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Datenmanagement Gleichberechtigter Zugang zu Daten schafft fairen Wettbewerb

| Redakteur: Linda Bergmann

Fairer Plattform-Wettbewerb kann nur dann entstehen, wenn alle beteiligten Unternehmen gleichberechtigten Daten-Zugang haben. Doch davon ist man in Deutschland noch weit entfernt.

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Dem Zugriffsmonopol der aktuellen Plattformriesen gilt es Einhalt zu gebieten, wenn die Wettbewerbsfähigkeit von KMU eine Zukunft haben soll.
Dem Zugriffsmonopol der aktuellen Plattformriesen gilt es Einhalt zu gebieten, wenn die Wettbewerbsfähigkeit von KMU eine Zukunft haben soll.
(Bild: Ron McClenny / Unsplash)

Für die Wirtschaft eines Landes spielen Daten eine immer größere Rolle. Das ist in Deutschland nicht anders. Jedoch profitieren nicht alle Unternehmen in gleichem Maße von den gesammelten Datensätzen. So haben beispielsweise Händler auf dem Amazon Marketplace keinen Zugang auf die Nutzerdaten, die sie zum Teil selbst generiert haben – Amazon dagegen schon. Wie sich dieses Monopol auf Wettbewerbsfähigkeit und Angebotsvielfalt im E-Commerce auswirken kann, zeigt ein aktuelles Gutachten des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) im Auftrag des Mittelstandsverbunds (ZGV).

Zugriffsmonopol auf Daten bringt Marktstrukturen in Schieflage

Die Marktmacht von Amazon im deutschen Onlinesegment ist ungebrochen groß und wird tendenziell noch weiter steigen, und das nicht ohne Grund. Einen Großteil des im Jahr 2017 verbuchten Marktanteils von 46 Prozent erwirtschafteten Händler, die ihre Produkte dem Amazon Marketplace verkaufen. Knapp die Hälfte generierte Amazon durch eigene Verkäufe.

Die bei Transaktionen generierten Daten sind allerdings einzig durch den US-Konzern einsehbar, nicht aber durch die anderen Händler. Zielgerichtete Marketingstrategien sowie Preisanpassungen bleiben damit dem Plattformriesen vorbehalten.

Die Folgen wirken sich negativ auf Händler und Verbraucher gleichermaßen aus. So kann Amazon seine Vormachtstellung als Online-Verkaufsplattform noch weiter ausbauen und damit Preise und Angebots-Vielfalt regulieren. In der Konsequenz bedeutet das höhere Preise bei weniger Auswahl für die Konsumenten. Es gilt einen fairen Wettbewerb im Onlinehandel zu garantieren. Nur wenn auch kleine und mittelständische Händler die Daten zu ihrem eigenen Vorteil nutzen können, besteht die Chance auf ein faires Miteinander im Onlinehandel.

Alternativmodelle zu etablierten Plattformriesen bisher nicht erfolgreich

Daten sind ein Wettbewerbsfaktor. Sie sind in der Lage, Märkte zu monopolisieren, Marktstrukturen zu verfestigen und die Funktionsfähigkeit des Wettbewerbs zu stören. Die zunehmende Marktkonzentration macht es notwendig, Daten für einen größeren Adressatenkreis zugänglich und nutzbar zu machen.

Es gab in der Vergangenheit bereits Versuche, Alternativmodelle zur bisherigen Nutzung von Großplattformen zu entwickeln, wie beispielsweise Kooperationen aus unterschiedlichen Genossenschaften und Verbundgruppen, die gleichberechtigten Zugriff auf generierte Daten besaßen. Diese waren in Summe jedoch nicht erfolgreich.

Es bleibt festzuhalten, dass keine neuen Geschäftsmodelle ent- oder bestehen können, wenn den beteiligten Unternehmen der Zugang zu Daten und damit zum Kunden verwehrt bleibt. Daraus resultierend, nutzen Kunden größtenteils bereits bestehende Plattformmodelle, da nur diese ihren Erwartungen an Auswahl, Darbietung der Waren und Dienstleistungen sowie Kundenansprache gerecht werden können. Im Zuge dessen kippen die Handelsmärkte in vielen Bereichen zugunsten der Plattformriesen; mittelständische Unternehmen haben ab diesem Punkt nahezu keine Chance mehr, den Vorsprung der anderen aufzuholen.

Was muss sich ändern?

Aktuell sehen weder Kartellrecht noch das Regulierungsrecht konkrete Ansprüche bezüglich des Teilens von Daten oder den Zugang zu digitalen Plattformen vor.

Daraus ergibt sich die zwingende Notwendigkeit, einen Kontrahierungszwang mit Gleichbehandlungsgebot global, beispielsweise über die WTO, oder mindestens auf europäischer oder nationaler Ebene zu verankern. Die dadurch gewonnene Rechtssicherheit und Stabilität bildet die Grundlage für gleiche Wettbewerbsbedingungen zwischen Mittelständlern und großen Plattformen.

Man schüfe eine unabhängige Vertrauensinstanz, die eine zulässige Datennutzung sowie die Einhaltung wettbewerblicher Strukturen garantiert. Ziel dieser Instanz wäre die Sammlung und Verwaltung der generierten Datensätze. Alle zur Plattform zugehörigen Unternehmen profitierten dann von der Datensammlung.

Denkbar wäre in diesem Zusammenhang eine als Genossenschaft oder Kooperation ausgestaltete Vertrauensinstanz, in der die beteiligten Unternehmen gleichberechtigt auf die Daten zugreifen können. Genossenschaftliche Strukturen zur Organisation des Datenteilens sollten daher in das Regulierungskonzept eingebaut werden. Ein solches Modell kann so ausgestaltet werden, dass es mit dem Kartellrecht vereinbar ist.

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