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Dieser Beitrag ist im Rahmen des Themenspecials "SPS 2019" erschienen.

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Use Case

Hochleistungsgebläse und das IoT: Der Weg zum Industrie-4.0-Unternehmen

| Autor/ Redakteur: Manuel Grenacher* / Sebastian Human

Um seinen Kunden Services aus dem Internet of Things anbieten zu können, modernisierte der Maschinenbauer Piller Blowers & Compressors seine IT auf SAP-Basis. Das hatte unter anderem Auswirkungen auf die Identifizierung von Servicefällen.

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Das sogenannte Laufrad ist der Kern vieler Gebläse und Kompressoren von Piller. Jedes Teil ein Unikat – abgestimmt auf die Kundenanforderungen.
Das sogenannte Laufrad ist der Kern vieler Gebläse und Kompressoren von Piller. Jedes Teil ein Unikat – abgestimmt auf die Kundenanforderungen.
(Bild: Piller Blowers & Compressors)

Unterschiedliche Anbieter, Insellösungen, hoher Management-Aufwand: Gerade alteingesessene Unternehmen mit Niederlassungen in aller Welt kennen dies nur zu gut. Über die Jahre hat sich die interne IT zu einem Dschungel aus hochgradig individualisierten, untereinander nicht kompatiblen Systemen und Lösungen entwickelt. Die Folge: Insellösungen und Medienbrüche erschweren die tägliche Zusammenarbeit, verlangsamen die Prozesse, verursachen Doppelarbeit und Kosten.

So war es bis vor einigen Jahren auch bei Piller Blowers & Compressors, einem 1909 gegründeten, weltweit tätigen Spezialisten für Gebläse und Kompressoren. Das Unternehmen fertigt jede Maschine maßgeschneidert nach Kundenanforderung – für unterschiedliche Branchen wie Raffinerien, die chemische Industrie sowie Lebensmittel- und Pharmaindustrie. Der Mittelständler exportiert traditionell einen Großteil seiner Produkte – derzeit sind es 85 Prozent. Bis zum Jahr 2010 agierte das Unternehmen überwiegend aus seiner Zentrale in der niedersächsischen Kleinstadt Moringen. Um näher an seinen Kunden zu sein, gründete der Maschinenbauer Tochterfirmen und Joint Ventures in den USA, China, Singapur, Brasilien, Korea und Indien und eröffnete in China ein zweites Produktionswerk.

Plattform für Industrie 4.0-Anwendungen

Schnell war klar: Mit der Expansion muss auch die IT des Unternehmens dringend modernisiert und auf einen einheitlichen Stand gebracht werden. 2016 rief CIO Thomas Henzler daher die PILLER DIGITAL (R)EVOLUTION aus. Knapp zweieinhalb Jahre brauchten Henzler und sein Team, um den IT-Wildwuchs zu lichten und das Unternehmen auf die Anforderungen der Industrie 4.0 auszurichten. Hier kamen ineinandergreifende SAP-Lösungen wie die Cloud Platform, die Sales Cloud und Service Cloud sowie S/4HANA Enterprise Management als Kernsystem des Unternehmens zum Einsatz. Doch die Pläne reichten weiter: „Wir integrieren zudem das IoT-Portfolio von SAP Leonardo in unsere IT-Landschaft, damit unsere Kunden von vorausschauender Wartung und effizientem Service profitieren“, sagt Pilller-CIO Henzler.

Neue Services dank IoT

Das konzernweite SAP-System aus der Cloud deckt heute alle Kundentransaktionen ab – vom ersten Kontakt über die Abwicklung von Aufträgen bis hin zu Fehlermeldungen der Maschinen und Ersatzteillieferungen. Um die Maschinen vorausschauend warten zu können, stattet der Hersteller sie mit intelligenten Sensoren aus. Diese messen und protokollieren relevante Parameter wie Druck, Temperatur, und Drehzahl in Echtzeit. Sämtliche Daten fließen in der Cloud Plattform zusammen und werden automatisch ausgewertet. Deuten die Werte der Maschine auf einen Fehler hin, wird aus Leonardo ein Serviceticket in der C/4 Service Cloud des Piller-Kundenservice angelegt. Weiterhin erfolgt die Info dann per Push-Notification auf eine App und per Mail. So lassen sich mit Predictive Maintenance viele Ausfälle vermeiden.

Sichere Datenverarbeitung nach DSGVO

Durch die Integrationsmöglichkeiten der SAP Cloud Plattform (SCP) lassen sich IoT-Daten problemlos in weiterführende Backendsysteme wie S/4 HANA übertragen, um so folgende Prozesse daraus durchzuführen. So können sämtliche Systeme des Unternehmens auf ihre Daten zugreifen, was die internen Abläufe beschleunigt. Sobald sich etwa ein Service-Ticket auf den Weg macht, stößt es auch Transaktionen im Kernsystem des Unternehmens an, zu denen beispielsweise die Stundenabrechnungen, Lieferscheine und Rechnungen gehören.

Auch für Datenschutz ist gesorgt: Der Mittelständler verwaltet die Datenmengen nach strengsten Sicherheits- und Datenschutzkriterien, um Bedenken und Vorbehalte seiner Kunden zu begegnen. „Uns war es wichtig, dass hier keinerlei Zweifel bestehen“, sagt Henzler. „Nicht zuletzt deshalb haben wir uns für einen IT-Partner entschieden, der Daten zuverlässig und sicher verarbeitet und nach der europäischen Datenschutzgrundverordnung DSGVO agiert.“

Neue Servicemodelle ermöglicht

Auf dieser technologischen Basis gelang es Piller Blowers, seine Prozesse zu digitalisieren und so den Wandel zum Industrie-4.0-Unternehmen zu vollziehen.

Bereits heute spart der Kundendienst bis zu 60 Prozent der Zeit für die Identifizierung von Servicefällen und muss bis zu 80 Prozent weniger Tickets bearbeiten. Damit ist es dem Mittelständler gelungen, die Ausfallzeiten der produktionskritischen Maschinen bei den Kunden deutlich zu reduzieren. Die Kunden wiederum erhalten relevante Informationen in einem umfassenden Bericht und können bei Bedarf direkt eingreifen, bevor ihre Maschinen stillstehen.

„In unserer Branche sind Services aus dem Internet der Dinge noch ein Novum und sehr selten“, sagt CIO Henzler. „Wir machen uns damit fit für die Zukunft und sichern uns einen Vorsprung gegenüber unseren Mitbewerbern.“

Weitere Lösungen, wie etwa Pay-per-Use, sind aus technologischer Sicht nun auch möglich. Die Basis für diese Services ist dank der Informationen der im IoT vernetzten Maschinen geschaffen. Aktuell arbeitet das Unternehmen an einem neuen Kundenportal welches die klassischen Services wie Helpdesk und IoT-Cockpit zusammenführt.

*Manuel Grenacher arbeitet als General Manager SAP Service Cloud, SAP Customer Experience.

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