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Mensch und "Sentroller"

Im Internet der Dinge geht's gar nicht um Dinge

| Autor/ Redakteur: Cees Links / Jürgen Schreier

Für Cees Link geht es auch im IoT um den Menschen - nämlich darum, was dieser von den vielen neuen Dienstleistungen hat (oder auch nicht). Der Connectivity-Pionier wagt einen Blick über den technischen Tellerrand hinaus und stellt fest: Das IoT führt zu einem Wertewandel und zu gesellschaftlichen Veränderungen.

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( Bild: Qorvo )

Das Internet der Dinge (IoT) ist ein modernes Buzzword, das hohe Erwartungen weckt und mit Sicherheit erhebliche Auswirkungen auf das Leben der Menschen haben wird. Aber mit welchen Auswirkungen müssen wir konkret rechnen? Wird das IoT aufregend sein oder eher beängstigend? Wird es uns helfen und wobei? Wer wird durch die IoT-Revolution gewinnen, wer verlieren? Dies sind zweifellos wichtige Fragen, vor allem wenn man bedenkt, dass das IoT ebenso große gesellschaftliche Auswirkungen haben kann (dürfte?) wie der Computer und das Internet. Vielleicht sogar noch größere.

Beim Internet der Dinge geht es um Dienste

Beginnen wir mit dem Namen selbst, denn ist ein wenig verwirrend. Der Begriff "Internet der Dinge" wurde ursprünglich als Unterscheidungsmerkmal zum Internet, wie wir es heute kennen, benutzt, das manchmal auch als "Internet der Menschen" bezeichnet wird. Da aber das Internet der Dinge dasselbe Netzwerk wie das Internet der Menschen nutzt, bevorzugten einige Unternehmen den Ausdruck "Internet of Everything (IoE)", der wahrscheinlich eine genauere Beschreibung des Sachverhalts ist. Dieser Begriff hat konnte sich aber nicht durchsetzen - vielleicht, weil "Alles" einfach nicht spezifisch genug ist.

In den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass der Begriff "Internet der Dinge" nicht ganz korrekt, ja womöglich sogar irreführend ist. Vermutlich beschreibt man das Internet der Dinge am besten als Anwendung oder als Dienst, der die von Sensoren gesammelten Informationen (die "Dinge") nutzt, die Daten analysiert und dann irgendetwas damit macht (z. B. über Aktoren mehr "Dinge").

Dinge schaffen keine Werte

Der Dienst könnte zum Beispiel ein elektronischer Lifestyle-Coach - zum Beispiel in Form einer App - sein, der über ein Armband Daten sammelt, diese Daten (Trends) analysiert und den Träger des Armbands Tipps für gesünderes Leben gibt. Es könnte auch ein elektronischer "Wachmann" sein, der die Daten von Bewegungsmeldern oder Kameras analysiert und Alarme ausgibt. Oder ein elektronischer Butler, der das Licht und die Heizung oder Klimaanlage ausschaltet, wenn ein Raum nicht genutzt wird. Vielleicht würde Internet of Services den Nutzen besser beschreiben, der hinter IoT steht.

Welcher Name auch immer der beste sein mag, so ist und bleibt das IoT normalerweise eine Ansammlung von "Dingen", die über eine Cloud mit einem Server verbunden sind, der Daten speichert und analysiert (Trends, Alarme usw.) und dann mit einem Benutzer über eine Anwendung kommuniziert, die auf einem Computer, Tablet oder Smartphone läuft. Es sind also nicht die "Dinge", die mit dem Internet verbunden sind, die Werte schaffen.

Das Internet der Dinge ist älter als das Internet

Aus dieser Perspektive betrachtet - nämlich als Dienstleistung, die Daten sammelt, analysiert und überträgt - existiert das eigentlich IoT schon seit Jahren oder gar Jahrzehnten. In den frühen Tagen der Mobiltelefonie (also lange, bevor in IoT die Rede war, "telefonierten" Verkaufsautomaten mit dem Versand-Center, wenn ein Produkt zur Neige ging und übermittelten zeitgleich die Bestandsinformationen. Der Dispatcher des Versand-Centers initiierte dann einen Nachfüllauftrag für den Automaten. Das war wesentlich effizienter, als wenn ein Fahrer von Hotel zu Hotel oder von Bürogebäude zu Bürogebäude kutschiert wäre, um die Verkaufsautomaten manuell zu kontrollieren.

Eine weitere "alte" IoT-Anwendung wäre das normale Haus- oder Gebäudesicherheitssystem mit einer Reihe von Bewegungsmeldern, die an ein Patchpanel angeschlossen sind, das wiederum via Telefonleitung mit einer Alarmzentrale verbunden ist. Ist das Haus "scharf geschaltet" und wird ein Sensor ausgelöst, so benachrichtigt die Alarmzentrale den hinterlegten Adressaten oder die Polizei. Vergessen Sie nicht: diese diese IoT-Anwendung (im Sinne von Internet of Services) ist ebenfalls vollständig vernetzt. Das Internet der Dinge muss also nicht kabellos sein. Diese spezielle IoT-Anwendung existierte bereits vor dem Internet. und macht das vor mehr als 140 Jahren als Telegrafenanstalt gegründete amerikanische Unternehmen ADT Security Services zu einer der ältesten IoT-Firmen, die es heute (noch) gibt.

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