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Hybride IT-Infrastrukturen

Herausforderungen beim Cloud-Management

| Redakteur: Jürgen Schreier

Das Marktforschungsunternehmen PAC untersuchte im Auftrag des IT-Dienstleisters Materna GmbH, wie Unternehmen IT-Ressourcen aus der Cloud heute einsetzen und welche Herausforderungen beim Managen hybrider IT-Infrastrukturen zu lösen sind.

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Immer mehr Unternehmen ergänzen ihre bestehenden IT-Infrastrukturen mit Cloud-Services.
Immer mehr Unternehmen ergänzen ihre bestehenden IT-Infrastrukturen mit Cloud-Services.
( Bild: Pixabay / CC0 )

Die Studie „Effizienter Einsatz von Cloud-Management-Systemen“ zeigt, dass viele Unternehmen in Deutschland ihre bestehenden IT-Infrastrukturen bereits aktiv mit Cloud-Services ergänzen. Genutzt wird ein Mix von Services, die aus der Private-, Public- und In-house-Cloud kommen, um so Leistungen wie die Bereitstellung von Infrastruktur (IaaS), Anwendungen (SaaS) und Entwicklungsplattformen (PaaS) zu realisieren.

Die höchsten Werte erreichen SaaS aus der Public und Private Cloud mit jeweils 29 Prozent, gefolgt von IaaS aus der Private (28 Prozent) bzw.Public Cloud (27 Prozent). PaaS wird häufig über eine In-house-Cloud (13 Prozent) und Public Cloud (12 Prozent) bezogen.

Die vielfältige Cloud-Nutzung macht jedoch ein zentralisiertes Management der Cloud-Services notwendig, da sich nur damit die komplexen Abläufe effizient steuern lassen. Dazu zählen Aufgaben wie Bedarfsanalyse, Beschaffung, Nutzungs- und Nutzerverwaltung sowie Abrechnung. Folglich möchten 84 Prozent der Befragten das Cloud-Management zentralisieren und in die Verantwortung der IT-Organisation legen.

Sicherheitsanforderungen wecken Wunsch nach Kontrollinstanz

Der Wunsch nach einer zentralen Kontrollinstanz dürfte auch mit den Sicherheitsanforderungen eines Cloud-Betriebs zusammenhängen. So hat die Umfrage ergeben, dass für 76 Prozent die Sicherheit die größte Herausforderung ist, wenn es um die Integration der Public Cloud in bestehende IT-Landschaften geht. Die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben sehen 74 Prozent als besondere Herausforderung an. Nur für knapp die Hälfte der Befragten ist derzeit die Übersicht über genutzte Cloud-Services relevant. Dies könnte sich ändern, wenn in Zukunft deutlich mehr Firmen Cloud-Services auf allen Ebenen ihrer Organisation integrieren.

Cloud-Management-Systeme sind (noch) wenig verbreitet

Cloud-Management-Systeme sind noch nicht sehr verbreitet. Nur 30 Prozent der Firmen, die heute Cloud-Services nutzen, verwenden ein solches Tool. Als ein wesentliches Hemmnis für den Einsatz dieser Werkzeuge bezeichnen die Unternehmen die erforderliche interne Organisation sowie die zugehörigen Prozesse, um standortübergreifende Cloud-Ressourcen sicher und effizient anbieten zu können.

Wer sich für ein Cloud-Management-System entscheidet, möchte zudem nicht noch ein weiteres dediziertes Werkzeug dafür verwenden. Vielmehr soll die Lösung ein bestehendes IT-Service-Management-System ergänzen.

IT und Fachbereich haben unterschiedliche Prioritäten

IT-Verantwortliche und Leiter Anwendungsentwicklung in Fachbereichen stellen zwar weitgehend ähnliche Anforderungen an Cloud-Management-Systeme. Doch setzen sie bei der Umsetzung andere Schwerpunkte: Während IT-Manager die Bereitstellung von Cloud-Diensten stärker automatisieren wollen, wünscht sich die Anwendungsentwicklung eine bessere Kostenkontrolle und Abrechenbarkeit.

Philipp Kleinmanns, Materna: "Mit einem zentralen Werkzeug für das Cloud-Management lassen sich die unterschiedlichen Anforderungen steuern und koordinieren, um so Cloud-Services kostengünstig zu beschaffen und sicher zu nutzen."
Philipp Kleinmanns, Materna: "Mit einem zentralen Werkzeug für das Cloud-Management lassen sich die unterschiedlichen Anforderungen steuern und koordinieren, um so Cloud-Services kostengünstig zu beschaffen und sicher zu nutzen."
( Bild: Materna )

„Innerhalb der Unternehmen sollten sich IT und Fachabteilungen über den Bedarf an Cloud-Services abstimmen. Dies ist ein kontinuierlicher Prozess, da sich die Anforderungen der Fachabteilungen und damit der Cloud-Bedarf rasch ändern. Ebenso sind die Angebote und Preise der Cloud-Anbieter einem Wandel unterworfen. Mit einem zentralen Werkzeug für das Cloud-Management lassen sich die unterschiedlichen Anforderungen steuern und koordinieren, um so Cloud-Services kostengünstig zu beschaffen und sicher zu nutzen“, empfiehlt Philipp Kleinmanns, Leiter Portfolio Management & Solution Sales im Geschäftsbereich IT Factory bei Materna.

