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Cybersecurity

Huawei in the line of fire

| Redakteur: Jürgen Schreier

Schwer unter Beschuss geraten ist der Smartphone-Hersteller und Netzwerkausrüster Huawei. Das chinesische Unternehmen könnte beim aktuellen "5G-Roulette" seitens der Politik ausgebootet werden. Der Grund: Sicherheitsbedenken.

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Huawei wird verdächtigt, technische Backdoors in bestimmte Systeme einzubauen. Mobilfunkbetreiber in Deutschland hingegen fürchten ohne Huawei einen stockenden 5G-Ausbau und höhere Preise.
Huawei wird verdächtigt, technische Backdoors in bestimmte Systeme einzubauen. Mobilfunkbetreiber in Deutschland hingegen fürchten ohne Huawei einen stockenden 5G-Ausbau und höhere Preise.
(Bild: gemeinfrei / CC0)

Einem Bericht des "Handelsblatts" zufolge erwägt die Bundesregierung, den chinesischen Netzwerkausrüster Huawei für den Aufbau eines 5G-Netzes in Deutschland auszuschließen. Dazu tage aktuell der Planungsstab des Auswärtigen Amtes. Als Grund werden Sicherheitsbedenken genannt. Außerdem nehme der Druck aus den USA zu. Dort sieht sich die Nr. 2 am Handymarkt dem Verdacht ausgesetzt, durch "technische Backdoors" Daten an den chinesischen Staat weiterzugeben.

Nach den USA und Australien verhängte auch Neuseeland einen Bann gegen den chinesischen Ausrüster. Hintergrund ist eine internationale Kampagne der US-Regierung unter Donald Trump, bei der verbündete Länder davon überzeugt werden sollen, Sanktionen gegen Huawei besonders in Bezug auf 5G einzuführen, so der IT-Newsdienst Golem. "Belege zu angeblichen Hintertüren in den Produkten können die USA jedoch nicht liefern", schreibt die Golem-Redaktion. .Auch Huawei selbst bestreitet vehement die Vorwürfe.

Sicherheitsbedenken in Polen und Tschechien

Allerdings haben auch andere (NATO-)Länder ein Problem mit dem dem chinesischen ITK-Konzern. Laut Handelsblatt hat man in Tschechien "Bedenken bei der Verwendung des 5G-Hardware von Huawei zum Netzausbau des Landes". So warnte die Tschechischen Nationalen Agentur für Netz- und Informationssicherheit (NCISA) die lokalen Netzbetreiber davor, Hard- und Softwareprodukte von Huawei und der des Huawei-Wettbewerbers ZTE zu verwenden, die „nationale Sicherheitsrisiken“ erkennen ließen. Chinas Privatunternehmen seien verpflichtet, mit den chinesischen Nachrichtendiensten zusammenzuarbeiten, so die NCSIA. Daher könne die Übernahme der Produkte von Huawei und ZTE in wichtige nationale Systeme eine Bedrohung darstellen.

In Polen werden ebenfalls Beschränkungen für Huawei "geprüft", wie das "Wall Street Journal" berichtet. Anlass dafür sei unter anderem ist die Tatsache, dass ein Huawei-Beschäftigter zusammen mit einem Mitarbeiter der Telefonfirma Orange wegen des Verdachts der Spionage für China verhaftet wurden.

Laut "Wall Street Journal" steht Huawei in den USA außerdem wegen angeblicher Ausspähung von Geschäftsgeheimnissen im Fokus einer strafrechtlichen Untersuchung der Justizbehörden. Die Ermittlungen seien bereits fortgeschritten und könnten schon bald zu einer Anklage führen, heißt es .Von dem möglichen Technologie-Diebstahl könnte demnach auch die Telekom-Tochter T-Mobile US mit einem Gerät zum Testen von Smartphones namens Tappy betroffen sein.

US-Justizbehörden ermitteln

Bereits 2014 hatte T-Mobile US Huawei wegen eines angeblich unbefugten Zugangs zu einem Firmenlabor außerhalb von Seattle, des unerlaubten Fotografierens und des Versuchs, Teile des vollautomatischen Smartphone-Testgeräts zu entwenden, verklagt. Im Mai 2017 gewann T-Mobile den Zivilprozess, in dem das chinesische Unternehmen zur von 4,8 Millionen Dollar verurteilt wurde. Die Klägerin hatte 500 Millionen Dollar gefordert. Aus dieser Zivilklage heraus seien die Ermittlungen der Bundesrichter entstanden, berichtet der Technologie-Newsdienst Techcrunch. in seinem heutigen Newsletter.

Mobilfunkbetreiber in Deutschland fürchten ohne Huawei einen stockenden 5G-Ausbau und höhere Preise. "Wir können nicht auf Huawei verzichten, wenn wir beim globalen Wettrennen um 5G nicht zurückfallen wollen", zitiert das "Handelsblatt" den Manager eines großen Netzbetreibers in Deutschland. Pikant: Laut WELT online gehört dazu die Deutsche Telekom - die Muttergesellschaft von T-Mobile US. In einem Gespräch mit der Zeitung WELT erläuterte Thomas Tschersich, Leiter Cybersicherheit bei der deutschen Telekom, das Sicherheitskonzept seines Hauses. „Um völlig sicherzugehen, werden abgehende Datenströme konstant überwacht. Stellen wir Auffälligkeiten fest, nehmen wir fragliche Geräte solange vom Netz, bis eine Untersuchung abgeschlossen ist.“ Vor diesem Hintergrund sei es zumindest unwahrscheinlich, das Netzwerk-Komponenten unbemerkt Daten nach China ableiten könnten.

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