Breitbandausbau Glasfaser – Welche Ausbaustufen und Potenziale es gibt

Von Andreas Reinhardt*

Daten schnell abzurufen ist Voraussetzung für wirtschaftlichen Erfolg. Doch während das Datenvolumen zunimmt, stoßen bestehende Kabel an die Kapazitätsgrenzen. Welche Ausbaustufen es gibt und wo Deutschland im internationalen Vergleich steht.

Anbieter zum Thema

Eine OECD-Analyse sieht Südkorea (84,8) und Japan (81,6) beim Breitbandausbau ganz vorne. Deutschland belegt hier mit 5,4 Prozent Platz 34 von 38.
Eine OECD-Analyse sieht Südkorea (84,8) und Japan (81,6) beim Breitbandausbau ganz vorne. Deutschland belegt hier mit 5,4 Prozent Platz 34 von 38.
(Bild: gemeinfrei // Unsplash)

Ohne Breitband geht heute nahezu nichts mehr. Es bildet die Grundlage für Kommunikationsinfrastrukturen, die Nutzung von Cloud Services und die Umsetzung von Digitalisierungsprojekten. Big Data-, IoT- und Industrie 4.0-Anwendungen erfordern schnelles, zuverlässiges Internet mit hohen Bandbreiten. Auch im privaten Alltag sind wir daran gewöhnt, ständig online zu sein. VoIP, IPTV und Videostreaming gehören heute bereits in zahleichen Haushalten zum Standard. Smart Home- und Smart-Building-Konzepte halten nach und nach Einzug. Während der Corona-Pandemie hat sich zudem gezeigt, wie wichtig das Internet ist, um in Krisenzeiten resilient zu bleiben. Digitale Geschäftsmodelle und die Möglichkeit, Remote zu arbeiten, waren für Unternehmen überlebenswichtig. Auch Schulen mussten Unterricht über Videochats und Lernplattformen halten. Viele Arbeitgeber haben aus der Erfahrung des vergangenen Jahres gelernt und wollen auch künftig flexiblere Arbeitsmodelle mit höherem Home-Office-Anteil beibehalten.

All diese Entwicklungen führen dazu, dass der Datenverbrauch und die Nachfrage nach hohen Bandbreiten steigen. Laut einer aktuellen Analyse des Glasfaserverbands Breko erhöhte sich 2020 das Festnetz-Datenvolumen, das durchschnittlich pro Anschluss und Monat übertragen wurde, um mehr als 40 Prozent.

Warum ist Glasfaser die beste Lösung?

Glasfaser ist derzeit die beste Lösung, um große Datenmengen zuverlässig in hoher Geschwindigkeit zu übertragen. Die Technik bildet seit vielen Jahren das Rückgrat des Internets. Das transatlantische Telefonkabel, das Europa mit den USA verbindet, zum Beispiel hat eine Bandbreite von 1.280 GBit/s. In der lokalen Infrastruktur ermöglicht Glasfaser aktuell Übertragungsraten von 1 GBit/s und mehr – symmetrisch im Downstream und Upstream. Keine andere Technologie schafft das. Die verfügbare Geschwindigkeit ist dabei eine reine Tariffrage. Bei den meisten Anbietern stehen zwei verschiedene Stufen zur Wahl. Reicht die Glasfaser bis in die Wohneinheit (Fibre to the Home, FTTH), erhalten Kunden die volle, vertraglich fest zugesicherte Bandbreite und müssen sie nicht mit anderen Nutzern teilen. Es gibt also keine ‚bis zu‘-Angaben mehr.

Im Gegensatz zu Kupferkabeln kommt es bei Glasfaser auch mit zunehmender Leitungslänge kaum zu Signalverlusten. Daher ist es unerheblich, wie weit der Verteilerkasten vom Hausanschluss entfernt ist. Außerdem ist die Technik unempfindlich gegen elektromagnetische Störungen und abhörsicherer als andere Leitungsnetze. Nicht zuletzt ist Glasfaser nachhaltiger und umweltfreundlicher. Denn die Verteilerkästen brauchen erheblich weniger Energie als VDSL mit Supervectoring. Einmal verlegt, sind Glasfaserleitungen auch für künftige Bandbreitenerweiterungen gewappnet. Die Leistungsstufen lassen sich über die Verteiler realisieren, es sind keine erneuten Tiefbauarbeiten nötig.

Diese Glasfaser-Ausbaustufen gibt es:

Die meisten Netzbetreiber nutzen Glasfaser bereits in ihren Kernnetzen. Erst wenige bieten aber Glasfaseranschlüsse bis ins Haus oder gar in die Wohneinheit. Grundsätzlich wird zwischen vier verschiedenen Ausbaustufen unterschieden:

  • FTTC (Fibre to the Curb): Glasfaser bis zum Verteilerkasten: Auf diesem Stand befinden sich derzeit der Großteil der Breitbandnetze in Deutschland. Vom Point of Presence (POP) des Netzbetreibers bis zum Verteilerkasten am Straßenrand erfolgt die Datenübertragung via Hochleistungs-Glasfaserleitungen. Die restliche Strecke vom Verteilerkasten zu den Endkunden verläuft dann auf den vorhandenen, klassischen Kupferkabeln. Für die Kunden entspricht FTTC der VDSL-Technik.
  • FTTB (Fibre to the Building): Glasfaser bis zum Gebäude: Bei FTTB besteht auch die Leitung vom Verteilerkasten bis zum Abschlusspunkt Linientechnik (APL) oder Hausübergabepunkt (HÜP) eines Gebäudes aus Glasfaser. In der Regel befindet sich dieser im Keller. Von dort aus erfolgt die Datenübertragung in die einzelnen Wohneinheiten über die vorhandenen Kupferkabel. Dadurch sind Bandbreiten von bis zu 100 Mbit/s im Downstream möglich. Dabei ist es unerheblich, wie weit das Haus vom Verteilerkasten entfernt ist.
  • FTTH (Fibre to the Home): Glasfaser bis in die Wohnung: Bei FTTH ist jede Wohneinheit direkt mit einer eigenen Glasfaserleitung an den Verteilerkasten angeschlossen. Das ermöglicht symmetrische Datenraten von 1 Gbit/s und mehr. FTTH wird heute schon in modernen Mehrfamilienhäusern eingesetzt. Im Bereich der Einfamilienhäuser sind FTTH und FTTB identisch.
  • FTTD (Fibre to the Desk): Glasfaser bis zum Schreibtisch: Hier soll die Zukunft hingehen: In der schnellsten Ausbaustufe besteht die gesamte Übertragungsstrecke vom POP des Netzbetreibers bis zum Arbeitsplatz der Kunden aus Glasfaser. Auch von der Anschlussdose bis zum Endgerät wird dann ein Glasfaserkabel verwendet.

Der aktuelle Glasfaser-Stand in Deutschland

Laut einer Statistik der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) vom Dezember 2020 hinkt Deutschland beim Glasfaserausbau noch hinterher. Der Anteil der Glasfaseranschlüsse bis ins Gebäude oder die Wohnung (FTTB und FTTH) unter allen Breitbandanschlüssen liegt hier nur bei rund 5,4 Prozent. Damit rangiert Deutschland unter den 38 OECD-Staaten auf dem fünftletzten Platz. Führend in der EU sind Litauen mit 76,6 Prozent, Schweden mit 75 Prozent und Spanien mit 73,2 Prozent. Insgesamt liegen Südkorea mit 84,8 Prozent und Japan mit 81,6 Prozent ganz vorne im OECD-Glasfaser-Ranking.

Die Breko-Marktanalyse zeichnet dagegen ein deutlich positiveres Bild von der Entwicklung in Deutschland. Ihr zufolge ist der Anteil der Glasfaseranschlüsse bis in die Gebäude und Wohnungen im Verhältnis zur Gesamtzahl aller Haushalte und Unternehmen bis Ende 2020 auf 17,7 Prozent gestiegen. Das entspricht einem Zuwachs von 1,9 Millionen auf insgesamt 8,3 Millionen Glasfaseranschlüsse deutschlandweit. Damit hat sich die Dynamik im Vergleich zum Vorjahr nahezu verdoppelt. Den größten Teil dieser Anschlüsse realisieren mit 6,2 Millionen die alternativen Netzbetreiber, die parallel zur Deutschen Telekom den Breitbandausbau forcieren. Für 2021 prognostiziert der Breko einen Anstieg auf knapp 11,5 Millionen Glasfaseranschlüsse und bis zum Jahr 2024 auf 26 Millionen. Im europäischen Vergleich liegt Deutschlands Wachstumsrate bei Glasfaser laut Breko mittlerweile auf Platz drei.

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung.

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

Viele Netzbetreiber haben in Deutschland beim Breitband bisher noch auf die alten Kupfer- und TV-Kabel-Leitungen gesetzt, um Kosten zu sparen. Mittlerweile wird jedoch klar, dass die Vorteile von Glasfaser deutlich überwiegen und sich die Investition für die Zukunft lohnt.

Ausblick: Glasfaserausbau nimmt Fahrt auf

Um international wettbewerbsfähig zu bleiben, muss Deutschland beim Breitbandausbau aufholen. Landkreise, Kommunen und Netzbetreiber sollten dabei nicht länger auf veraltete Kupferkabel setzen, sondern lieber gleich in Glasfaser investieren. Der Aufbau der Netze erfordert zwar zunächst etwas mehr Aufwand, rechnet sich aber für die Zukunft. Denn mit der zunehmenden Digitalisierung wächst auch das Datenvolumen immer weiter. Lichtwellenleiter können in der Bandbreite enorm skalieren und bieten zuverlässige Höchstgeschwindigkeiten symmetrisch im Downstream und Upstream. Keine andere Übertragungstechnik kann das derzeit leisten. Mithilfe eines erfahrenen Partners, der über umfassende Expertise auf allen Netzebenen verfügt, gelingt es, Breitbandprojekte kosteneffizient und erfolgreich umzusetzen.

* Andreas Reinhardt arbeitet als Business Unit Manager Telekommunikationsinfrastruktur/Systemtechnik bei der Axians GA Netztechnik.

(ID:47917969)