Großer Informationsbedarf vorhanden

„In den Fachabteilungen benötigen die Entwicklungsleiter eine Möglichkeit, um Berechtigungen und Kosten für die Nutzung von Cloud-Services effizient zu verwalten. Zudem ist es ihnen wichtig, den Überblick über die Art und den Umfang der in ihrem Team genutzten Cloud-Services zu behalten. Die Verwaltung all dieser Aspekte kann dem Entwicklungsleiter schnell über den Kopf wachsen. Hier können Cloud-Management-Systeme helfen, einen Multi-Cloud-Ansatz effizient zu implementieren und wirtschaftlich zu nutzen“, erläutert Frank Niemann, Vice President Enterprise Apps & Related Services bei PAC – A CXP Group Company.

Die Studie legt nahe, dass in vielen Unternehmen noch grundsätzlich Informationsbedarf zu Cloud-Management-Werkzeugen besteht: 55 Prozent der Befragten möchten von externen Beratern über weitere Details informiert werden - zum Beispiel, was den Funktionsumfang und Best Practices im praktischen Einsatz betrifft.

Auf Basis der Studie haben PAC und Materna einen Leitfaden mit Handlungsempfehlungen entwickelt, wie sich Unternehmen dem Thema Cloud-Management nähern können. Die Studie und die Leitfäden sind kostenfrei abrufbar unter www.materna.de/Cloud-Management-Studie.

Risiken der Cloud: US-Supreme Court greift nach EU-Daten

Wie kürzlich berichtet wurde, will die US-Regierung Microsoft zwingen, in der EU gespeicherte Daten in den USA preiszugeben. Der Cloud-Nutzer als gläserner Kunde? Keine echte Überraschung! Trotzdem gebe ihm der konkrete Fall zu denken, meint Björn Orth, Geschäftsführer der VENDOSOFT GmbH.

Dem Bericht eines bekannten IT-Medienhauses zufolge verpflichtete ein New Yorker Bundesbezirksgericht Microsoft Ende 2013 dazu, die E-Mails eines Kunden herauszugeben. Der Konzern kam dem in Teilen nach, weigerte sich aber, Daten auszuhändigen, die auf Servern in Irland gespeichert waren. Microsoft zog vor ein Bundesberufungsgericht. Die Richter beschieden einstimmig, dass das zugrundeliegende Gesetz nur für die USA gelte. Gegen dieses Urteil wiederum gingen die US-Regierung und 33 US-Staaten an. Seitdem beschäftigt sich die höchstrichterliche Instanz der USA mit dem Fall: der Supreme Court.

"Das zeigt, wie wichtig die Angelegenheit eingestuft wird“, bemerkt Orth. „Und es zeigt, wie wenig sicher das Cloud-Modell genau genommen ist.“ Seine Mahnung ist nicht unbegründet. Spricht man hierzulande von der Cloud, spricht man zumeist von Microsoft Office 365 oder Azure, von IBM, Oracle, Google und Co. „Europäische Unternehmen riskieren mit dem Gang in die Cloud US amerikanischer Anbieter unter Umständen die Preisgabe ihrer Geschäftsdaten“, gibt Orth zu bedenken. „Und das in einer Zeit, in der IT-Sicherheit so viel diskutiert wird wie nie zuvor!“

Der VENDOSOFT-Chef verfolgt mit Interesse, wie die US-Regierung mit richterlicher Gewalt nach EU-Daten greift. Das Geschäftsmodell seines Unternehmens basiert auf dem Ankauf und Verkauf gebrauchter Softwarelizenzen - on premise also. Und genau das stellt nach Meinung Orths eine bezahlbare Alternative dar, wenn um das Speichern und Verarbeiten sensibler Unternehmensdaten geht. Wer also der Cloud skeptisch gegenüber stehe oder aus anderen Gründen nicht darauf umsteigen wolle, für den sei Firmen-Software aus zweiter Hand eine sichere und sehr kostengünstige Alternative. Am US Supreme Court gibt es derweil noch keinen Termin für die mündliche Anhörung. „Ich bin gespannt, wie die Entscheidung ausfallen wird“, sagt Orth.

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