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Interview Jash Bansidhar, Advantech „Für die erfolgreiche Implementierung von Industrie 4.0 muss der Mensch eine Schlüsselrolle spielen“

| Redakteur: Sebastian Human

Offene Standards, Co-Creation, Ökosysteme – Industrie 4.0-Konzepte setzen auf kollaborative Ansätze. Im Interview spricht Jash Bansidhar, Managing Director bei Advantech Europe, darüber, was das für sein Unternehmen und dessen Kunden heißt.

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Kollaboratives Arbeiten ist für das Gelingen von Industrie 4.0-Projekten ebenso wichtig, wie ein Fokus auf den Menschen und dessen konkrete Problemstellungen.
Kollaboratives Arbeiten ist für das Gelingen von Industrie 4.0-Projekten ebenso wichtig, wie ein Fokus auf den Menschen und dessen konkrete Problemstellungen.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Herr Bansidhar, offene Standards sind schon länger ein Thema im Umfeld des IoT und dessen Anwendungen. Wie denken Sie darüber und wo liegen Vor- und Nachteile für Hardware- und Software-Plattformen, die auf diesen Ansatz bauen?

Einfach ausgedrückt: Offene Plattformen auf allen Ebenen sorgen für mehr Interoperabilität, Flexibilität und Agilität. Tatsächlich begrüßen die meisten Entwickler die Freiheit, die sie bieten.

Unser Angebot einer offenen Standard-End-to-End-Lösung, die das Problem der Herstellerbindung für unsere Kunden eliminiert, ist einzigartig. Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, die Komplexität von IoT-Projekten zu minimieren und den Erfolg für unsere Kunden sicherzustellen, indem wir das Fachwissen zusammenführen, das sie benötigen, um innovative IoT-Lösungen zu entwickeln, die an ihre jeweiligen Umgebungen und Anwendungen angepasst sind.

Wir verfügen über Paradigmenexperten und Produkte in jedem technischen Element eines Lösungsstapels. Das, kombiniert mit offenen Plattformen, gibt den Nutzern die beispiellose Freiheit, genau die Leistung auszuwählen, die sie benötigen und dabei von unserem gesamten Stack-Fachwissen zu profitieren.

Advantech setzt nach eigenen Angaben außerdem auf sogenannte Co-Creation-Modelle. Was verstehen Sie darunter und warum haben Sie sich für diese Vorgehensweise entschieden?

Da die Industrien immer wettbewerbsintensiver werden, müssen die Unternehmen innovativ sein, um den immer anspruchsvolleren Kundenerwartungen gerecht zu werden und so ihren Marktanteil zu erhalten und auszubauen - und das alles innerhalb ihrer bestehenden Infrastruktur und der stark regulierten Umgebungen, in denen sie tätig sind. Vereinfacht ausgedrückt, ist das die Situation, mit der wir uns auseinandersetzen müssen - aber sie erfordert einen Innovationsprozess, bei dem es nicht um radikale Erfindungen geht, sondern der sich stattdessen auf die geschäftliche Entwicklung konzentriert, wobei die Technologie als Enabler für strategische Ziele dient.

Wir haben schon früh erkannt, dass das industrielle IoT eine Vielzahl von Sektoren abdeckt, von denen jeder über eine tiefe Wissensbasis verfügt, was es äußerst schwierig macht, universelle industrielle IoT-Anwendungen zu fördern. Unsere Mission, einen intelligenten Planeten zu ermöglichen, kann nur durch die Schaffung eines ganzen industriellen IoT-Ökosystems erreicht werden und dafür mussten wir starke Partnerschaften bilden und nutzen. Mit der Entwicklung der industriellen IoT-Cloud-Plattform WISE-PaaS haben wir darauf reagiert und Technologieanbieter, Plattformanbieter und Experten für vertikale Domänen in einem einzigen Ökosystem vereint, um maßgeschneiderte Lösungen zu liefern und so den Wert für unsere Kunden und die gesamte Partnergemeinschaft zu steigern.

Sie sprechen aber auch immer mal wieder von einem Fragmentierungsdilemma bei Unternehmen. Was meinen Sie damit genau und was können betroffen Organisationen dagegen tun?

Ja, Fragmentierung ist ein wichtiges Thema, insbesondere im Bereich der intelligenten Maschinenverwaltung. Sie hat zwei Facetten, die beide angegangen werden müssen, wenn Fortschritte erzielt werden sollen: die Fragmentierung von Geschäftsprozessen und die Fragmentierung der Konnektivität zwischen Geräten.

