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Expertenbeitrag

 Christian Dornacher

Christian Dornacher

Director, Storage und Analytics Solutions EMEA, Hitachi Vantara GmbH

Mit dem Next-Generation Ansatz lassen sich IoT-Lösungen mit einem Öko-Partner-System realisieren

Gemeinsam zum Erfolg: Co-Creation ist Innovation in einer neuen Form

| Autor/ Redakteur: Christian Dornacher / Redaktion IoT

Co-Creation ist eine Methode, mit der Unternehmen maßgeschneiderte Lösungen entwickeln und umsetzen können. Als „Next-Generation Ansatz” setzt Co-Creation auf ein Ökosystem von Partnern, um ganzheitlich an eine Herausforderung heranzugehen und gemeinsam mit den beteiligten Unternehmen eine Lösung zu finden.

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Quelle: www.Pixaby.de
Quelle: www.Pixaby.de
(Mit Co-Creation schrittweise zum Erfolg)

Unternehmen suchen aktuell verstärkt nach Methoden um Lösungen zu entwickeln, mit denen sie sich auf veränderte Marktbedingungen und neue Konkurrenten einstellen können. Allerdings verändert sich der Markt mittels neuer Technologien wie IoT und Big Data derartig schnell, dass traditionelle Ansätze dafür oft nicht ausreichen. Der klassische lösungsorientierte Ansatz (Solution Selling) ist für viele Einsatzzwecke nicht mehr auf der Höhe der Zeit, weil Kunden heute oft nicht mehr genau wissen, was für ihr Projekt eigentlich genau benötigt wird.

Oft ist nicht einmal klar umrissen, was genau analysiert werden soll oder welche Daten von welchen Geräten relevant sind, um das gewünschte oder erwartete Ergebnis zu bekommen. Co-Creation ist eine Methode, mit der Unternehmen maßgeschneiderte Lösungen entwickeln und umsetzen können. Als „Next-Generation Ansatz” setzt Co-Creation auf ein Ökosystem von Partnern, um ganzheitlich an eine Herausforderung heranzugehen und gemeinsam mit den beteiligten Unternehmen eine Lösung zu finden.

Die Protagonisten

An gemeinsamen Projekten sind in aller Regel unterschiedliche Unternehmen beteiligt. Kunden, Consulting-Unternehmen, Forschungseinrichtungen, Lieferanten, Logistikpartner und wenn nötig auch Behörden. Es ist auch kein Tabu mehr, mit Wettbewerbern eine Partnerschaft einzugehen, wenn davon alle Seiten profitieren. Ein gutes Beispiel dafür ist die milliardenschwere Übernahme des Kartendienstes „Here” durch ein Konsortium aus mehreren Automobilherstellern, namentlich Audi, BMW und Mercedes. Ziel der Hersteller ist es, Navigation und standortabhängige Services in die Autos zu integrieren und dabei gleichzeitig unabhängig von Anbietern wie Google (Google Maps) und ihren Schnittstellen zu bleiben. Alle beteiligten Hersteller profitieren von der Offenheit der Plattform und betrachtet man die Entwicklung hin zu Connected Cars oder gar autonomen Autos, wird sich das Investment wohl mittelfristig amortisieren.

Ein weiteres aktuelles Beispiel für erfolgreiche Co-Creation ist das „Train as a Service“ Projekt von Hitachi, in das ein Konglomerat von weiteren Unternehmen eingebunden ist. Die Konzerntochter Hitachi Rail liefert, betreibt und wartet Züge in England auf verschiedenen, stark frequentierten  Strecken. Der Start des Projektes erfolgte 2012 zu den Olympischen Spielen von London, der Vertrag über die langfristig angelegte Partnerschaft läuft noch rund 28 Jahre. Das Besondere an dem “Train as a Service”-Ansatz ist, dass die eingesetzten Züge nicht wie üblich Eigentum der Britischen Bahn sind, sondern weiterhin Hitachi gehören.

Abgerechnet wird im Prinzip nach erbrachter Leistung: Parameter sind hier beispielsweise die Kundenzufriedenheit, Pünktlichkeit und Fahrbereitschaft. Um die Züge effizient zu nutzen, Wartungsfenster minimal und die Kundenzufriedenheit möglichst hoch zu halten, wird ein zentrales Steuer und Überwachungssystem eingesetzt. Modernste Sensor- und IoT-Technologie sorgt für Predictive Maintenance und damit für eine 100-prozentige Verfügbarkeit des Betriebs. Als Basis des Projektes, an dem unter anderem auch Vodafone IoT und Pentaho als Partner beteiligt sind, erfasst die Lumada-Plattform von Hitachi jeden Tag rund 48.000 Datensätze (rund 25 GB an Daten) von jedem Zug. Neben den Ingenieuren werden Data-Scientists eingesetzt, um den größtmöglichen Nutzen aus diesen Daten zu ziehen.

