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Krieg der Ingenieure

IEEE schließt Huawei-Forscher von Peer-Review-Prozessen aus

| Redakteur: Sebastian Gerstl

Der Handelsstreit zwischen den USA und China ergreift die Wissenschaft: Der IEEE hat angekündigt, Forscher von Huawei aus den nicht-öffentlichen Teilen des Peer-Review-Prozesses auszuschließen. Als unmittelbare Reaktion setzte der beim IEEE als „Sister Society“ geführte Technologieverband China Computer Federation (CCF) seine Beziehungen zum Ingenieursverband aus.

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Das IEEE hat angekündigt, Huawei-Mitarbeiter von der Peer Review und von redaktionellen Arbeiten seiner rund 200 Fachjournale auszuschließen. Als Grund dafür werden die Handelssanktionen der US-Regierung gegen den chinesischen Elektronikkonzern aufgeführt. Wissenschaftler, insbesondere aus China, zeigen sich empört.
Das IEEE hat angekündigt, Huawei-Mitarbeiter von der Peer Review und von redaktionellen Arbeiten seiner rund 200 Fachjournale auszuschließen. Als Grund dafür werden die Handelssanktionen der US-Regierung gegen den chinesischen Elektronikkonzern aufgeführt. Wissenschaftler, insbesondere aus China, zeigen sich empört.
(Bild: Huawei)

Zahlreiche Chiphersteller haben in den vergangenen beiden Wochen ihre Lieferungen an den chinesischen Elektronikkonzern Huawei ausgesetzt, nachdem diese vom US-Handelsministerium auf eine Schwarze Liste gesetzt wurde. Nun wirken sich die US-Sanktionen auch auf die Forschung aus: Das in New York City ansässige Institute of Electrical and Electronics Engineers (IEEE) teilte den Redakteuren seiner in der IEEE Communication Society (ComSoc) angesiedelten rund 200 Zeitschriften mit, dass es „schwerwiegende rechtliche Folgen“ befürchte, wenn es weiterhin Huawei-Wissenschaftler als Gutachter bei dem Peer-Review-Prozess seiner eingereichten Fachbeiträgen einsetzt.

Dies berichtete das Fachmagazin „Science“ am Mittwoch unter Berufung auf ein internes Memo, das an die Redakteure der IEEE-Zeitschriften verschickt wurde. Demzufolge könnten zwar Forscher, die im Dienst von Huawei stehen, weiterhin in den Redaktionsgremien des IEEE tätig sein, dürften aber „keine Papers bearbeiten“, solange die Sanktionen des US-Handelsministerium in Kraft sind. Man reagiere damit auf die Sanktionen des US-Handelsministerium, nachdem die Regierung unter Präsident Donald Trump Huawei am 15. Mai 2019 auf eine schwarze Liste von Unternehmen „gegnerischer" Staaten gesetzt hat. Ähnlich wie Technologieunternehmen darf der IEEE aufgrund dieses Beschlusses keine moderne Technik ohne Sondergenehmigung an Huawei weitergeben. Firmen und Einrichtungen, die gegen diesen Beschluss verstoßen, drohen scharfe Sanktionen.

„Das IEEE erfüllt die Vorschriften der US-Regierung, die die Möglichkeiten der börsennotierten Huawei-Unternehmen und ihrer Mitarbeiter zur Teilnahme an bestimmten Aktivitäten einschränken, die im Allgemeinen nicht öffentlich zugänglich sind,“ gab das IEEE in einer Klarstellung auf seiner zentralen Webseite bekannt. „Dazu gehören bestimmte Aspekte des Peer-Reviews und des Redaktionsprozesses.“

Zugang zu offenen Standardisierungsgremien besteht weiterhin

Allerdings sei das Ende der Zusammenarbeit nur auf bestimmte Teile der Redaktionsprozesse und IEEE-Entscheidungen beschränkt, heißt es weiter: „Alle IEEE-Mitglieder, einschließlich derer, die bei Huawei beschäftigt sind, können weiterhin an Einzelmitgliedschaft, Firmenmitgliedschaft und Stimmrechten teilnehmen; die digitale Bibliothek und andere Publikationsprodukte von IEEE abonnieren und darauf zugreifen; Fachbeiträge zur Veröffentlichung einreichen; an von IEEE gesponserten Meetings und Konferenzen teilnehmen und diese präsentieren; sowie einen IEEE-Award sponsern und annehmen. Mitglieder, die mit Huawei verbunden sind, können auch an Geschäfts-, Logistik- und anderen Meetings teilnehmen, einschließlich solcher, die sich auf die Planung von Konferenzen beziehen.“

Das betreffe insbesondere die diversen Standardisierungsgremien des IEEE: Damit können Mitarbeiter von Huawei, die Mitglieder beim Ingenieursverband sind, weiterhin an den treffen der IEEE Standards Association teilnehmen, neue Vorschläge für Industriestandards einreichen oder mit über neue Standards abstimmen.

Chinesische Schwestergesellschaft kündigt Mitarbeit auf

Dennoch ließ eine entsprechende Antwort aus China nicht lange auf sich warten: Einen Tag nach Bekanntwerden des IEEE-Beschlusses gab das in Peking beheimatete Technologie-Forschungszentrum The China Computer Federation (CCF) bekannt, sämtliche Beziehungen mit dem IEEE auszusetzen. Die CCF wird vom IEEE als eine „Sister Society“ und als enger Partner geführt. Seit 2016 vergeben die beiden Organisationen gemeinsam Preise an Informatiker unter 40 Jahren.

„Das IEEE galt einst als eine offene internationale akademische Organisation, eine akademische Gemeinschaft von Praktikern im Bereich der Informationstechnologie mit Mitgliedern aus der ganzen Welt, einschließlich China“, schrieb der CCF in einem offenen Brief auf der chinesischen Kommunikationsplattform WeChat. „Aber diesmal bedauern wir, dass die Kommunikationsgesellschaft (ComSoc) die Aktivitäten ihrer Mitglieder auf der Grundlage lokaler Gesetze eingeschränkt hat, was die offene, gleiche und unpolitisierte Natur einer internationalen akademischen Organisation ernsthaft verletzt.“ Daher werde die CFF die Zusammenarbeit mit ComSoc aussetzen. Die Forschungsallianz forderte seine Mitglieder auf, nicht mehr an ComSoc-Veranstaltungen oder Forschungsberichten mitzuwirken und von der Überprüfung von ans IEEE eingereichten Papern abzusehen.

Das IEEE-Verbot hat generell bei chinesischen Wissenschaftlern auf Social Media für Empörung gesorgt. Einige Professoren aus China haben in offenen Posts auf WeChat angekündigt, das IEEE zu verlassen, berichtet das Technikblog Techcrunch.

Der Artikel ist ursprünglich auf unserem Partnerportal Elektronikpraxis erschienen.

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