Smart Factory

Im e.GO-Werk funkt jetzt ein 5G-Netz

| Redakteur: Jürgen Schreier

Ein Blick in die smarte e.GO-Fabrik
Ein Blick in die smarte e.GO-Fabrik (Bild: Valéry Kloubert)

Vodafone, e.GO und Ericsson starten die 5G-basierte Datenvernetzung in der Produktion des Elektro-Kleinwagens e.GO Life. Aktuell im Fokus steht die Steuerung autonomer Transportfahrzeuge (AGV) sowie das digitale Materialmanagement. Künftig sollen auch Drehmoment-Werkzeuge und Roboter vernetzt werden.

Ein modernes E-Auto-Konzept und eine moderne Automobil-Fertigung treffen auf moderne Mobilfunk-Technologie. Vodafone, Ericsson und die e.GO Mobile AG starten am 19. Juni 2019 die mobile Datenvernetzung in der Produktion. Im Werk 1, in der die e.GO Mobile AG den Elektro-Kleinwagen e.GO Life fertigt, funkt ab sofort ein 5G-Netz. Vodafone und Technologie-Partner Ericsson bringen die 5G-Technologien Mobile Edge Computing (MEC) und Network Slicing direkt in die Fabrik.

Network Slicing ermöglicht autarkes Netz in der Produktionshalle

Kleine Echtzeit-Rechenzentren (MEC) verarbeiten die Daten ab sofort direkt in der Produktionshalle. Network Slicing schafft für e.GO ein autarkes Netz nach Maß – exakt optimiert für die Anforderungen, die die Serienproduktion des kleinen Elektroautos stellt. Insgesamt 36 kleine Mobilfunk-Antennen garantieren in der 8.500 Quadratmeter großen Produktionshalle künftig Bandbreiten im Gigabit-Bereich und niedrige Latenzzeiten von wenigen Millisekunden. Die Kommunikation zwischen den Maschinen untereinander wird so noch schneller, die digitale Durchdringung der Produktionsprozesse höher und Arbeitsabläufe noch effizienter.

„Unsere Automobil-Industrie braucht ein schnelles Netz. Direkt dort, wo die neuesten und innovativsten Autos gebaut werden“, so Vodafone Deutschland-Chef Hannes Ametsreiter. „Daten sind ein wichtiger Treibstoff für die moderne Automobil-Produktion. Umso wichtiger ist es, dass diese Daten die Produktionshalle nicht mehr verlassen.“

„Unser Werk 1, das Montage-Werk für den e.GO Life, ist eine echte Industrie 4.0 Fabrik. Das heißt, sie ist informationstechnisch voll vernetzt. Die Konnektivität verknüpft die physische mit der digitalen Welt. Das 5G-Netz von Vodafone ermöglicht es uns, dass diese Abläufe in Zukunft noch schneller und sicherer in Echtzeit umgesetzt werden können. Zu jedem Zeitpunkt ist der Zugriff auf relevante Informationen gewährleistet und erlaubt sofortiges Eingreifen“, so Prof. Günther Schuh, CEO der e.GO Mobile AG.

"Leuchtturm und Vorbild für die Industrie in ganz Deutschland"

„Wir müssen 5G durch Anwendungen erlebbar machen, um auf dem Weg zu smarter Mobilität, Industrie 4.0 und innovativen Prozessen deutlich voranzukommen. Nordrhein-Westfalen hat durch seine dichte Forschungs- und Unternehmenslandschaft ideale Voraussetzungen für die umfassende Digitalisierung der industriellen Produktion. Die e.GO Smart Factory ist hier ein Leuchtturm und Vorbild für die Industrie in ganz Deutschland“, betont Wirtschafts- und Digitalminister Prof. Dr. Andreas Pinkwart.

„Um die Innovationskraft von LTE und 5G dem Wirtschaftsstandort Deutschland zugänglich zu machen ist industrie- und technologieübergreifende Zusammenarbeit der Schlüssel“, so Stefan Koetz, Vorsitzender der Geschäftsführung der Ericsson GmbH.

Erstmals in Deutschland kommen in der Automobil-Produktion in einem autarken Mobilfunknetz die 5G-Technologien Mobile Edge Computing und Network Slicing zum Einsatz. Transportfahrzeuge, Maschinen und Werkzeuge tauschen so nahezu in Echtzeit Informationen aus – über den aktuellen Standort, zum momentanen Batteriezustand oder zur geplanten Fahrroute. Die moderne Mobilfunk-Technologie, die Vodafone speziell und virtuell für das e.GO-Werk 1 bereitstellt (Network Slicing), verringert die Verzögerungszeit, mit der die Daten übertragen werden (Latenz) auf weniger als zehn Millisekunden.

Automatische Identifizierung von Materialien, Software und Fahrzeugen

In der mobil vernetzten Produktion werden sämtliche Produktionsstoffe und Materialien direkt nach der Anlieferung über eine spezielle RFID-Schnittstelle automatisch und berührungslos identifiziert und per Mobilfunk in Echtzeit im Online-System verbucht. Mit der gleichen RFID-Technologie werden Fahrzeuge beim Produktionsstart erkannt.

Entsprechend der Kundenwünsche beginnt nach der Identifizierung des Fahrzeugs der Montageprozess der erforderlichen Materialien und Software. Weil mit der Serienproduktion des e.GO Life auch die Zahl von Montage-Vorgängen und der Bedarf an Produktionsmaterialien zunimmt, müssen die Systeme zeitgleich immer mehr Daten verarbeiten. Um diese Datenmassen auch zukünftig sicher, zuverlässig und schnell zu bewältigen, benötigt es 5G-Technologien.

Next Step: Drehmoment-Werkzeuge und Roboter werden vernetzt

Autonome Transportfahrzeuge (Automated Guided Vehicles) ersetzen die klassische Produktionslinie und befördern das Chassis des e.GO Life von Station zu Station. Ausgestattet mit Sensoren erfassen die Transport-Roboter eigenständig sämtliche Umgebungsinformationen. Weil die erfassten Daten direkt in der Produktionshalle in kleinen Echtzeit-Rechenzentren (Mobile Edge Computing) ausgewertet werden, gelangen sie per Mobilfunk in Echtzeit zurück zum Fahrzeug. Dieses passt, basierend auf den analysierten Daten, die Fahrtrichtung an und lenkt, bremst und beschleunigt selbstständig.

Zukünftig soll mit autonomen Gabelstaplern und Kleinzügen auch der Materialtransport zwischen Lagern und Produktionshallen automatisiert werden. Zudem werden unter anderem Drehmoment-Werkzeuge und Roboter per Mobilfunk ständig mit dem zentralen Leitsystem kommunizieren.

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