Smart Factory Level Four Horizontale Integration – das ganze Unternehmen profitiert von der Smart Factory

Ein Gastbeitrag von Steffen Wulf*

In den vorausgegangenen Teilen der Serie haben wir uns stufenweise dem Aufbau einer Smart Factory gewidmet. Die vierte und letzte Stufe auf diesem Weg fokussiert nun die horizontale Integration und was es zu beachten gilt.

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In einem letzten Schritt auf der Reise zur Smart Factory steht die horizontale Integration an, die das interne Verständnis für andere Bereiche und die Zusammenarbeit deutlich verbessern kann.
In einem letzten Schritt auf der Reise zur Smart Factory steht die horizontale Integration an, die das interne Verständnis für andere Bereiche und die Zusammenarbeit deutlich verbessern kann.
(Bild: gemeinfrei / Pexels )

Während es in der vertikalen Integration (Stufe 1) um die digitale Vernetzung von Maschinen und Anlagen geht, beschäftigt sich die horizontale Integration mit der Vernetzung entlang der Prozesskette.

Horizontale Integration in der üblichen Darstellung
Horizontale Integration in der üblichen Darstellung
(Bild: Steffen Wulf/iStock)

Hiermit werden auch die verschiedenen Funktionen oder Abteilungen in einer Organisation stärker verknüpft und die einzelnen Aufgaben und Prozessschritte greifen stärker ineinander. Sie bauen auf den gleichen aktuellen Daten auf und werden besser aufeinander abgestimmt. Hierdurch verbessert sich nicht nur die Durchlaufzeit in allen Bereichen, sondern zum Beispiel auch die Qualität von Produkten und Dienstleistungen: Mit der Nutzung aller verfügbaren Informationen lassen sich Aufgaben schneller erledigen und Anfragen besser bearbeiten. Zudem können mit Hilfe der horizontalen Integration auch neue Geschäftsmodelle oder -felder erschlossen werden.

Hieran ist klar zu erkennen, dass ab diesem Zeitpunkt die Smart-Factory- oder Industrie 4.0-Anstrengungen nicht mehr nur noch die Fertigung fokussieren, sondern fortan das ganze Unternehmen betreffen. Spätestens hier beginnt eine umfängliche digitale Transformation.

Die horizontale Integration ist im Bild in der üblichen Form dargestellt. Andere Darstellungen zeigen beispielsweise Netzwerke oder netzwerkähnliche Verbindungen, um die stärkere Verzahnung verschiedener Teile des Gesamtprozesses stärker hervorzuheben. Anfang und Ende des Prozesses können natürlich frei gewählt werden. Der Anfang kann exemplarisch genauso der Markt oder das Kundenbedürfnis sein; das Ende könnte auch das Recycling nach Ende der Nutzung eines Produktes markieren.

Keine umfangreichen Investitionen oder zusätzliche Technologien notwendig

Die horizontale Integration beinhaltet vielfältige Herausforderungen. Allerdings sind hierfür meistens keine umfangreichen Investitionen oder zusätzliche Technologien notwendig. Auch die meisten Anwendungen sollten bereits an Bord sein. Dies ist im Übrigen der wesentliche Vorteil, wenn wir uns erst in Stufe 4 intensiv mit der horizontalen Integration auseinandersetzen:

Alle notwendigen Technologien sind bereits in den Stufen 1-3 behandelt und integriert worden. Die IT-Architektur hat sich im Zuge dessen bereits auch entsprechend weiterentwickelt und sollte alle Aspekte bereits gelöst haben. Jetzt geht es darum, diese Technologien und Möglichkeiten auch konsequent und flächendeckend zu nutzen. Hierin liegt die eigentliche Herausforderung.

Zusätzlich lohnt es sich auch, erneut einen Blick darauf zu werfen, welche Möglichkeiten sich mit Hilfe von Machine Learning und Advanced Analytics – zum Beispiel Process Mining – ergeben, wenn diese Technologien auf die ganze Prozesskette angewendet werden. Spätestens an dieser Stelle werden sich klare und gut vermittelbare Vorteile davon zeigen.

Natürlich kann mit der horizontalen Integration auch bereits früher begonnen werden. Dabei werden dann allerdings die gleichen Baustellen an verschiedenen Ecken auftauchen und es wird nicht immer einfacher, diese zu lösen, wenn gleichzeitig sehr viele Aspekte berücksichtigt werden müssen – die Vorhaben können sich dann deutlich verlangsamen.

Die Herausforderungen: Inseln und Silos auflösen

Funktionen und Abteilungen sind häufig auch eher Inseln als voll im Gesamtbild integrierte Puzzleteile. Man spricht hier ja auch von Silos oder Silodenken.

Es werden oft lediglich die eigenen Kernprozesse betrachtet und mögliche Verbesserungen werden dann letztlich zu stark von Einzelinteressen oder Kleinigkeiten dominiert.

Schluss mit Datensilos!
Schluss mit Datensilos!
(Bild: Steffen Wulf/iStock)

Zudem ist das ständige Hinterfragen von Prozessen, die tägliche Suche nach Verbesserungen und der KVP-Gedanke, also ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess, auch nicht in allen Abteilungen etabliert, sondern findet vielleicht nur in der Produktion statt, wo man das in gewisser Weise gewohnt ist. Zusätzlich werden gegebenenfalls auch nicht alle Prozesse konsequent mit Kennzahlen gesteuert und überwacht.

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Alle die genannten Punkte spielen bei der horizontalen Integration plötzlich eine viel wichtigere Rolle als vielleicht bisher und die damit verbunden Veränderungsaspekte – im Denken, im Handeln und der Unternehmenskultur – sind umfangreich.
Diese Veränderungen zu wollen und konsequent zu begleiten – das ist die eigentliche Herausforderung bei der horizontalen Integration.

Der Weg zur Smart Factory in vier Stufen in einer Tabelle zusammengefasst
Der Weg zur Smart Factory in vier Stufen in einer Tabelle zusammengefasst
(Bild: Steffen Wulf/iStock)

Eine konsequente Integration fordert Anpassungsbereitschaft und Rücksichtnahme auf andere Bereiche von allen. Hierfür ist dringend empfohlen, sich wirklich mit Management of Change auseinanderzusetzen und eine entsprechende Kampagne für die Begleitung zu entwickeln.

Eine intensive Auseinandersetzung lohnt sich. Die horizontale Integration wird intern das Verständnis für andere Bereiche und die Zusammenarbeit deutlich verbessern. Extern ergeben sich vielfältige Möglichkeiten, die Zusammenarbeit mit Kunden und Lieferanten zu stärken sowie neue Services und Produkte anzubieten – vielleicht lässt sich sogar ein neues Geschäftsmodell erkennen und ableiten.

Alle gemeinsam werden von der intensivierten Kooperation und dem datenbasierten, geteilten Wissen profitieren.

Zum Abschluss der Reihe finden Sie in der Grafik oberhalb den Weg zur Smart Factory in 4 Stufen kompakt zusammengefasst.

Alle vorausgegangenen Teile hier noch mal in der Übersicht:

* Steffen Wulf verfügt über 15 Jahre Erfahrung als Lean Experte/Inhouse-Consultant in der Industrie und bietet Projektmanagement, Beratung und Training zur Digitalen Transformation an.

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