Jash Bansidhar arbeitet als Managing Director für Europa bei Advantech. Zuvor war er als Sektorleiter für die Sparte Industrial IoT Europe des Unternehmens tätig.
Jash Bansidhar arbeitet als Managing Director für Europa bei Advantech. Zuvor war er als Sektorleiter für die Sparte Industrial IoT Europe des Unternehmens tätig.
(Bild: Madbear Aleksander Bogdanski/Advantech)

Für viele Unternehmen bedeutet Fragmentierung, dass sie sich mit einer Reihe von disparaten, also nicht kompatiblen, Altsystemen auseinandersetzen müssen, die isoliert voneinander arbeiten. Es kann eine echte Herausforderung sein, in solchen Umgebungen Daten zu sammeln - eine vollständige Überholung wäre jedoch unwirtschaftlich. Wir müssen hier also etwas Kreativität zeigen und einfallsreich sein.

Im Wesentlichen erfordert die Bewältigung der Herausforderungen, die sich aus der Fragmentierung ergeben, ein Engagement für eine umfassende Zusammenarbeit zwischen den Beteiligten. Unsere eigene Herangehensweise an die Co-Kreation konzentriert sich auf die Bereitstellung von Plattform-Ressourcen neben der Investition in Partnerschaften mit Systemintegratoren und der gemeinsamen Verwirklichung der Mission, zunehmend intelligente Industrieumgebungen zu ermöglichen.

Für Systemintegratoren gehen die Vorteile dieses Ansatzes weit über die Fähigkeit hinaus, Anwendungen über WISE-PaaS schnell zu replizieren; er ermöglicht ihnen tatsächlich den Übergang vom reinen Verkauf von Lösungen zur proaktiven Entwicklung und Verwaltung innovativer Modelle für Betriebs- und Wartungsdienste, die genau auf die Bedürfnisse und Anwendungen der Kunden zugeschnitten sind.

Apropos Innovation: Wie werden sich Human Machine Interfaces Ihrer Meinung nach entwickeln? Schließlich gibt es hier verschiedene Ansätze von Touchscreens über Sprachsteuerung bis hin zu Eye Tracking. Welches Konzept wird sich Ihrer Meinung nach durchsetzen?

Für die erfolgreiche Implementierung von Industrie 4.0 muss der Mensch eine Schlüsselrolle spielen, unabhängig vom Grad der Automatisierung und Autonomie der Produktionssysteme. Dies macht die Auswahl und Wirksamkeit von Mensch-Maschine-Schnittstellen (HMIs) absolut entscheidend.

Mit der Entwicklung der industriellen Prozesse sind die HMIs selbst sehr komplex geworden, ohne jedoch notwendigerweise für die Benutzererfahrung optimiert zu sein. Ein schlechtes Design bedeutet jedoch ein erhöhtes Risiko, sowohl für die Arbeiter als auch für die Anlagen - während die Erwartung der modernen Benutzer eine einfache Schnittstelle ist, ähnlich der, die sie von ihren Smartphones gewohnt sind, zu sehen.

Gesichtserkennungstechnologie wird in mobilen Geräten immer alltäglicher, und es ist zu erwarten, dass sich dies in der industriellen Umgebung widerspiegelt. Das Gleiche gilt für die Sprachsteuerung - hier besteht der große Vorteil darin, dass sie eine freihändige Nutzung ermöglicht, bei der die Gefahr einer Ablenkung geringer ist.

Der vielleicht wichtigste Faktor bei der Entwicklung von HMI ist jedoch die künstliche Intelligenz. Maschinensysteme und ihre IoT-Sensoren erzeugen riesige Datenmengen, und es wird erwartet, dass HMIs Algorithmen für maschinelles Lernen enthalten, die die Leistungsfähigkeit dieser Daten nutzen und sich gleichzeitig an das Verhalten des Bedieners anpassen können.

Was die spezifische Hardware anbelangt, so ist ein Bereich, der derzeit stark zunimmt, die intuitiven Bedienfelder, deren Funktionen in diskrete, einfach zu bedienende Anwendungen nach dem Vorbild eines Smartphone-Bildschirms organisiert sind. Diese ermöglichen es dem Benutzer, die ihm zur Verfügung stehenden Optionen zu verstehen und die entsprechenden Maßnahmen zu ergreifen.

In der Zwischenzeit nimmt die Verwendung von On-Machine-HMIs zu, die nicht nur Informationen zur Maschinenüberwachung, sondern auch Betriebsanwendungen, Werkzeugmanagement und übergeordnete Flottenleistungsdaten liefern können.

Ein weiterer Bereich, in dem wir ein exponentielles Wachstum erwarten können, sind die mobilen HMIs. Die Hersteller wünschen sich die Möglichkeit, den Betrieb von überall aus zu überwachen und zu steuern. Gegenwärtig sind Tablets und Mobiltelefone das bevorzugte Mittel, um dies zu erreichen, aber es kann gut sein, dass sich diese auch zur Wearable-Technologie entwickeln werden.

Vielen Dank für das Gespräch.

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