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Marktstudie

IIoT-Plattformen: 2018 könnte Jahr des Durchbruchs werden

| Autor/ Redakteur: Bernhard Müller-Hildebrand / Julia Moßner

Das US-Marktforschungsunternehmen ABI Research sieht eine „16-Milliarden-Dollar-Chance“ für Industrial IoT-Plattformen und nennt bereits einen Anbieter in einer klaren Vorreiterrolle. Allerdings werden nicht alle Anbieter am Markt bestehen können.

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Über 3000 Industrieanwender setzen bereits die offene IoT-Plattform Siemens Mindsphere ein.
Über 3000 Industrieanwender setzen bereits die offene IoT-Plattform Siemens Mindsphere ein.
(Bild: Siemens AG)

„Fast jedes Unternehmen, das ein Stück Software für das Industrial Internet of Things (IIoT) entwickelt hat, bezeichnet das heute als Plattform“, konstatiert der kürzlich erschienene Report „Smart Manufacturing Platforms Assessment“ von ABI Research. Deshalb herrsche ein Wildwuchs am Markt und ein Vergleich sei schwer. Die Marktforscher konzentrieren sich in ihrer Studie darum auf die Application Enablement Platforms (AEP), die Daten von Sensoren und anderen IoT-Geräten übernehmen und sie zur Auswertung in die Cloud oder auf eigene Server übertragen. Dazu verfügen diese AEP über Kommunikations- und Verwaltungsfunktionalitäten und können auch die Daten orchestrieren oder verfügen über einen App-Store. Manche haben auch App-Entwicklungsfunktionen, mit deren Hilfe die Benutzer Anwendungen erstellen und darauf zugreifen können, um nützliche Erkenntnisse aus ihren gesammelten Daten zu gewinnen. „Auf diese Lösungen trifft der Plattform-Begriff am ehesten zu“, stellt die Studie fest.

Wichtige Voraussetzung für Industrie 4.0

Der Einsatz von solchen AEP sei eine wichtige Voraussetzung für die digitale Transformation von Fertigungsunternehmen und Industrie 4.0 – meist in Kombination mit weiteren Technologien wie Internet of Things, Artificial Intelligence (AI), Machine Learning oder Blockchain. Noch sei der IIoT-Plattformmarkt, der nach der Prognose der Marktforscher eine „16-Milliarden-Dollar-Chance“ für die Anbieter darstellt, sehr stark fragmentiert. Und für die Anwender stelle die Technologieintegration nach wie vor eine große Herausforderung dar.

„Wenn die Plattformanbieter ihre Lösungen auch für die Zukunft relevant halten wollen, müssen sie mit Lieferanten anderer Transformationstechnologien zusammenarbeiten, um Funktionen und Komponenten für eine enge Integration bereitzustellen und zusätzlichen Mehrwert zu schaffen", rät Pierce Owen, Principal Analyst bei ABI Research. Zum Beispiel erfordere der Einsatz von Virtual oder Augmented Reality in der Fertigung in den AEP Funktionen für Geschäftsregeln, Echtzeitmetriken, die erweiterte Analyse oder das Erstellen von digitalen Zwillingen bzw. Drillingen.

Siemens ist „Leader of the pack“ bei den IIoT-Plattformen

Gleichzeitig sei es wichtig, nicht nur mit den Abteilungen für Informationstechnologie (IT) in den Unternehmen zu kooperieren, sondern auch mit den Verantwortlichen für die OT (Operational Technology). Denn diese sind in den Industriebetrieben für die eingebettete Hard- und Software zuständig, mit der die Produktionsprozesse in Gang gehalten werden. Etwa Sensoren, Aktoren oder Steuerungen. Für die Anwender in der Industrie – so die Empfehlung von ABI Research – sei es zudem ein Vorteil, auf Partner zu setzen, die auch Beratungsleistungen anbieten.

Vor diesem Hintergrund ist Siemens nach Einschätzung der Marketingexperten „Leader of the pack“ bei den Plattformen für das Industrial Internet of Things. Als Begründung dafür nennt die Studie „das umfassende Branchenwissen als Automatisierungsspezialist, die Mergers & Acquisitions-Strategie von Siemens, das hohe Forschungs- & Entwicklungs-Budget und generell die Größe des Unternehmens“.

Darüber hinaus verfüge Siemens über eine große installierte Hardware-Basis bei Steuerungen, Antrieben und anderen Automatisierungskomponenten, die sich leicht mit Mindsphere koppeln lassen. Daraus könne ein riesiges Ökosystem im Fertigungssektor entstehen. Außerdem dienten die eigenen Produktionsbetriebe als Experimentierfeld, um dort Proofs of Concept in der Praxis zu testen. Diese Vorteile hätten Siemens bereits ermöglicht, im Jahr 2017 fast 3000 Fertigungsunternehmen als Mindsphere-Kunden zu gewinnen und diese Zahl damit innerhalb eines Jahres zu verdoppeln.

Anbieter müssen ihren Kunden Mehrwert liefern

„Der Einsatz von IIoT-Technologie wird sich 2018 rasch beschleunigen, wenn die Industriebetriebe ihre Angst vor der Cloud überwinden und die Zukäufe von Siemens und anderen Anbietern sich auszahlen“, erwartet Pierce Owen. Im Rahmen dieser Beschleunigung würden einige AEP-Provider wachsen und Marktanteile gewinnen. Allerdings nur diejenigen, die Tiefe und Breite ihres Angebots ausbauen und den Anwendern durch die Integration von weiteren Transformationstechnologien in ihre Plattformen zusätzlichen Mehrwert liefern können.

Bernhard Müller-Hildebrand ist Fachjournalist in Düsseldorf und spezialisiert auf die Themen Digitalisierung, Internet oft Things und Industrie 4.0.
Bernhard Müller-Hildebrand ist Fachjournalist in Düsseldorf und spezialisiert auf die Themen Digitalisierung, Internet oft Things und Industrie 4.0.
(Bild: Autor)

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