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Management Statement "In der aktuellen Diskussion werden die Möglichkeiten der KI overhypt."

| Redakteur: Julia Moßner

Kaum etwas wird derzeit so diskutiert wie die Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz (KI). Aber auch Drohszenarien werden immer wieder aufgemalt. Wir haben mit Eddie Mönch von KI-Pionier Empolis darüber gesprochen, in welchen Bereichen sich für Unternehmen zukünftig spannende Anwendungsmöglichkeiten ergeben.

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In der aktuellen Diskussion werden die Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz „overhypt“.
In der aktuellen Diskussion werden die Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz „overhypt“.
(Bild: Getty Images)

Eddie Mönch, Senior Sales Manager, Empolis Information Management GmbH
Eddie Mönch, Senior Sales Manager, Empolis Information Management GmbH
(Bild: Empolis)

Empolis wurde 1986 gegründet und ist damit fast schon ein Urgestein unter den KI-Unternehmen. Warum wird das Thema Künstliche Intelligenz gerade jetzt so gehypt?

Die Grundlagen für die aktuelle KI-Revolution wurden bereits vor 30 Jahren auch an der Technischen Universität Kaiserslautern gelegt– also in der Wiege unseres Unternehmens. Im Grunde gibt es KI-Technologien wie neuronale Netzwerke oder maschinelles Lernen bereits seit sehr vielen Jahrzehnten. Allerdings haben die Technologien erst in den letzten drei, vier Jahren eine so enorme Entwicklung vollzogen, wodurch der aktuelle Hype ausgelöst wurde. Dafür sind hauptsächlich drei Faktoren verantwortlich:

- Verfügbarkeit von riesigen Datenmengen, mit denen neuronale Netzwerke und andere maschinelle Lernverfahren trainiert werden können.

- Verfügbarkeit von bisher nicht gekannter Rechenkapazität, dank leistungsfähiger Grafikprozessoren und Parallelisierung.

- Verfügbarkeit von freier Software: Unternehmen und Forschungsinstitute stellen Open-Source-Programme und Werkzeuge für jedermann zur Verfügung.

In der aktuellen Diskussion werden die Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz sicherlich „overhypt“. Nichtsdestotrotz werden KI-Technologien und die fortschreitende Digitalisierung einen tiefgreifenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wandel verursachen, der teilweise bereits begonnen hat.

Die Kunden von Empolis kommen aus den unterschiedlichsten Branchen. Wo werden Ihrer Meinung nach in den nächsten Jahren die spannendsten Anwendungen entstehen, die Ihre oder ähnliche Technologien nutzen?

Der relativ neue Bereich „Industrial Analytics“ birgt im Rahmen von Industrie 4.0 und dem Internet der Dinge einiges an Potenzial für unser Unternehmen. Wachstumspotenzial bieten weiterhin das Gesundheitswesen, mit der datenbasierten Unterstützung von Ärzten bei der Befundung, sowie die sich im Umbruch befindliche Banken- und Versicherungsbranche.

Was sind die vielversprechendsten Industrie 4.0 bzw. IIoT-Anwendungen, d.h. wo sehen Sie die größten Chancen für produzierende Unternehmen?

Im bereits angesprochenen Bereich „Industrial Analytics“. Industrial Analytics erfasst und analysiert in Echtzeit die Datenströme von Maschinen und Anlagen mithilfe der neuesten Technologien der Künstlichen Intelligenz und des maschinellen Lernens.

Dadurch können Betreiber und Hersteller ihre Maschinen sowie deren Verhalten und Prozesse besser verstehen, effizienter überwachen und vorausschauend warten. Das verhindert Stilllegungen und Ausfallzeiten von ganzen Werken durch geplante Wartungsfenster und erzielt für Betreiber enorme Kosteneinsparungen im Millionenbereich.

Die Plattform von Empolis soll mittels „Complex Event Processing“ den Weg zu neuen Geschäftsmodellen ebnen. Wie kann das funktionieren? Haben Sie dafür evtl. konkrete Beispiele, wo das gelungen ist?

Aus der Analyse und Auswertung von Maschinen- und Anlagendaten lassen sich zukünftig neue Geschäftsmodelle für den Service entwickeln. Aus “Everything as a Service (XaaS)” wird “Service is Everything“.

Everything as a Service (XaaS) verfolgt im Kern das Ziel, alle Leistungen eines Unternehmens als Service zu paketieren bzw. anzubieten. Nachdem die Begriffe Software as a Service (SaaS), Platform as a Service (PaaS) etc. schon lange in der Softwarebranche geläufig sind, greift dieser Trend seit einigen Jahren z. B. auch auf den Maschinen- und Anlagenbau sowie auf den Automotive- und Aviation-Bereich über.

Wie selbstverständlich werden heutzutage nicht mehr Triebwerke an Flugzeughersteller verkauft, sondern Betriebsstunden. Oder Schienenfahrzeuge werden nach Fahrstrecke, Tunnelbohrer nach Vortrieb pro Kubikmeter bezahlt. Nur um einige Beispiele zu nennen.

Im Extremfall wandelt dies den Maschinenbauer zum Anlagenbetreiber. Anders formuliert: Maschinenverfügbarkeit, Service und Kundenorientierung werden mehr und mehr zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor. Dies erfordert Digitalisierung und datengetriebene Analysen im Service und Anlagenbetrieb. Das sogenannte „Complex Event Processing“ ist ein Baustein dieser Analysen, Datenverfügbarkeit und Integration ein weiterer.

Hierzu hat Empolis z. B. kürzlich eine Partnerschaft für das Internet der Dinge mit der Device Insight GmbH geschlossen, ein spezialisierter Anbieter von Internet-of-Things-Plattformen. Damit bündeln wir unsere Kräfte im Internet der Dinge, um drohende Ausfälle oder Defekte von Maschinen, Anlagen und ganzen Fabriken frühzeitig zu erkennen. Mit Hilfe dieser Predictive-Maintenance-Technologie können ungeplante Stillstandszeiten vermieden werden. Die Betriebskosten von Maschinen und Anlagen lassen sich signifikant senken.

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