Expertenbeitrag

 Mauro Adorno

Mauro Adorno

Managing Director für Europa, ToolsGroup GmbH

Supply Chain Trends Heiter bis wolkig: Offene Supply Chain Plattformen in der Cloud

Autor / Redakteur: Mauro Adorno / Sebastian Human

Was nicht wenigen klar war, legte die Covid-19-Pandemie schonungslos offen: Globale Lieferketten sind fragiler als viele wahrhaben wollten. Können offene Supply Chain Plattformen in der Cloud für mehr Widerstandsfähigkeit sorgen?

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Offene Plattformen in der Cloud sollen zukünftig auch dem Supply-Chain-Management zugute kommen.
Offene Plattformen in der Cloud sollen zukünftig auch dem Supply-Chain-Management zugute kommen.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Das vergangene Jahr offenbarte, wie wichtig Verbindungen in der Supply Chain sind. Das hat sich bereits zu Beginn der Pandemie gezeigt, als Unterbrechungen bei den Komponenten-Herstellern aus Wuhan die Produktionslinien der Autohersteller in aller Welt zum Erliegen brachten. Solche Unterbrechungen werden durch eine mangelhafte Orchestrierung vor- und nachgelagerter Lieferketten verursacht.

Wenn Teile einer Lieferkette in ein Silo geraten, tritt der Bullwhip-Effekt (eine menschliche Überreaktion bei der Planung, die zu Fehl- und Überbeständen führt) ein und verstärkt die Trennung zwischen dem vorgelagerten Angebot und der Kundennachfrage. Zum Beispiel planen und verwalten viele Unternehmen den Transport getrennt von der Materialhandhabung. Der Bullwhip-Effekt führt dort dann dazu, dass die Kalkulation der Ressourcen, wie viele Lkws wann und wo benötigt werden und der Lieferkettenplan nicht mehr aufeinander abgestimmt sind.

Silos in der Supply Chain sind oft das Ergebnis einer schlechten Koordination zwischen den verschiedenen Ebenen in einer End-to-End-Lieferkette (E2E). Da diese Diskrepanzen während der Pandemie hohe Kosten verursacht haben, wird die Branche künftig stärker auf vernetzte Supply-Chain-Umgebungen setzen. Dafür müssen aber die Supply Chains der beteiligten Handelspartner in eine globale E2E-Lieferkette integriert werden. Die ideale Umgebung für solche unternehmensübergreifenden E2E-Lieferketten ist die Cloud.

Eine offene Cloud-Plattform für die Supply Chain

Die Cloud bietet eine passende Infrastruktur für das gemeinsame Angebot mehrerer Supply-Chain-Partner, um optimierte Dienstleistungen wie Planung, Logistik, Beschaffung und Ersatzteilmanagement anzubieten. E2E-Lieferketten über mehrere Unternehmen hinweg können von integrierten Anwendungsgruppen auf einer offenen Supply Chain Plattform (OSCP) in der Cloud modelliert, geplant, optimiert und gesteuert werden.

Große Cloud-Anbieter wie Google und Microsoft werden diese Plattformen hosten, weil sie allein über die Architektur und die Ressourcen verfügen, um dieses Modell für mehrere Softwareanbieter nutzbar zu machen. Die Entwicklung von Cloud-Architekturen, die eine einfache Anwendungsintegration, Analysefunktionen, Sicherheit und anderen Dienste unterstützen, hat bereits begonnen.

So ermöglichen die Cloud-Architekturen von Amazon, Microsoft und Google die Integration von Anwendungen und die Erfassung von Daten aus der physischen Lieferkette. Sie bieten Data Lakes mit Big-Data-Speicherkapazität und fortschrittliche KI-Analysefunktionen – und das alles in einer hochsicheren Umgebung mit umfangreichen IT-Diensten.

Neue Datenmodelle und Standards

Es liegt auf der Hand, dass eine unternehmens- und anwendungsübergreifende Integration auf einer offenen Plattform ohne die Definition von Standards unmöglich ist.

Während viele IT-Standards bereits vorhanden sind, besteht die Herausforderung in der „Bedeutung“ der Daten, die die orchestrierten Anwendungen untereinander austauschen sollen. Eine Referenzsprache und Übersetzer sind erforderlich, um eine Anwendungsgemeinschaft für eine E2E-Lieferkettenlösung zu schaffen. Akteure wie Microsoft, Adobe und SAP sind führend bei der Gestaltung gemeinsamer Referenzdatenmodelle, die es ermöglichen, dass Informationen in diesen offenen Supply Chain Plattformen in der Cloud frei ausgetauscht werden können.

In einer Industrie 4.0 Umgebung, in der viele Daten anfallen, ist dieser Austausch besonders wichtig. Angesichts der großen Datenmengen, die durch 5G erwartet werden, wächst die Dringlichkeit, diese auch für die Optimierung der Lieferkette zu nutzen, noch stärker.

5G ante portas – ist die Lieferkette vorbereitet?

Mit der Einführung von 5G wird das Datenvolumen massiv ansteigen. 5G verspricht dank hoher Zuverlässigkeit und niedrigen Latenzzeiten viele Möglichkeiten für horizontale und vertikale Netzwerke in Industrie 4.0 Anwendungen der Zukunft. Und 5G eignet sich besonders für das Industrial Internet of Things mit seiner hohen Gerätedichte. Daher kann auf logistischer Ebene mit einer Liefer-Welle an 5G-Geräten und Ausrüstung gerechnet werden. Die Frage ist, sind Lieferketten und Logistik auf diese 5G-Welle vorbereitet?

Ein klares Ja wird man hier wohl eher nicht hören. Insbesondere undurchlässige, schlecht integrierte Lieferketten werden hier mit Problemen zu kämpfen haben und es wird sicherlich zu der einen oder anderen Unterbrechung kommen. Damit aus der 5G-Welle kein 5G-Tsunami wird, in dem die Branche unterzugehen droht und Lieferengpässe die Schlagzeilen bestimmen, müssen alle Teile der Lieferkette gut zusammenarbeiten. Offene Supply Chain Plattformen in der Cloud können auch hier die Lösung sein.

Best-of-Breed-Lösungen

Mit der Zunahme offener Cloud-Plattformen auf denen viele Anwendungen integriert werden können, nimmt auch die Bedeutung spezialisierter Best-of-Breed-Lösungen (BoB) in der Supply Chain zu. Bereits im letzten Jahr hat sich abgezeichnet, dass Branchenanalysten ihre Empfehlungen für Single-Plattform-Lösungen zurückschrauben und sich öfter auch für BoB-Lösungen aussprechen. Entsprechend werden auch Systemintegratoren anstelle großer Big-Bang-Rollouts dazu übergehen, vermehrt auf Best-of-Breed-Lösungen innerhalb offener Clouds zu setzen.

Keine Frage, die Supply Chain und Logistik Herausforderungen von heute und morgen sind ohne unternehmensübergreifende E2E-Lieferketten kaum zu stemmen. Integrierte BoB-Lösungen auf einer offenen Supply Chain Plattform in der Cloud werden hier Abhilfe schaffen und dafür sorgen, dass es zu keinen größeren Unterbrechungen in der Supply Chain und der Logistik kommt.

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