IoT-Plattformen

Hannover Messe 2018: Kreative Lösungen mit der Siemens Mindsphere

| Autor / Redakteur: Bernhard Müller-Hildebrandt / Julia Moßner

Die Kanzlerin lässt sich in Hannover erklären, wie der FC Bayern München seinen Stadionrasen mit Hilfe von Siemens MindSphere pflegt.
Die Kanzlerin lässt sich in Hannover erklären, wie der FC Bayern München seinen Stadionrasen mit Hilfe von Siemens MindSphere pflegt. (Bild: Siemens AG)

Auf der Hannover Messe 2018 gab es viele konkrete Anwendungen für Industrie 4.0 zu bestaunen. Beim Entwicklerpitch „Mindsphere Open Space Challenge“ wurde u.a. gezeigt, wie sich mit Maschinendaten eine vorausschauende Wartung durchführen lässt.

Das hatte auch Angela Merkel noch nicht gesehen: Auf der Hannover Messe 2018 zeigte Siemens-Vorstand Klaus Helmrich der Bundeskanzlerin, wie der FC Bayern München die Champions League gewinnen kann. Dazu wurden Sensoren im Rasen der Allianz-Arena an die offene Siemens-IoT-Plattform Mindsphere angeschlossen. Dort lassen sich dann alle Daten zu Bewässerung, Wind, Beleuchtungszeiten, Düngung usw. in Echtzeit analysieren. Auf Basis der aktuellen Wettervorhersage generiert die Software daraus automatisch vorausschauende Tipps zur Pflege des Grüns, damit es für das nächste Heimspiel die optimalen Spielbedingungen bietet. Der Greenkeeper des Vereins erhält diese Hinweise in einer eigens entwickelten App auf seinem Smartphone und kann unverzüglich ans Werk gehen.

Neue Pay-per-Use-Geschäftsmodell im Maschinenbau

Was dem deutschen Rekordmeister recht ist, ist auch immer mehr Maschinen- und Anlagenbauern, Bahnunternehmen oder Kraftwerksbetreibern billig. Sie nutzen ebenfalls Siemens Mindsphere, um Industrie 4.0-Projekte für die vorausschauende Wartung oder sogar ganz neue Geschäftsmodelle zu realisieren. „Wir haben mit unserer offenen IoT-Plattform in den letzten Monaten große Schritte nach vorne gemacht“, betonte in Hannover Klaus Helmrich. Bis Ende 2018 sollen rund 1,25 Millionen Maschinen und andere Objekte daran angebunden sein.

Als konkretes Beispiel stellte der Siemens-Vorstand unter anderem die Gebr. Heller Maschinenfabrik in Nürtingen vor. Statt seine Werkzeugmaschinen wie bisher nur zu verkaufen, hat der Mittelständler nun ein digitales Betreibermodell mit einer Pay-per-Use-Bezahlmethode für die Nutzlaufzeit der Anlagen im Angebot. Bei „Heller4Use“ wird im Inneren der Maschinensteuerung die Zeit erfasst, in der das Bearbeitungszentrum tatsächlich läuft. Diese Daten werden dann sicher über einen Edge-Computer vor Ort auf die Mindsphere-Plattform übertragen, wo die Nutzlaufzeit ausgewertet und über das SAP-System bei Heller direkt mit den Kunden abgerechnet werden kann.

Edge Computing mit der Datenverarbeitung direkt an der Maschine oder im Produktionsprozess ist ein wichtiger Trend und ermöglicht neue datengetriebene Geschäftsmodelle“, unterstrich Helmrich auf der Messe. Die installierte Hardware biete eine erweiterte Funktionalität und höhere Performance vor Ort bei voller Datenkontrolle. In Verbindung mit der Cloud-Lösung Mindsphere könne dadurch jeder Anwender entscheiden, wo seine Daten gespeichert und verarbeitet werden sollen.

Weitere Zukunftsthemen die Siemens in Hannover unter dem Motto „Digital Enterprise – Implement now!“ präsentierte, waren die Additive Fertigung und die Verbindung der virtuellen und der realen Produktionswelt entlang der gesamten Wertschöpfungskette mit Hilfe des Digitalen Zwillings. Dieser tauscht mit seinem realen Gegenstück ständig Daten über seinen Status aus, die dort von Sensoren erfasst werden.

