.

„Ist Industrie 4.0 eigentlich männlich?“ fragte Isabel Hochgesand, Geschäftsführerin bei Procter & Gamble und zuständig für die Logistik in Deutschland, Österreich und der Schweiz in ihrer Management-Kolumne im Online-Magazin SAAL ZWEI. Anlass war eine Podiumsdiskussion im Rahmen der Cebit, bei der bis auf wenige Ausnahmen keine Frauen im Publikum saßen.

Industrie 4.0 ist sicherlich ein Thema, das viele Männer bewegt, aber die weiblichen Expertinnen auf diesem Gebiet nehmen zu. Wir nehmen daher den Weltfrauentag zum Anlass, um 22 Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik & Forschung vorzustellen:

Die andere Seite der Medaille

Der digitale Wandel soll auch Auswirkungen auf weibliche und männliche Arbeitnehmer und die Dynamik der Geschlechterkluft in der Industrie haben. Könne der Wandel doch eigentlich eine Verringerung der geschlechterspezifischen Unterschiede mit sich bringen, zeigen aktuelle Studien derzeit noch ein anderes Bild: Laut einer Studie des Weltwirtschaftsforum (WEF), die im Januar 2018 veröffentlicht wurde, sind insbesondere Jobs, die von Frauen besetzt sind von der Digitalisierung in der Arbeitswelt betroffen. Allein in den USA seien bis 2026 1,4 Millionen Arbeitsplätze durch die Digitalisierung bedroht; die Mehrheit davon (57 Prozent) betreffe Frauen, heißt es in der Studie weiter. Eine besorgniserregende Entwicklung, meint das WEF: Frauen sind demnach insbesondere in den Bereichen des Arbeitsmarktes unterrepräsentiert, die in Zukunft am stärksten wachsen werden.

Dass Frauen auch im Management von Industrie 4.0-Unternehmen noch immer deutlich unterrepräsentiert sind, ist ebenfalls keine Neuheit. Das stellte auch Bisnode Deutschland 2016 in der Studie „Frauen im Management in Industrie 4.0" fest: Im Bundesdurchschnitt werden 11,7 Prozent der Top-Managementpositionen mit Frauen besetzt – in der Industrie 4.0 sind dies nur 7,2 Prozent.

Frauenquote als Lösung?

Eine mögliche Frauenquote als branchenübergreifende Lösung wird seit Jahren stark kritisiert – in einigen Bereichen ist sie dennoch bereits in Kraft getreten. Bislang gilt: 30 Prozent der Aufsichtsratsmandate der Kapitalgesellschaften, die börsennotiert und zugleich paritätisch mitbestimmt sind, müssen weiblich besetzt sein. Wie eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zeigt, ist der Frauenanteil in Aufsichtsräten in den gut 100 Unternehmen in Deutschland, die seit 2016 an die Quote gebunden sind, bis Ende 2017 auf durchschnittlich 30 Prozent gestiegen.

Von einer Signalwirkung für Vorstände und Geschäftsführungen, für die es in Deutschland bislang keine Quotenregelung gibt, kann man hier jedoch nicht sprechen: Im Durchschnitt der umsatzstärksten 200 Unternehmen verblieb der Frauenanteil bei etwas mehr als acht Prozent. Lediglich bei den 30 größten börsennotierten Unternehmen (DAX-30) und bei den Unternehmen mit Bundesbeteiligung erhöhte er sich jeweils um rund zwei Prozentpunkte auf 13 beziehungsweise fast 18 Prozent. Marion Weckes, Expertin für Unternehmensführung bei der Hans-Böckler-Stiftung plädiert für eine Ausdehnung der Frauenquote: „Es war zu erwarten, dass alle die Quote erfüllen. Andernfalls hätten Stühle in Aufsichtsräten leer bleiben müssen“, sagt die Ökonomin Weckes. Das Erreichte genüge aber nicht: „Wir sind noch weit entfernt von einer hinreichenden, flächendeckenden Beteiligung von Frauen in Leitungsgremien“, so Weckes.

Frauenanteil in ITK-Branche wächst langsam

Ob eine Frauenquote jedoch tatsächlich die richtige Lösung für geschlechterspezifische Unterschiede in der Arbeitswelt ist, da spalten sich weiterhin die Meinungen. Laut einer aktuellen Studie, die der Digitalverband Bitkom anlässlich des heutigen Weltfrauentags veröffentlicht hat, ist der Anteil an Frauen in der ITK-Branche durchaus gewachsen. 2017 waren 28 Prozent aller Mitarbeiter in der IT Frauen – ein Anstieg von vier Prozentpunkten seit 2015. Auch im Top-Management entwickele sich der Frauenanteil positiv, wenn auch schleppend, so Bitkom weiter. Spezielle MINT-Frauenstudiengänge in Deutschland sollen demnach künftig dafür sorgen, dass die Digitalbranche mehr Frauen für Fach- und vor allem auch für Führungspositionen gewinnt.

Es zeigt sich also: Es gibt viele Expertinnen auch in männerlastigen Berufen. Viele der in der Bildergalerie gezeigten Frauen, üben ihre Tätigkeit bereits seit Jahren aus und gelten auf ihrem Gebiet als etablierte Expertinnen – auch ohne gesetzliche Regelung.

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