Was spricht für Co-Creation-Projekte?

In der Vergangenheit wurden Kunden häufig fertig entwickelte IT-Lösungen präsentiert und dann suchten Anbieter und Kunde gemeinsam nach Wegen, die Technik optimal zu nutzen. Heute sprechen alle von der digitalen Transformation – und mit dem neuen Schlagwort hat auch ein Umdenken eingesetzt. Es geht darum, komplexe Abläufe und Herausforderungen mit digitalen Lösungen darzustellen, zu optimieren und gegebenenfalls neu zu denken. Das klassische Kirchturmdenken hat dabei keinen Platz mehr, Technologien müssen integriert und zu individuellen Lösungen zusammengesetzt werden. Folgende Aspekte sprechen für den Co-Creation-Ansatz:

  • Technologie: Das IoT ist einer der Treiber für Co-Creation. Das Beispiel Hitachi Rail macht deutlich, wie mehrere beteiligte Unternehmen unterschiedliche „Bausteine“ für eine gemeinsame Realisierung der Lösung liefern.
  • Komplexität: Viele Projekte sind extrem komplex. Eine Verteilung der Aufgaben, aber auch der Verantwortung und des Risikos sind hilfreich. Typische Beispiele hierfür sind Smart-City-Projekte, die oft in viele kleine Projekte heruntergebrochen werden, aber dabei einem übergeordneten Ziel folgen.
  • Kundenfokus: Das genaue Verständnis der Kundenanforderungen und deren schnelle Umsetzung sowie ein entsprechend flexibles Produkt- und Service-Portfolio sind heute unabdingbar. Das bedeutet auch, dass Lösungen „von der Stange“ meist nicht ausreichen, um Kunden zufrieden zu stellen und deren Loyalität zu sichern. Die Lösungen müssen in enger Zusammenarbeit mit dem Kunden entwickelt werden.
  • Konvergenz: Die Grenzen zwischen Unternehmen und Technologien verschwimmen immer mehr. Ein typisches Beispiel hierfür ist die Automobilbranche. In einem Auto kommen heute Technologien und Lösungen unterschiedlicher Firmen zum Einsatz. Ohne gemeinsame Entwicklungsansätze und Co-Creation wäre das nicht möglich.

Schrittweise zum Erfolg: Workshop, Prototyp, Produktion

Zusammengefasst ist Co-Creation ein neuer Weg, um anspruchsvolle und komplexe Projekte, speziell im Industrie-4.0- und IoT-Umfeld zu verwirklichen. Am Anfang steht idealerweise ein Workshop mit Hitachi und dem Kunden. Darin werden Wünsche, Anforderungen und Möglichkeiten diskutiert und eine Roadmap definiert, wie die fertige Lösung aussehen soll. Im nächsten Schritt werden Lösungskonzepte erarbeitet, die Mehrwerte aufzeigen, es folgt die Realisierung eines Prototyps um die Funktion zu demonstrieren. Ist der Prototyp nach eventuellen Anpassungen als finale Lösung abgenommen, kann die Realisierung der fertigen Lösung erfolgen.

Bevor aber mit einem Co-Creation Projekt begonnen werden kann, müssen einige Hindernisse aus dem Weg geräumt werden. Typischerweise müssen Fragen rund um Themen wie Intellectual Property und Datensicherheit (Privacy, Security) geklärt werden. Auch sind ein entsprechendes Umdenken und die Offenheit für solche Projekte sehr wichtig. Intellectual Property kann und sollte im Vorfeld der Projekte diskutiert und geklärt werden. Diese Diskussion sollte unbedingt am Anfang eines Projektes stattfinden um spätere Diskussionen oder Streitigkeiten zu vermeiden. Datensicherheit ist immer ein kritisches Thema, welches von der Anonymisierung bis zur Verschlüsselung und Verwaltung entsprechender Zugriffsrechte reicht. Hier müssen klare Vereinbarungen getroffen und gesetzliche Vorschriften beachtet werden. Sind alle Fragen geklärt, steht der Markteinführung beziehungsweise produktiven Nutzung nichts mehr im Wege. 

Über den Autor

 Christian Dornacher

Christian Dornacher

Director, Storage und Analytics Solutions EMEA, Hitachi Vantara GmbH