Unternehmen können so beispielsweise Produktfehler schon in der Simulation erkennen. Auch sorgt der Digital Twin für mehr Produktvielfalt und Flexibilität, weil Produkte bereits testweise virtuell gefertigt werden können. Und Produktionsanlagen lassen sich schneller in Betrieb nehmen. „Die virtuelle Inbetriebnahme reduziert Time to Market, erhöht Flexibilität und spart Kosten“, brachte Helmrich den Nutzen auf den Punkt. Und betonte, dass nun die Zeit der Diskussion über die Vorteile von Industrie 4.0 vorbei sei – jetzt komme es vielmehr auf die Implementierung der vorhandenen Lösungen auf breiter Front an.

Ungewohnte Wege in der App-Entwicklung

Bei der Entwicklung von neuen Cloud-Anwendungen ging Siemens auf der Hannover Messe ebenfalls ungewohnte Wege und präsentierte in der „Mindsphere-Lounge" mit Kunden und Partnern die aktuellsten Entwicklungen und Anwendungen zur Version 3.0 der IoT-Plattform. Gleichzeitig erarbeiteten externe Entwickler und Start-ups im Rahmen der „MindSphere Open Space Challenge" in offener Zusammenarbeit vor den Augen der Messebesucher kreative Ansätze für neue Kundenlösungen und Geschäftsmodelle auf Mindsphere-Basis.

Insgesamt elf konkrete Herausforderungen aus der Praxis – neben dem Rasen beim FC Bayern München zum Beispiel auch das effiziente Lenken der Besucherströme auf der Expo 2020 in Dubai oder eine Lösung, die dem Kapitän auf einem Fischtrawler schon auf See einen genauen Überblick über Art und Menge des Fangs gibt – warteten auf kreative Köpfe mit ungewöhnlichen Ideen. Zahlreiche Teams beteiligten sich an dem erstmals durchgeführten Wettbewerb. Ihre Vorschläge und Lösungsansätze – es ging dabei noch nicht um fertige Applikationen – in Text- und Videoform wurden von einer Jury aus Siemens-Mitarbeitern, Repräsentanten der Partnerfirmen sowie einer Online-Community bewertet und daraus insgesamt 44 Finalisten ausgewählt. Diese präsentieren ihren Lösungsansatz im Rahmen der Hannover Messe in einem jeweils 15-minütigen öffentlichen Pitch vor einem fachkundigen Publikum.

Über eine Jury-Entscheidung und ein Online-Voting wurden schließlich an jedem Messetag die Sieger für das jeweilige Thema ermittelt. Die ausgezeichneten Lösungen können nun zusammen mit den Auftraggebern – neben Siemens beispielsweise mittelständische Unternehmen wie die Maschinen- und Anlagenbauer Kampf, Festo, Bausch+Ströbel, Baader oder Dieffenbacher oder der Gehäuse- und Schaltschrankhersteller Rittal – in der Praxis umgesetzt werden. „Entscheidend für den Erfolg bei dieser Challenge waren nicht große Namen oder bereits erlangte Meriten im IT-Development, sondern intelligente Lösungen und kreative Ideen“, sagt Mindsphere-Vertriebsspezialist Claus Cremers.

Auch Newcomer konnten und sollten diese einzigartige Chance beim Schopf ergreifen. So wie das Team 5thIndustry, das für den Holzbearbeitungsmaschinenhersteller Dieffenbacher aus Eppingen ein Mock-up für eine intuitiv zu bedienende Service-App entwickelt hat. Mit deren Hilfe können die Servicetechniker des Mittelständlers künftig den Status der Anlagen beobachten und Wartungstickets erstellen. Die Noch-Siemens-Mitarbeiter Sebastian Schumann, Robert Harms und Frank Paetow, die sich demnächst mit Hilfe des firmeneigenen Accelerators Next47 mit ihrem dreiköpfigen Start-up in Berlin selbstständig machen wollen, haben sich auf Industrieanwendungen im IoT-Umfeld spezialisiert.

Beispielsweise im Bereich Predictive Maintenance. „Auch unsere Service-App für Dieffenbacher könnte Teil einer vorausschauenden Wartung werden und ließe sich automatisch mit Daten aus der Maschine versorgen, die in Mindsphere permanent analysiert werden“, betonte Sebastian Schumann bei der Pitch-Präsentation. Als Belohnung für ihren Tagessieg erhielten die jungen Gründer ein Mindsphere-Entwicklerpaket für sechs Monate. Und zur ersten großen Mindsphere-Entwicklerkonferenz im September in der deutschen Hauptstadt wurden sie ebenfalls eingeladen.

Bernhard Müller-Hildebrand ist Fachjournalist in Düsseldorf und spezialisiert auf die Themen Digitalisierung, Internet oft Things und Industrie 4.0.
Bernhard Müller-Hildebrand ist Fachjournalist in Düsseldorf und spezialisiert auf die Themen Digitalisierung, Internet oft Things und Industrie 4.0. (Bild: Autor)

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